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Bainl Vil.
1. Abschnitt: Nervöse Naehkrankheiten des Abdominaltyphus.
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II. Hyperästhesien und Neuralgien.
Hyperästhesien sollte man nach den Andentungenälterer Lehrbücher in der Rekonvaleszenz des Typhus imAllgemeinen selten erwarten. Die klinischen Erfahrungender letzten Jahrzehnte haben aber das Gegentheil bewiesen;es gewinnt fast den Anschein, als ob mit Einführung derKaltwasserbehandlung diese Reizerscheinungen im Gebieteder sensiblen Nerven zugenommen hätten.
Im 12. Feldlazarett] XL Armeekorps kamen währendder Monate November und Dezember 1870 unter denTyplmsrekonvaleszenten 8 Fälle von Hyperästhesie, alleim Bereiche der Plantarfläche der Zehen, von solcher Hef-tigkeit zur Beobachtung, dass auch die oberflächlichsteBerührung einen schmerzhaften Aufschrei hervorrief. Nurbei einem Kranken war eine bläulich graue Verfärbung ander unteren Fläche zweier Zehen zu sehen. Die Zehenfühlten sich kühl an. In einem Falle erstreckte sich dieAffektion noch weiter hinaufin der Bahn des n. saphenus.zeigte sich dieselbe Erscheinung mit demselben Sitze in denZehen, und nicht selten von neuralgischen Anfallen, be-sonders in den Fussballen begleitet, auch unter den wieder-genesenen Kranken der Kriegs- und Reservelazarethe zuNancy, Potsdam, Breslau und anderwärts.
v. Krafft-Ebing fand zu Rastatt die auf die plantapedis beschränkte Hyperästhesie ausschliesslich beiKonvaleszenten „einhergehend mit bedeutender Hautab-stossung. Die Kranken klagten über quälendes Jucken undBrennen in der Haut der Fusssohle, als ob sie im Feuerständen und verzichteten zeitweise ganz aufs Gehen."
Eine genauere Auskunft, welche Typhusform oderwelche Behandlungsmethode diesen Hyperästhesien vorauf-gegangen war, geben diese Berichte leider nicht. Wir
längs der Mitte der WadeSehr häufig und hartnäckig-
erfahren nichts über den Verlauf des Fiebers, die Be-schaffenheit des Herzens und der Gefässe, den Zustandder Ernährung, die Komplikationen. Und doch wäre dieKenntniss aller dieser Umstände zur Erklärung jener ner-vösen Folgeerscheinungen die erste Bedingung. Knoeve-nagel glaubt einer Ischaemie Schuld geben zu müssen,welche bei marastischen Zuständen mit besonderer Vorliebean den entlegensten Körpertheilen auftritt. Für dieseAnschauung spricht ihm die objektive Kühle der Zehen, diem einem Falle sichtbare graublaue Verfärbung derselben, des-gleichen der günstige Erfolg seiner Therapie, welche in derApplikation warmer Fussbäder bestand und das Leiden baldbeseitigte. Ebensogut konnten aber der Beschreibung nachneuritische Prozesse im Spiel sein. Nach v. Krafft-Kbing sollen örtliche Ernährungsstörungen der Hautnerven
Suittts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
im Gefolge des Neubildungsprozesses der Cutis einen her-vorragenden Antheil an der Hyperästhesie haben. Alankönnte sich in der That denken, dass die hierdurch ge-steigerte Erregbarkeit unter Mitwirkung eines peripherischenReizes, z. B. der Bewegung, des Drucks, der blossen Be-rührung, bis zur Schmerzempfindung erhöht würde. Scholz— Bericht über die Resultate der Kaltwasserbehandlungdes Unterleibstyphus in der Krankenanstalt zu Bremen —hält die Genese der Hyperästhesie der Zehen fur durchausunklar. „Eine Thrombose konnte in seinen Fällen nichtvorliegen, denn nirgends waren sonstige Zeichen derselben,Stauungserscheinungen oder gar Gangrän vorhanden. AuchEntzündungsvorgänge waren nicht nachzuweisen." Erwäh-nenswerth erscheint ihm, dass das lästige nervöse Symptommeist bei Mädchen von zarter sensibler Konstitution zufinden war und sich nach 8—14 Tagen von selbst verlor.Uebrigens setzte es sich, dies betont auch Knoevenagel,zuweilen aus der Deferveszenz in die Genesungsperiode fort.
Stecher, welcher im 6. Feldlazarett! XII. (KöniglichSächsischen) Armeekorps zu Claye vor Paris vom Sep-tember 1870 bis März 1871 thätig war, konstatirte dieseHyperästhesie noch häufiger. Er äussert sich darüber im1. Bande der Deutschen militärärztlichen Zeitschrift folgender-maassen :
„Ich beobachtete die Affektion an 41 Typhuskrankenbezw. Konvaleszenten, d. i. auf 146 Badefälle 28g. Hierzukommen noch drei Fälle, die der Badebehandlung nichtunterworfen worden waren. Die Typhusfälle selbst, dievon dieser Komplikation oder Nachkrankheit (ich lassees dahingestellt, welche Bezeichnung die richtigere ist) be-gleitet waren, boten durchaus keine gemeinschaftliche] iEigenthümlichkeiten dar, — es betraf leichtere wie schwereFälle, zarte wie robuste Individuen, Fälle, die mit wenigoder viel Bädern behandelt worden waren. Die Affektionbegann im Durchschnitt am 21. Krankheitstage; der frühesteZeitpunkt war der 11. Tag, der von mir beobachtetespäteste 8 Tage nach der Entfieberung, woraus also hervor-geht, dass die Affektion keineswegs nur der Konvaleszenz-zeit angehört, vielmehr am häufigsten einige Tage vorBeginn derselben eintritt. Die Dauer derselben betrug imDurchschnitt 9 Tage, das Minimum 3, das Maximum 16 Tage,abgesehen von rudimentären Andeutungen und geringenabnormen Empfindungen, die oft noch wochenlang fühlbarwaren. Der Schmerz selbst, als bald brennend, baldschneidend vom Patienten bezeichnet, begann fast immerallmälig, erreichte nach etwa drei Tagen seinen Höhepunkt,um dann wieder langsam nachzulassen. Des Nachts trat'
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