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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.

Bandí

Chloral erhalten, werden die Dosen in vierstündlichen Zwischen-räumen verabreicht. Ol. Ricini.

12. Februar: P. 84, klein. T. 36.8° C. Der Puls hie undda interrnittirend, sehr leicht komprimirbar. Patient soporös.Muskelkrärnpfe häufiger, sowohl spontan als auch reflektorischauf sensible Reize; alle drei Stunden 2. o G. Chloral.

13. Februar. P. 80. T. 37. 3 ° C. Das Bild unverändert.Soporöser Zustand mit im raer häufiger werdenden Reflexkrämpfen,intensive, wahrscheinlich durch das Chloral bedingte Pharyngitis,mit reichlicher Salivation; auch die Respirationsmuskeln vomKrampf ergriffen; beträchtliche Cyanose. Ein Versuch, PatientChloral per anum beizubringen, misslingt, da die betreffendenKlysmata jedesmal wieder abgehen, weshalb wiederum zu sub-kutanen Morphiuminjektionen, dreimal täglich je 0.03 G., zurück-gekehrt wird, ohne dass sie jedoch, ausser einer schlafmachendenWirkung, besonders erfolgreich gewesen, bis endlich am

15. Februar früh 4 Uhr unter Zunahme aller Krankheits-erscheinungen der Tod eintritt.

Sektion von Dr. Fr ie dl ander:

Hirn normal, mit etwas reichlichen dunkelkirschrothenBlutpunkten durchsetzt, die Hirnhäute normal, die Seiten-ventrikel leer, an der Basis ein spärlicher seröser Erguss; dasRückenmark gut konsistent, von normaler Zeichnung, seine Häutedurchweg normal, die Muskeln, besonders des Rückens, dunkel-roth trocken. Die sonstigen Organe zeigen nichts Abnormes.

IV. Carl Matschke, 1 ) Füsilier im Schleswig-Holsteini-scheu Füsilier-Regiment No. 86, klagte nach einem Biwakam 25. November 1870 über rheumatische Schmerzen in denGliedern. Am 22. Dezember stand er vor Paris auf Vor-posten und will dort ganz plötzlich eine Steifigkeit in allenGliedern bekommen haben, mit welcher er nächsten Tages dem10. Feldlazareth IV. Armeekorps zu Herblay zuging. Hier wurdeer am Tetanus rheumaticus behandelt und kam am 9. Februar1871 von dort als Rekonvaleszent in das Reservelazareth zuKreuznach. Er war nicht gesund, brachte vielmehr eine fastvollständige Lähmung des rechten Beines mit. Trotzeiner zweimonatlichen elektrischen Kur trat keine Besserung ein.Der Kranke wurde daher zum Gebrauch der Bäder nach Aachengeschickt. Hier kam besonders die Douche in Anwendung. Sie

!) Vergl. S. 150 dieses Bandes.

erzielte aber nur eine geringe Aenderung, so dass M. im Á1871 sich nur mit Hilfe von Stöcken fortbewegen konnte,das linke Bein war paretisc'h. Der Kranke selbst hattetileidendes Aussehen, ging mit vornübergebeugtem Oberköriklagte über Brustschmerzen. Die Lähmung des rechten BeiJbestand trotz einer Kur in Wiesbaden noch im Jahre 1873 6Im Jahre 1874 konstatirte eine militärärztliche Untersuch)dass die Parese der rechten Unterextremität den Gebrauch eStockes beim Gehen erforderte. Der Zustand besserte sich iden folgenden Jahren. Oberstabsarzt v. Frank fand im ¡ù1879allgemeine Schwäche, mangelhafte Ernährung undBlJarmuth, verbunden mit krankhafter Erregung und ReizharlaKlagen über Schwindel und neuralgische Schmerzen". AlsJim Jahre 1883 wieder um eine freie Badekur nachsuchte, ier blass und elend aus, war dürftig genährt und sehr reizljEine Erkrankung der Brust- und Bauchorgane Hess sich nialnachweisen. Bei Druck auf die Dornfortsätze äusserte iUntersuchte Schmerz. Die Sensibilität überall gut erhalt«die Sehnenreflexe sehr lebhaft, beiderseits Fussphänomen. Taphische Störungen an den Unterextremitäten waren nicht ihanden. Patient klagte über periodisches Absterben der Fijjund starke, ohne besondere Veranlassung eintretende halbseitijSchweisse. Eine Badekur in Teplitz hatte nach Angabe ibehandelnden Arztes gute Erfolge.

M. machte über die im Felde überstandene Krank!folgende Angaben:

In der Nacht vom 22. zum 23. Dezember 1870 wurden«auf Vorposten meine Glieder, besonders die Beine, ganz starr mlsteif, so dass ich nicht in der Lage war, den Marsch vom Biwijnach dem Kantonnementsquartier mitzumachen, vielmehr gfahren werden musste. Kurze Zeit nach der Aufnahme im FelJlazareth verschlechterte sich mein Zustand. Ich wurde steif wein Brett, auch die Augenlider wurden starr, d. h. ich komlsie aus eigener Kraft weder öffnen noch schliessen. Die Kielwaren fest aufeinander geklemmt, ich konnte sie nichtMan lütterte mich, aber nur mit Mühe war ich im Stande ischlucken. Mein Körper war über und über mit Schweissldeckt und der Schlaf floh mich, da die heftigsten Muskelkrau^mich peinigten. Nur sehr langsam besserte sich mein Zustaber ich blieb sieben Monate lang bettlägerig, da meine Beilnamentlich das rechte, gelähmt waren."