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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.

Band VU.

Dagegen dürften für den August die nachstehendenWerthe den Thatsachen sehr annähernd entsprechen, soerheblich auch die Prozentsätze des Tetanus aus denverschiedenen Schlachten dieses Monats von einanderabweichen. In dem Treffen bei Weissenburg und derSchlacht Lei Worth wurden 8416 Unteroffiziere und Mann-schaften verwundet, davon erkrankten nachweislich.28=0.33$

an Starrkrampf. Der Schlacht bei Spicheren entstammten3482 Verwundete, darunter 20 = O.57 % Tetanusfälle. In denSchlachten bei ColombeyNouilly, Vionville Mars la Tourund GravelotteSt. Privat betrug die Anzahl der Verletzten(immer nach Abzug der Gefallenen) 29 340, unter ihnenlassen sieh nur 62 Komplikationen mit Tetanus = O.ji î'zählen.

III. Nach Art und Stelle der Verletzung.

Die gesammten Tetanusfälle der DeutschenVerwundeten entstanden nach Schussverletzungen,und zwar kamen auf Wunden durch Gewehr-projektile 282, auf Granatwunden 68 Fälle. 26 Malhandelte es sich darunter um mehrfache Ver-letzungen.

Wundstarrkrampf als Komplikation von Säbelhieben,Bajonett-, Degen- und Lanzenstichen, derentwillen 1796 Mannin Lazarethen Aufnahme fanden, 1 ) von Quetschungen und Er-schütterungen des Nervensystems aus mechanischen Insultenanderer Art wurde mit zwei Ausnahmen, 2 ) von denen sichder eine nach dem Einstossen eines Holzsplitters in dieKnöchelgegend des rechten Zeigefingers, der andere nacheiner Schnittwunde am Finger ereignete, nicht beobachtet.

I. Der Gemeine Metz, vom 9. Bayerischen Infanterie-Regiment, hatte am 12. November 1870 durch einen Beilhiebdie Fingerkuppe eines Fingers bis auf eine kleine Hautbrückeverloren. Am 20. November trat Tetanus ein. Behandlung:Curare - Injektionen. Am 22. November T. 36.5° C. P. 132.Abends dieses Tages Tod.

II. Karl Nolte, Füsilier der 9. Kompagnie 1. Thüringi-schen Infanterie-Regiments No. 31, stiess sich am 1. Oktober 1870beim Ausfegen eines Zimmers einen kleinen Holzsplitter unterdie Haut an der Dorsalfläche des rechten Zeigefingers in derKnöchelgegend. Er entfernte denselben sofort.

Am 3. Oktober ging er dem Lazareth mit Trismus undTetanus zu. An der verletzten Fingerstelle fand sich eine kleineeiternde Wunde. Ord. : Morphium-Injektionen.

4. Oktober: Häufige tetanische Anfälle, die sich in ab-nehmender Zahl bis zum 24. Oktober wiederholen. Die Medikationblieb dieselbe.

Am 30. Oktober konnte N. als genesen betrachtet werden.

Die Erscheinung, dass der Tetanus während eines Feld-zuges bezw. nach einer Schlacht ausschliesslich oder dochfast ausschliesslich auf die Schusswunden beschränkt blieb,

1 ) Vergl. Text des II. Bandes dieses Berichtes, Abschnitt 2.

2 ) Siehe ausserdem Anmerkung 1 auf S. 123 dieses Bandes.

ist keine neue. Schon ßilguer erzählt, dass unter dennach der Schlacht bei Prag vorgekommenen Fällen nichtein einziger auf Rechnung einer Hieb- und Stichwunde kam.Larrey nennt in seinen medizinisch - chirurgischen Denk-würdigkeiten den Starrkrampf nur in Verbindung mitSchusswunden, und Demme führt unter 86 Fällen aus denItalienischen Lazarethen des Jahres 1859 nur einen Tetanus-kranken mit einer Stichwunde in die Ferse auf. In den]Veröffentlichungen aus den Preussischen Feldzügen 1864und 1866 -- 44 an der Zahl gedenkt nur Ma as s eine>Tetanusfalles im Gefolge einer unbedeutenden Verletzung Idurch Lanzenstich in die linke Kopfseite und den linkenArm. Diesen befremdlichen Umstand aus der im Verhaltniss zu den Hieb- und Stichwunden bei Weitem über-wiegenden Zahl von Schussverletzungen herleiten zu wollen,geht, wie v. Meyeren meint, nicht wohl an. Erst diemoderne Bewaffnung und Kriegführung hat ein derartigesUeberwiegen der Wunden durch Gewehrprojektile undGranaten hervorgerufen.In den Kriegen Friedrichs desGrossen und in den Schlachten Napoleons in Egypten ent-schied dagegen oft die blanke Waffe das Schicksal de?ganzen Tages."

Mag man nun auch dem schon angedeuteten Erkältung?-moment, insofern es unter Umständen noch heute häufigstund anhaltender als wünschenswerth auf die Schwerverletzten.also vornehmlich auf die von Geschossen Getroffenen ein-zuwirken im Stande ist, einen Bruchtheil an dem frappantenUnterschiede beimessen, die Thatsache, dass der Tetanain den vorangegangenen Kämpfen dieses Jahrhundertsäusserst selten und in dem Deutsch-Französischen Kriege1870/71 gar nicht als Komplikation von Säbel-, Degen-und Lanzen-Wunden bekannt wurde, erklärt sich der Haupt-sache nach aus gewissen nur den Schusswunden anhaftendenEigenthümlichkeiten, welche später erörtert werden sollen.')

1 ) Vergl. 2. Abschnitt dieses Kapitels.