Band VU.
III. Abschnitt: Nervöse Störungen nach Schussverletzungen des Halssympathikus.
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dass von den Gesichtshälften nur die rechte schwitze, ebensowie die rechte Hand und rechte Brustseite, während die linkeGesichtshälfte, linke obere Extremität und linke Brusthälfteselbst im römischen Bade trocken bleiben. (Ueber die unterenExtremitäten weiss nach dieser Richtung hin der Kranke nichtsauszusagen.)
Die Bewegungen der Augen sind nach allen Seiten hinfrei, an den äusseren Bedeckungen der Augen ist nichts Be-sonderes zu bemerken.
Mit dem linken Auge zählt der Kranke Finger in einerEntfernung von 1 bis 2 Fuss nur undeutlich; er könnte sichmit dem linken Auge allein nicht auf der Strasse führen. Dasexcentrische Gesichtsfeld des linken Auges ist nach allen Rich-tungen hin im hohen Grade eingeschränkt.
Das centrale Sehen des rechten Auges ist wohl erhalten,desgleichen das nach oben, unten und nasalwärts gelegene Ge-sichtsfeld frei; das temporale Gesichtsfeld (nach rechts hin) isthochgradig amblyopisch; bei centraler Fixirung werden rechtshin gelegene Gegenstände absolut nicht apperzipirt. Leider weissPatient über das Sehvermögen seiner Augen im Beginn seinesLeidens nichts Näheres anzugeben.
Patient liest mit dem rechten Auge zwar langsam, abermit Verständniss; störend ist für ihn nur der Umstand, dass erdie nach rechts hin gelegenen Silben erst jedesmal mühsamsuchen muss, so dass er den Kopf stark nach rechts zu drehenoder das Buch nach links hin zu schieben gezwungen ist.
Die ophthalmoskopische Untersuchung zeigt an dem sonstnormalen Augenhintergrunde rechts eine temporalwärts sicherstreckende Exkavation, links die Papille weniger roth alsnormal, leicht grau gefärbt und mit tiefer centraler Exkavation.Auf dem rechten Ohr hört Patient weniger gut als auf demlinken, doch ist im Ganzen der Unterschied nicht sehr erheblich.Geruch und Geschmack sind normal. Eine eigentliche Schief-heit des Gesichts lässt sich nicht gerade konstatiren; doch gehenStirnrunzeln und das Verziehen des Mundes (deutlich beimLachen) nach links hin besser von statten als nach rechts.
Patient vermag beide Augen zu schliessen, nach eigenerAngabe das linke besser und fester als das rechte. Zeitweiligsieht man das linke untere Augenlid in vibrirender Bewegung.An den Gaumengebilden ist nichts Besonderes bemerkbar,Patient verschluckt sich indessen sehr leicht. Hinsichtlich derSensibilität zeigt sich dieselbe an der linken Kopf-, Gesichts-,Hals- und Nackenhälfte gegen die entsprechenden rechts ge-legenen Partien erheblich vermindert. Berührungen, Nadel-stiche etc. werden links nur dumpf, undeutlich, und zwar amGesicht noch weniger gut als an der Stirn und dort besser alsam Kopf empfunden ; an dieser Unempfindlichkeit nehmen dieerreichbaren Schleimhäute, wie die Konjunktiva des linkenAuges, die linke Zungen- und Lippenhälfte, die linksseitigeNasenschleimhaut, und zwar genau in der Mittellinie abschnei-dend, Theil.
Die Zunge, beim Herausstrecken leicht etwas nach linksabweichend, zittert nicht und ist frei nach allen Richtungenhin beweglich. Stimmbildung erloschen, Patient kann, was erfrüher wohl im Stande war, nicht mehr singen.
Die Fähigkeit, zu sprechen und sich geläufig auszudrücken,ist in einer Weise gestört, dass eine Unterhaltung mit demKranken und die Aufnahme seines augenblicklichen Krankheits-zustandes zu einer der schwierigsten Aufgaben wird. Nur lang-sam Vorgesprochenes vermag Patient aufzunehmen und zu be-halten; einer gewöhnlichen, durchaus nicht erregten Konver-sation ist er zu folgen nicht im Stande. Schon wenige Fragengenügen, ihn zu ermüden.
Eine Untersuchung scheut er in einer so hartnäckigenWeise, dass die hier vorgelegten Resultate der Untersuchung
nur in langen Pausen und bei Aufbietung aller Geduld erhaltenwerden konnten. Mehr als 2 bis 3 Tage geräth er nach einernoch so schonend vorgenommenen ärztlichen Exploration ineinen wahrhaft beklagenswerthen Zustand, wo er, abgemattetund zu denken unfähig, im Zimmer verweilen muss, ehe erwieder zu seinem relativ normalen Befinden zurückkehrt.
Er bekommt beim Nachdenken heftige Kopfsehmerzen, die-Gedanken verwirren sich, es tritt ein Gefühl von Spannung imKopf ein, wie wenn etwas von innen nach aussen drückt, be-sonders in der Gegend des linken Ohrs. Anschlagen an denSchädel wird dort als sehr schmerzhaft empfunden.
Gewöhnliche, bekannte Gegenstände benennt er mit demrichtigen Namen, auf weniger häufig gesehene besinnt er sichlange, benennt sie aber schliesslich richtig. Von einer Reihevorgelegter Dinge trifft er auf Verlangen die richtige Auswahl,ebenso greift er prompt und richtig an einzelne ihm vor-gesprochene Theile seines Körpers.
Er spricht ungemein langsam und stotternd und fastwie ein Kind; so sagt er z.B.: „wenn mir so schnell sagt, dann,so schnell vorsprechen, dann, dann, kann ich d—d—das nicht,da weiss ich nicht, was man von mir verlangt. — So mit demGehen, da ist das (legt den Finger, wie sich besinnend, an dasAuge) — bedeutend besser." (Letztere beiden Worte werdenschnell hervorgestossen.)
Er ist meist trübe gestimmt, ist sich seiner unglücklichenLage wohl bewusst und tief betrübt über den Verlust seinesGedächtnisses und seiner, wie es scheint, früher nicht unbe-deutenden Kenntnisse in der Mathematik.
Die linke Oberextremität des Patienten ist in allen Ge-lenken frei beweglich und ziemlich kräftig, obgleich der Hände-druck früher kraftvoller gewesen sein soll. Die Oberarme fühlensich links wie rechts gleich warm an; dagegen ist der rechteUnterarm und die rechte Hand kühler anzufühlen als die be-treffenden Theile links und zugleich feuchter. Trotzdem zeigtdas Thermometer an der rechten Hand eine höhere Temperaturals links; die scheinbare Kühle scheint durch die starke Ver-dunstung der schwitzenden rechten Hand bedingt. Die Fingerder rechten Hand (Patient kann nicht schreiben) stehen etwasin Krallenstellung und sind ebenso wie die gesammte rechteobere Extremität, nur sehr viel langsamer und wenigerkräftig als die linken, beweglich. Namentlich kommt eineStreckung der Mittel- und Endphalangen der rechten Finger,sowie Spreizen derselben oder Schluss der Hand zur Faust nurmangelhaft zu Stande.
Patient steht und geht (sogar weitere Strecken, wenn auchmit Hilfe eines Stockes), indem er das linke Bein nachschleppt.Es ist aber nicht das halbkreisförmige Herumführen des linkenBeines nach Art eines Hemiplegikers, sondern es erinnert dieGangart mehr an das steife, unbehilfliche Nachziehen, wie esdurch eine chronische Rückenmarksaffektion bedingt wird. Aufdem linken Fuss allein kann Patient nicht stehen, er knicktein; auf dem rechten steht er sehr wohl.
Diesem eigenthümlichen Verhalten gekreuzter Parese anden Extremitäten entspricht ein ebenso sonderbares Verhaltender Sensibilität, und zwar so, dass die motorisch schwächerenExtremitäten mit den zu ihnen gehörigen Rumpfpartien in nor-maler Weise sensibel, theilweise auch hyperästhetisch sind, diemotorisch nicht affizirten dagegen in ihrer Sensibilität sich er-heblich beeinträchtigt zeigen. — Rechts nämlich zeigt sich dieSensibilität wie am Gesicht, so auch am Halse und Nacken, ander ganzen Oberextremität und an der vorderen Thorax- so-wie an der Rückenseite bis zur Medianlinie hin wohl erhalten.Geht man am Rumpf von rechts über den Rippenrand hinausauf die Bauchwand, hinten unterhalb der Skapula auf dieLendengegend über, so nimmt die Empfindlichkeit für Nadel-
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