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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VIL

III. Abschnitt: Nervöse Störungen nach Schussverletzungen des Halssympathikus.

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. Franzosen attackirt wurde. Um so auffallender ist der Lauf,welchen die Kugel nahm: Die jetzt (9. Juni 1871) vernarbteEintrittsöffnung befindet sich auf der Schlüsselbeinportion deslinken Sterno-cleido-mastoideus, 3 cm über dem oberen Schlüssel-beinrande. Dicht nach innen davon fühlt man die linke Carotisdeutlich pulsiren. Die ebenfalls vernarbte Austrittsöffnungliegt nach links dicht neben dem Dornfortsatze des 4. Brust-wirbels. Die Kugel hat Halskragen und Binde durchschlagen;während der Eiterung ist nichts von diesen Stücken zum Vor-schein gekommen. Die Eintrittsöffnung war nach 6, die Aus-tritt .-Öffnung nach 11 Wochen zugeheilt. Unmittelbar nachder Verletzung fiel der linke Arm sofort kraftlos herab. Patienthatte eine Gefühl von grosser Schwere darin und konnte ihndurch den Willen gar nicht in die Höhe heben. Schmerzempfand er im Verlauf des nerv, ulnaris, besonders vom Ellen-bogen bis zur Hand, wo er auch heute noch eine unangenehmeEmpfindung von Taubheit und Kribbeln hat, welche sich schonbei leisem Stoss oder Druck zum wirklichen Schmerz steigert,so dass Patient es z.B. nicht vertragen konnte, wenn im Eisen-bahnwagen sein Arm von den Kleidern seiner Nachbarn berührtwurde. Ausserdem hatte Patient anfangs auch Schmerz ander Austrittsöffnung, dieser fehlt jetzt, dafür aber hat er ebendaheute noch ein Gefühl von Kribbeln, sobald man linkerseitsvon der Gegend der vorderen Achselfalte nach der Brustwarzezu leicht über die Haut hinstreicht.

Schon auf dem Verbandplatze begann der Verwundete Blutzu speien. Dies hielt etwa 8 Tage lang an. Er konnte nurauf der rechten Seite liegen; auf dem Rücken ebenso wenig,wie auf der linken.

Am 9. Juni 1871 (also 9 Monate nach der Verwundung),an welchem Tage ich den Verwundeten zuerst sah, fiel mirsofort auf, dass die linke Lidspalte und Pupille kleinerist, als die rechte. Nach ungefährer Schätzung möchte sich dieder linken Pupille zu der der rechten wie 2:3 verhalten.Beschattet man aber beide Pupillen gleichzeitig, so erweitertsich die rechte Pupille, in viel höherem Grade, als die linke,so dass jene etwa doppelt so gross ist, als diese. Doch reagirtdie linke Pupille auf Licht, wenn auch viel träger undin viel geringerem Grade, als die normale rechte. Eineovale (i estalt wurde an der linken Pupille nicht beobachtet.

Ebenso wie die Pupillen, differiren auch die Lid-spalten, deren Vertikaldurchmesser nach ungefährer Messungmit dem Zirkel rechts 9, links 7 mm beträgt.

Nach Aufregungen aber soll die Differenz zuweilen soauffällig sein, dass Patient wiederholt von Anderen darauf auf-merksam gemacht wurde. Er selbst hatte nach Aufregungdurch Weingenuss, beim Erhitzen durch schnelles Reiten etc.das Gefühl, als ob die linke Lidspalte zusammengezogen würde.dl Myopie ist bei dem normalsichtigen Kranken auch auf dem. un¡ linken Auge nicht vorhanden.

,y Die Gefässinjektion der Konjunktiva ist für gewöhnlich

J auf beiden Seiten gleich, ebenso die Röthe der Wangen, welche

"bei dem sehr blühenden und an Kopfkongestionen, wie an

Hämorrhoidalblutungen leidenden jungen Manne stets von sa-

. turnt rother Färbung sind. Nur einmal sah ich nach einer

heftigen Gemüthsbewegung die linke Wange in ihrem oberen

Theil und besonders die linke Konjunktiva röther als rechts.

Dasselbe hat Patient bei Erregung, sowie nach Weingenuss

otter beobachtet. Während der Untersuchung der Augen

thränte nur das linke sehr lebhaft.

Kälte und Wärme, Kopf und Spitze einer Stecknadel] unterscheidet Patient links ebenso sicher, wie rechts.

Dagegen fällt eine auffällige Magerkeit der linken, welche viel abgeplatteter erscheint, als die wohlgerundetesofort in die Augen. Erweiterung grösserer Gefässe

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W a il g »rechte

fehlt. Im Pulse der Karotiden ist kein Unterschied zwischenrechts und links zu fühlen. Die rechte arteria temporalisverläuft sogar geschlängelter und pulsirt lebhafter als dielinke. Ohrensausen fehlt ; Schwindel zuweilen vorhanden, dochnicht häufig. Bei einer einmaligen Messung war die Tempe-ratur im linken Gehörgang um Vio ° C. höher als im rechten.Das linke ganglion supremum sympathici ist auf Drucknicht empfindlich.

Was nun die Lähmung des linken Arms anbetrifft, sobestand eine Totallähmung desselben nur sehr kurze Zeit.Zehn Wochen nach der Verwundung, als die Lähmung noch inleichtem Grade bestand, gerieth der linke Arm, welchen Patientnoch in der Mitelle trug, während einer zornigen Erregung inlebhafte Zuckungen, ebenso etwas später, bei der Nachricht,dass sein Freund vor Paris gefallen. Patient kann jetzt alleBewegungen damit ausführen, ohne besonderes Schwächegefühl.Der Druck der linken Hand ist aber viel schwächer als derder rechten, und die beiden letzten Finger vermögen die Zügelbeim Reiten nur kurze Zeit festzuhalten. Bei dem Versuch,die Hand zu schliessen, bleiben diese beiden Finger zurück.Bei dem Versuch, die Finger von einander zu spreizen, bleibenRing- und Mittelfinger dicht neben einander liegen. Patientkann sie ebensowenig von einander entfernen, wie den kleinenoder den Zeigefinger adduziren. Auch die Adduktion desZeigefingers und besonders des kleinen Fingers gelingt nichtin dem Grade wie an der rechten Hand.

Abmagerung ist an Schulter und Oberarm kaum merklich,unbedeutend am Vorderarm, auffälliger am Kleinfinger- undDaumenballen, sowie im 1., 3. und besonders im 4. Inter-ossealraum.

Die faradische Kontraktilität fehlt ganz im 4. Interosseal-raum, ist vermindert im 3., normal im 1., sowie in den anderenMuskeln des Arms. Die Reaktion auf den konstanten Stromüberall durchaus normal, wenn nicht in den Muskeln des Klein-fingerballens sogar etwas erhöht.

Die Anästhesie erstreckte sich ursprünglich bis auf dieUlnarseite des Mittelfingers; jetzt besteht sie nur noch in denbeiden letzten Fingern, am wenigsten am Radialrand des Ring-fingers, am stärksten am Ulnarrand des kleinen Fingers. Vonhier aus nun lässt sich eine genau abzugrenzende anästhe-tische Zone, welche genau dem Verlauf des nervus ulnaris ent-spricht, von verschiedener Breite bis zur hinteren Achselfaltehin verfolgen. Innerhalb dieser Zone wird die Stecknadelspitzestumpfer, als an den entsprechenden Stellen rechterseits, derelektrische Pinsel weniger deutlich resp. schmerzhaft empfunden,und die Tastkreise sind viel grösser als rechts. (WährendPatient im Verlaufe des Ulnaris am rechten Oberarm bei 50 mmZirkelspitzenabstand, im unteren Drittheil bei 40, am Unterarmbei 30 resp. 20, konstant 2 Spitzen angiebt, fühlt er am linkenOberarm bei einem Abstand von 60, am Unterarm selbst von80 mm stets nur eine Spitze.)

Neben der Sympathikusläkmung ist bei dem Krankennoch besonders interessant die scharf begrenzte Parese desnervus ulnaris, der in wunderbarer Weise von den dichtneben einander liegenden Nervenstämmen des Plexus alleingetroffen ist. Ganz unerklärlich bleibt ferner die hier undda bis 3 Finger breite anästhetische Zone in ihrem Ver-laufe von der Achselhöhle an, da der Ulnaris ja erst fürdie Hand Hautäste abgiebt.

Ein gewisser Grad von Hyperästhesie besteht aller-dings noch, wahrscheinlich als Residuum einer vorherge-gangenen leichten Neuritis im Verlaufe des ganzen Ulnaris.

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