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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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III. Abschnitt: Nervöse Störungen nach Schussverletzungen des Halssympathikus.

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durch grössere Beobachtungsreihen über das Häufigkeits-▼erhältniss den besten Aufschluss geben könnten. Gleich-wohl findet sich in den Feldlazareth-Berichten mehrfach diebestimmte Angabe, dass bei einer kleinen Reihe von frischenPlexusverletzungen der Sympathikus unbetheiligt war. Bär-winkel, welcher 8 Wochen nach einer Klavikularfrakturbei gleichzeitiger Armlähmung eine Sympathikuslähmungkonstatirte, vermisste in anderen ähnlichen Fällen die Kom-plikation und wird wohl Recht haben, wenn er sagt, dassder Sitz des Bruches und die Dislokation der Bruchenden vonbestimmendem Einflüsse sind.Es giebt ja Fälle genug,wo auch der Arm nicht gelähmt wird, ein Verhalten, dassich doch auch nur aus der geringen Intensität des Traumaund der mangelnden Dislokation der Bruchenden erklärenlässt. Wahrscheinlich ist es hiernach, dass nur da eineLähmung des Halssympathikus eintreten wird, wo dieBruchstelle entweder dem Verlaufe seines Stammes ent-spricht, oder wo die Dislokation extensiv genug ist, um ihndurch Druck zu verletzen. Dass nach dieser Auffassungeine Sympathikuslähinung bei infraklavikulärer Lähmungdes plexus brachialis, so bei luxatio humeri, gewöhnlichfehlen muss und nur nach umfänglicher wirkenden Ein-flüssen auftreten kann, ist selbstverständlich." Bärwinkeluntersuchte auch einzelne am Plexus verwundete Soldatenaus dem Feldzuge und äussert sich am Schlüsse einesunten beigefügten Falles folgendermaassen:In einigenanderen Fällen von supraklavikulären Schussverletzungendes plex. brach, habe ich eine zweifellose Betheiligung desHalssympathikus an der Lähmung nicht beobachten können,trotzdem dass der Lauf der Kugel dessen Stamm ebensogut treffen konnte wie in dem beschriebenen Falle. Sobestand einmal eine totale Lähmung des plex. brach, links,die Ein- und Austrittsstellen der Kugel befanden sich ober-halb der Klavikula und am inneren Rande der Skapula.In einem zweiten Falle ging der Schuss vom hinterenRande der Skapula zum oberen Rande der Klavikula undhatte Lähmung, hauptsächlich der nn. radial, und ulnar.,bedingt. Auch bei zwei früher beobachteten Fällen vonLähmung des plex. brach, bezw. des m. serrât, antic, maj.in Folge von Traumen auf die Gegend des Plexus ist mirkeine Afl'ektion des Sympathikus aufgefallen. In einemFalle jedoch fand sich eine solche, d. h. der oculopupillärenFasern, neben degenerativer Lähmung des rechten Armes."

Ungeachtet an ein gesetzmässiges Zusammentreffen dertraumatischen Plexus- und Sympathikuslähmungen schondarum nicht gedacht werden kann, weil ein und dieselbeLäsion neben einer Paralyse in den Nervengebieten desArmes eine Reizung des Sympathikus der gleichnamigenKopfhälfte hervorzubringen vermag, so empfiehlt es sichdoch für die Zukunft, dass die Kriegschirurgen der LehreHutchinson's eine grössere Aufmerksamkeit als bisherzuwenden. Denn dass unter der grossen Zahl trauma-tischer Plexuslähmungen aus dem Feldzuge 1870/71gegen 250 sind allein in den Invalidenlisten enthalten

nur die fünf Sympathikuskomplikationen, über welche untenberichtet werden kann, zu beobachten waren, ist sicherlichnicht anzunehmen. Einmal war die Sympathikuslähmungnach einem Säbelhieb entstanden, den ein Soldat in derSchlacht bei Orléans erhalten hatte. Kämpf berichtet,dass eine strangförmige Narbe vom äusseren Rande desm. sternocleidomastoideus dexter zum Halsstrang des Sym-pathikus sich erstreckt und auf dem rechten Auge Myosisbestanden habe. Diesseitigen Wissens ist nach einer Ver-wundung mit scharfen Waffen dies der einzige bisherbekannte Fall in der Literatur. Ob zugleich in der Aus-breitung des Armnervengeflechts Lähmungserscheinungenvorhanden waren, erwähnt das Referat nicht. Iso-lirte Sympathikusaffektionen nach Schuss- und Stichver-letzungen sind gewiss schon häufiger vorgekommen, abernoch nicht veröffentlicht worden. 1 ) Die übrigen vier Fällebetrafen Schussverletzungen. Drei derselben erfuhren bereitsdurch Seeligmüller, Bernhardt und Bärwinkel eineentsprechende Bearbeitung, der vierte ist leider nur mitkurzen Worten in einem Berichte des ReservelazarethsMarburg verzeichnet.

Die umstehende tabellarische Uebersicht des Symptomen-komplexes der Sympathikuslähmung nach den in den Aktenenthaltenen und einigen anderen hierher gehörigen Beob-achtungen, welche aus der Habilitationsschrift Seelig-müller' s noch weiter vervollständigt werden könnte, dürftedie Einsicht in die Krankheitserscheinungen erleichtern.

Als ein konstantes Symptom kann hiernach nur dieVerkleinerung der Pupille und die Verkleinerungder Lidspalte betrachtet werden, erstere durch Lähmungdes m. dilatator pupill. und das konsekutive Uebergewichtdes m. sphincter irid., letztere durch Lähmung der in denLidern gelegenen von H. Müller entdeckten glattenMuskelfasern entstanden, welche innervirt die Lider er-weitern, funktionsunfähig aber das obere herabsinken lassen.

Die übrigen Erscheinungen gehören zu den un-beständigen. Die Reaktion der abnorm engen Pupillefehlte bei Wicke (II) auf sensible Hautreize, war vier-mal träge, einmal prompt und sehr gut, der Bulbus drei-mal deutlich verkleinert. Myopie fand man in dem Falleaus dem Amerikanischen Feldzuge. Von vasomotorischenPhänomenen wurde in vier Fällen Thränen des Augesbezw. Injektion der Augenbindehaut und dreimal Röthungder Wangen notirt. Bei fünf Kranken zeigte sich aberkeine Farbendifferenz und bei zwei Patienten trat dieRöthung nur periodisch auf. Die Temperatur der affizirtenKopfhälfte erschien viermal erhöht, einmal erniedrigt undeinmal im Vergleich zur andern Seite unverändert. Indrei Fällen schwitzte die kranke Gesichtshälfteabsolut nicht, in zwei andern nicht stärker als diegesunde Kopfseite. Trophische Störungen ergaben sich

!) Neuerdings hat Möbius eine reine und unkomplizirte Sym-pathikuslähmung nach einer Stichverletzung beschrieben. (Berlinerklinische Wochenschrift 1884 No. 15 ff.)

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