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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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IV. Kapitel: Erkrankungen des Central-Nervensystems und nervöse Störungen nach Verletzungen. Band V[

Name

und

Regiment

Albert Liebert,

Sergeant im

2. Magdeburgischen

Infanterie-Regiment

No. 27.

Art, Ort und

Tag derVerletzung

Gewehrschuss.

Toul,16. August 1870.

Krankheitssymptome

gleich nach der

Verletzung

Eingangsöffnung eineHand breit links von derWirbelsäule in der Höhedes Beckenrandes. Aus-gang fehlt.

Diagnose

r 1 a u f

Pachy-meningitisspinalis.

Aufgenommen in das Lazareth zuBarby am 3. November 1870.

Heftige Schmerzen im Rücken,Parese beider Unterextremitäten.Bewegung nur bei Unterstützungder Arme mit gebogenen Knieen undschlürfenden kleinen Sehritten.11. Dezember 1870: Extraktion der Kugel, an welcher mehrere Glassplitter von der zertrümmerten Feld-flasche haften, zwei Finger breit rechts von der "Wirbelsäule. Auch Knochenfragmente wurden jetzt und späterentfernt. Nach der Vernarbung bedeutende Verbesserung des Gehvermögens.

13. Juli 1871: Klagen über grosse Schwäche in den 4 Extremitäten, über schon bei geringen Anstrengungeneintretende Zuckungen im linken Beine und in der rechten Hand, über starken Schweiss und Zittern desKörpers, namentlich der Hände, so dass Patient noch nicht einmal schreiben kann.

Er kann den Rücken in seinem unteren Theile nicht beugen. Hierdurch werden alle seine Bewegungenunbeholfen, namentlich das Gehen, Aufstehen und Niedersetzen, das Aus- und Anziehen der Fussbekleidungenerschwert. Achtwöchentliches Baden in Homburg und Baden ohne Erfolg.

1872: Beide Narben fest verwachsen, angeblich die Bewegung des Oberkörpers gänzlich hindernd.Muskulatur beider Beine gleich. Beweglichkeit in den Gelenken vorhanden, wenn auch angeblich erschwert.Blase und Mastdarm intakt.

1873: Nur noch Beschwerden beim Bücken, das wegen der tief eingezogenen und verwachsenen Narbennicht ausgiebig möglich. Dadurch Behinderung in der freien Bewegung des Körpers.

15. Dezember 1879: Attest des Geheimen Sanitätsraths Dr. Delbrück: Nach langem schmerzhaftenKrankenlager und späterem Gebrauch der Bäder in Wiesbaden wurde L. so weit wieder hergestellt, dass ereinen Dienst als Aufseher an der Königlichen Strafanstalt zu Halle übernehmen konnte, welchen er seit1. Februar 1873 bis Frühjahr dieses Jahres mit geringen und kurzen Unterbrechungen gewissenhaft und treuverwaltet hat, obwohl er während der ganzen Zeit nie ganz frei von Krankheitserscheinungen, wie Schmerzenim Kreuz und Rücken, öfteren Kopfschmerzen, etwas Schwäche in den Füssen, leichten Schwindelanfällen,Neigung zu schlechtem Schlaf, gewesen ist. Seit Frühjahr dieses Jahres hat sich der Krankheitszustand ausunbekannten Veranlassungen ganz in alter Weise wieder eingestellt. Er leidet in hohem Grade an Kreuz- undRückenschmerzen, die bis in den Kopf hineinziehen und mit leichten Schwindelanfällen verbunden sind, ferneran quälender Schlaflosigkeit, langsam immer mehr zunehmender Schwäche, Gefühl von Eingeschlafensein undtheilweiser Gefühllosigkeit in den unteren Extremitäten. Es ist bis jetzt nicht gelungen, trotz aller angewandtenMittel, eine erhebliche Besserung zu erzielen; L. hat deshalb schon seit Anfang Mai dieses Jahres dauerndvom Dienst zurücktreten müssen, ist auch jetzt noch völlig dienstunfähig, auch eine Aussicht auf vollständigeWiederherstellung bis zur dauernden Dienstfähigkeit nicht zu erwarten.

28. August 1880: Attest von Dr. Metzner: L. giebt an, dass er fast immer an Schmerzen imKreuze und Rücken leide, welche sich oft von der linken Schulter aus bis zum Kopfe hinziehen und häufigSchwindelanfälle herbeiführen, dass ihn nicht selten allgemeine Unruhe befällt und hartnäckige Schlaflosigkeitquält, welche selbst durch kräftige Arzneimittel nur theilweise und auf kurze Zeit beseitigt werden kann;ausserdem klagt er über reissende Schmerzen und das Gefühl von Taubheit in den unteren Extremitäten, überSteifigkeit und Schwäche derselben und Unfähigkeit, anhaltend zu stehen oder zu gehen; Zittern und Schwächeder rechten Hand machen ihm zeitweise das Schreiben ganz unmöglich; auch will er in letzter Zeit eine erheb-liche Abmagerung in der Beckengegend und an den Beinen wahrgenommen und an gastrischen Beschwerdengelitten haben. Die Funktionen der Blase und des Darmes sind angeblich normal und geregelt.

Der Untersuchte ist 35 '/2 Jahre alt, ziemlich kräftig gebaut, befriedigend genährt, das allgemeine Aussehendem Alter entsprechend, die Haltung des Körpers schlaff und nicht mehr gerade; der Gang steif und unbeholfen,mit dem linken Beine etwas nachschleppend; die Gesichtsfarbe blass, die Haut weich, schlaff, während derUntersuchung zeigt sich sehr starke Schweissabsonderung. Beim Aus- und Ankleiden ist Zittern der Hände,Unbeholfenheit und Schwäche der Finger deutlich wahrnehmbar, besonders bei dem Zuknöpfen der Kleidungs-stücke, welches oft erst nach wiederholten vergeblichen Versuchen gelingt.

Der Umfang der Brust beträgt bei tiefster Ausathmung 80 cm, bei tiefster Einathmung nur 87 cm. Diephysikalische Untersuchung ergiebt, abgesehen von der nicht völlig genügenden Elastizität des Brustkastens,normalen Befund.

In der Herzgegend ist der Perkussionsschall von der 4. Rippe bis herab zur Magengrube und vom linkenRande des Brustbeins bis über die linke Brustwarzenlinie hinaus in einem Umfange von etwa 12 cm Längeund Breite gedämpft. Der Herzstoss ist verstärkt, die Herztöne sind rein.

Krau:

Jour.

111

Inval

At

LYIII.

In

Sanität*