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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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IV. Kapitel: Erkrankungen des Central-Nervensystems und nervöse Störungen nach Verletzungen.

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Name

und

Kegiment

Art, Ort und

Tag der

Verletzung

Krankheitssyinptome

gleich nach der

Verletzung

Diagnose

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12. Juli 1872:Der Verwundete klagt über Urinbeschwerden, über leichten Abgang des Stuhlganges,welcher auf Lähmung des Schliessmuskels beruht, über Gefühlsstörungen der Haut der unteren Gliedmaassen,hochgradige Schwäche der Beine und Bewegungsstörung der Fussgelenke. Die Abmagerung der unterenExtremitäten ist nicht auffallend, der Gang des Mannes aber sehr unsicher und nur an einem Stocke möglich.Die Haut der Unterschenkel und Füsse ist geröthet, die Muskulatur sehr welk und die Störung der aktivenBewegung in den Fussgelenken eine hochgradige, so dass sie als Lähmung angesprochen werden muss."

21. Juli 1873:Die lähmungsartigen Störungen an der unteren Körperhälfte geben sich durch folgendeErscheinungen kund : Es besteht zunächst eine Schwäche der Schliessmuskeln der Blase und des Afters.In Folge hiervon findet fortwährender Drang zum Uriniren statt, ohne dass es zur vollen Entleerung derBlase kpmmt. Die Urinabsonderung ist schwer und muss häufig mittelst des Katheters bewerkstelligt werden,welche Operation Seh. an sich selbst vollzieht. Tritt das Bedürfniss zur Stuhlentleerung, welches sehr häufigerfolgt, ein, so ist Unvermögen vorhanden, dieselbe auch nur für eine kurze Zeit zurückzuhalten; die Ent-leerungen erfolgen nicht selten unfreiwillig. Das Gefühl ist in beiden Beinen sehr herabgesetzt, auch giebt Seh.an, dass er die Empfindung habe, als wäre die Haut mit Leinwand überzogen. Die Bewegung der Beine istin hohem Grade eingeschränkt. In Folge Lähmung der entsprechenden Muskeln können die Zehen nichtgebeugt werden, ist die Bewegung im Fussgelenk aufgehoben. Beim Gehen, welches sehr unsicher und nurmit Hilfe eines Stockes nothdürftig möglich ist, sowie beim Stehen fallen die Füsse nach aussen; das Gehengeschieht auf dem äusseren Fussrande wie beim Klumpfuss. Beim Versuche, ohne Hilfe des Stockes zu stehen,wankt Pat. und droht zu fallen. Die Muskulatur an den Beinen ist auffallend schlaff, beide Hinterbacken sindso schlaff und abgeflacht, wie man sie nur bei alten Leuten findet; die Muskulatur an den Waden ist eineäusserst dürftige, eine eigentliche "Wade, wie man sie bei kräftigen jungen Leuten wahrnimmt, existirt nicht.Häufig und besonders beim Witterungswechsel treten Schmerzen in den Extremitäten ein."

20. Juli 1874:Es besteht eine lähmungsartige Schwäche der Schliessmuskeln der Blase und des Afters.In Folge hiervon findet ein fortwährender Drang zum Uriniren statt, ohne dass es zu voller Entleerung derBlase kommt. Die Urinabsonderung ist schwer; Seh. muss, um die Blase vollständig von Urin zu ent-leeren, sehr oft einen elastischen Katheter in dieselbe einführen, welche Operation er an sich selbst aus-zuführen gelernt hat. Tritt das Bedürfniss zu Stuhlentleerungen ein, welches sehr häufig erfolgt, so istUnvermögen vorhanden, dieselben auch nur für eine kurze Zeit zurückhalten zu können; der Drang ist oft soplötzlich und heftig, dass unfreiwillige Entleerungen stattfinden. Das Gefühl in beiden Beinen ist sehr herab-gesetzt; Seh. giebt an, dass er die Empfindung habe, als wäre die Haut mit Leinwand überzogen. Besondersstark sei dieses Gefühl von Taubheit an der hintern Fläche der Beine. Die Bewegung der Beine ist in hohemGrade eingeschränkt. In Folge der Lähmung der entsprechenden Muskeln können die Zehen fast gar nichtgebeugt werden. Die Bewegung in den Fussgelenken ist fast ganz aufgehoben. Beim Sitzen und bei erhobenenBeinen fallen die Füsse nach abwärts, beim Stehen sowohl als beim Gehen nach auswärts ; der Gang, welchersehr unsicher ist und wobei sich Seh. auf einen festen Stock stützen muss, erfolgt ganz auf dem äusserenFussrande. Beim Versuche, ohne Hilfe des Stockes zu stehen, wankt Pat. und droht zu fallen. Der Gang istwackelig und macht den Eindruck, als habe der Invalide den Willenseinfluss auf die Bewegungen der unterenExtremitäten verloren und vermöge sich nur durch stetes Balanciren aufrecht zu erhalten. Die Muskulaturan den Beinen ist auffallend schlaff; beide Hinterbacken sind schlaff und so abgeflacht, wie man sie nur beialten Leuten findet. Die Muskulatur an den Waden ist eine sehr dürftige. In letzterer Zeit will Seh. übrigenswahrgenommen haben, dass im Laufe des Tages und beim Gehen Füsse und Unterschenkel anschwellen,welche Anschwellung während der Nacht wieder schwindet. Längeres Sitzen werde ihm sehr schwer. Zwartreten auch jetzt noch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen reissende Schmerzen in den Beinen auf, dochseien dieselben jetzt nicht mehr so heftig wie früher. Sein Aussehen ist sonst gut, Lungen und Herz sindgesund, der Appetit gut und der allgemeine Ernährungszustand kein schlechter.

Seh. leidet hiernach in Folge von Schussverletzung an einem lähmungsartigen Zustand der unterenKörperhälfte, welche auf eine tiefe Miterkrankung des Rückenmarkes zurückzuführen ist. Ob diese Erkrankungdes Kückenmarkes in einem auf dasselbe ausgeübten fortwährenden Druck bezw. Reiz besteht, welchen diehöchstwahrscheinlich noch im Körper befindliche und vielleicht in der Nähe der Wirbelsäule festhaftende Kugelauf das Rückenmark ausübt, hat die Untersuchung nicht zu erweisen vermocht, aber es gewinnt diese Annahmeeinen sehr hohen Grad von Berechtigung, wenn man bedenkt, dass alle bisher zur Beseitigung des Leidensangewandten Mittel fruchtlos geblieben sind. So waren bis jetzt der Gebrauch von Bädern in Baden-Baden vordrei Jahren, eine später im Lazareth zu Heidelberg durch fast ein halbes Jahr fortgesetzte elektrische Kur,der sechswöchentliche Gebrauch der Bäder in Rehme, verbunden mit Anwendung (Jes konstanten elektrischenStromes, im Jahre 1873 und 1874 ohne allen Erfolg; durch die Bäder wurde nur eine Hebung des All-gemeinbefindens, ein frisches Aussehen des Patienten, aber keine Besserung der lähmungsartigen Zustände erzielt. '