Einleitung-.
Im August und September 1889 übersandte der Ge-
Medizinalrath, Generalarzt 1. Klasse ä la suite des
«gsischen Sanitätskorps, Professor Dr. R. v. Volkmann
Generalstabsarzt der Preussischen Armee Dr. v. Coler
fGrnndmündlicher Besprechung eine Anzahl von Knochen-
sraten, Zeichnungen, Photographien und Kranken-
lichten mit den nachstehenden beiden Schreiben:
Halle, den 20. August 1889.
Hochwohlgeborener Herr,Hochgeehrtester Herr Generalstabsarzt,Sehr gütiger Freund!
Schon seit einer langen Reihe von Jahren fühle ich die
flichtune, der Königlichen Militär-Medizinal-Abtheibmghd Theil der sieh auf Schussverletzungen beziehenden Prii-nte zu übersenden, die ich im Deutsch-Französischen Kriegeumtuelt habe. Indess bin ich bei meinem arbeitsvollen Lebenit dazu gekommen. Erst jetzt, wo ich meine praktischelitiukeit stark beschnitten und mich mehr dem Leben einesbdemikers" habe widmen können, finde ich die Zeit, diesei Pflicht zu erfüllen.
Ich gebe mir daher die Ehre, Ihnen eine Anzahl von Zeich-nen und namentlich Knochenpräparaten nebst einigen, leiderr fragmentarischen Notizen zuzusenden, die ich Euer Hoch-Ugeboren derjenigen Sammlung in Berlin einzureihen bitte,|Sie selbst für die geeignetste halten.
Namentlich unter den Knochenpräparaten befinden sich(Anzahl von grossem Werthe, die sich nicht im PrivatbesitzHeren dürfen, sondern in ein militär-ehirurgisches Museumboren. Ich selbst behalte immer noch für Halle soviel Prä-nte zurück, dass der Bedarf an Lehrmitteln mehr als aus-übend durch sie gedeckt wird.
Meine Zeichnungen und Präparate beziehen sich ganz vor-igend auf Schussfrakturen des Überschenkels. Ich habe dieserrletzung damals ein besonderes Interesse zugewandt, weil
die Schwierigkeit der Behandlung und die damals unge-!se Mortalität dazu aufforderten. Von den Abbildungentden den Fachmann mehrere im hohen Grade interessiren.
Einige wenige Holzschnitte, welche den Zeichnungen hei-len, habe ich damals anfertigen lassen, weil ich mit demine umging, ein grösseres kriegschirurgisches Werk herzu-älen. Indessen trat eine solche Ueberschwemmung mit kriegs-
ngischen Publikationen auf, dass ich den Plan alsbald wieder
ib.
Auch diese wenigen Holzschnitte sind noch nicht publizirt.
Ebenso habe ich meiner Sendung eine Sammlung von Photo-gen geheilter Oberschenkelfrakturen beigelegt. Vielleicht■te doch irgend etwas für Ihr grosses "Werk benutzt werden.
Ich bemerke, um Missverständnisse zu vermeiden, dass ichSr eine Ehre halten würde, wenn auch diese Photographienlernil in Berlin verblieben.
Die Kiste mit den Präparaten folgt umgehend nach.
Mit den Versicherungen ausgezeichneter Hochachtungzeichnet sichHochverehrtester Herr GeneralstabsarztEuer Hochwohlgeboren
dankbar ergebenergez. R. v. Volkmann.
Halle, am 20. September ] 889.
Hochwohlgeborener Herr,Lieber mir hochverehrtester Herr Generalstabsarzt!
Indem ich Ihnen heute den letzten Rest der Knochenpräparatenebst einer Abbildung schicke, fällt mir ein förmlicher Steinvom Herzen.
Zu zwei verschiedenen Malen, als ich konsultirender Chirurgder Main -Armee war und später, während ich die gleiche Stellung»bei der Süd-Armee einnahm, ist mir seitens des verstorbeneuGeneralstabsarztes Dr. Grimm der Befehl zugegangen, Präparatezu sammelu und dieselben nach Berlin zu schicken.
Gesammelt habe ich nun zwar recht fleissig, aber ich konntemich zunächst nicht von den Präparaten trennen, weil ich siefür eine wissenschaftliche Arbeit benutzen wollte. Dann kameine Reihe von Jahren, die mir fast übermenschliche Arbeitbrachten, und zuletzt mein letztes Kränkeln, so dass die Sachetrotz mehrfacher Erinnerungen meines Freundes Richter inBreslau — der ja auch früher einer der Ihrigen war — liegenblieb.
Mit der Bitte, mir, wie bisher, Ihr freundliches Wohlwollenzu erhalten,
Ihr dankbar ergebenergez. Richard v. Volkmann.
Auf diese Zuschriften erging folgende Antwort:
Berlin, den 26. September 1889.Hochverehrtester Herr Geheimrath!
Euer Hochwohlgeboren haben die grosse Güte gehabt, mirvor Kurzem behufs Einreihung in die Sammlungen meines Dienst-bereichs eine grössere Zahl werthvoller Knochenpräparate undAbbildungen zu übersenden, welche sich auf Schussverletzungenbeziehen und im Deutsch-Französischen Kriege von Ihnen ge-sammelt worden sind.
Diese Sendung, deren Werth durch die beigefügten Kranken-geschichten noch bedeutend erhöht wird, in Empfang nehmenzu können, ist mir von sehr hohem Interesse gewesen.
Die empfangenen Gegenstände sind, wie ich mit Genug-thuung wahrgenommen habe, für die kriegschirurgische Wissen-schaft und somit für das Sanitätskorps, insbesondere für dieZwecke der mir unterstellten militärärztlichen Bildungsanstaltenvon hervorragendem Werth.
Ich fühle mich daher gedrungen, Euer Hochwohlgeborenfür die dem Sanitätswesen der Armee durch diese Widmung inso uneigennütziger Weise bewiesene Theilnahme meinen ver-bindlichsten Dank zu sagen, indem ich gleichzeitig die Ver-sicherung hinzufüge, dass ich die Ueberweisung der mit grosserMühe gesammelten Gegenstände als ein Zeichen hoher, demSanitätskorps bewiesener Werthschätzung betrachte.
Ich habe Anordnung getroffen, dass die überwiesenen Prä-parate, Abbildungen u. s. w. in die kriegschirurgische Sammlungdes medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts hier-selbst aufgenommen werden, jedoch in ihrer derzeitigen Zu-sammensetzung vereinigt bleiben und in der genannten Samm-lung bezw. in dem Kataloge derselben als „v. Volkmann'scheSammlung" geführt werden.
Wenn ich dieselbe hiernach als einen Theil der diesseitigenSammlungen betrachten darf und veranlassen werde, dass sie