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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band HI. Allgem. Theil.

Abschnitt: Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungen.

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III. Gelenkaussägungen.

A. Allgemeines.

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Wahrend in keinem der neueren Kriege vor 1870 sofenie amputirt worden ist wie bei den Deutschen 1870/71(siehe vorstehend S. 204), hat die weit jüngere Operationder Gelenkaussägung, die operativ erhaltende Methode, mitAusnahme des Dänischen Krieges von 1864 nie vorherdeich ausgedehnte Anwendung erfahren. Folgte doch dereitaus grösste Thei der Deutschen Feldärzte den leitendenrundsätzen, welche B. v. Langenbeck mit genialerleisterschaft vorgezeichnet und auf Grund seiner reichenKriesserfahrung mit unermüdlichem Eifer nachdrücklichstvertreten hatte.Das Ideal, welches die Heilkunde an-hebt, ist die Heilung äusserer Gebrechen ohne Operationund vor Allein die Vermeidung der verstümmelnden Ope-rationen. Das ganze Bestreben der neueren und neuestenChirurgie ist darauf gerichtet, zu erhalten, und nicht leichtklickt ein Chirurg noch mit Stolz auf seine Arnputations--tümpfe, sondern vielmehr mit Wehmuth über die Un-vollkoinmenheit seiner Kunst. Man sollte nun meinen,dass der Vorzug, ein Glied zu erhalten, besonders bei denVerwundeten im Kriege, ein so fassbarer und unzweifelhaftertei, dass kaum ein Arzt sich getrauen würde, das Am-putationsmesser in die Hand zu nehmen, wo es durch dieResektions-lnstrurnente ersetzt werden kann. Und dochsind es gerade die Gelenkresektionen im Kriege gewesen,welche diese Operation wiederum in eine Phase gebrachthaben, wie sie deren seit ihrem kaum hundertjährigen Be-stellen in der Wissenschaft schon mehrere erlebte unddurch welche sie nicht ohne Mühe sich hindurchgearbeitettat." Das sind die Worte, mit denen B. v. Langenbeckim Jahre 1874 seine denkwürdige AbhandlungUeberdie Endresultate der Gelenkresektionen im Kriege"') ein-leitete, und unzweifelhaft würde es zu den hauptsächlichstenAufgaben des Gesainmt-Sanitätsberichtes über den Deutsch-Französischen Krieg gehören, die wichtige Frage derGelenkaussägungen einer eingehenden Besprechung zuunterziehen, wenn nicht wie bereits im Vorworte zum^. Bande dieses Berichtes hervorgehoben ward geradedieser Gegenstand wegen seiner hervorragenden praktischenBedeutung schon zu einer Reihe von Einzelarbeiten 2 ) unterausgiebiger Benutzung des Aktenmaterials Anlass gegeben,ausserdem aber in dem für die Kriegschirurgie höchst be-

'I B. v. Langenbeck, Chirurgische Beobachtungen aus demKriege. Berliu 1874. S. 78.

2 I Siehe die Arbeiten von Krnesti (Schultergelenk), Dominik(Blenbogeiigelenk), v. Scheven (Handgelenk), Deininger (Hüft-gelenk i, Heinzel (Kniegelenk), Grossheim (Pussgelenk) in denJahrgängen 1874 bis 1878 der Deutschen militärärztlichen Zeitschrift.

deutsamen Werke Gurlts 1 ) eine zusammenfassende undim Wesentlichen erschöpfende Darstellung gefunden hätte.Durch diese Schriften ist das Bild der Gelenkaussägungenim Kriege 1870/71 in den Hauptzügen festgestellt. Diewichtigste Vervollständigung, welche dasselbe durch diesenBericht erfährt, liegt einerseits in den bisher nur theilweisebekannt gewesenen Nachrichten über Gliedabsetzungenwegen Gelenkwunden (siehe vorstehend unter 11 diesesAbschnitts), andererseits in den im VII. Kapitel des Spe-ziellen Theiles dieses Baudes enthaltenen Angaben überdie Endergebnisse bei den ohne Operation an GelenkwundenBehandelten. Durch diese Mittheilungen wird, soweit esangängig ist, das von allen Kriegschirurgen bisher ungernvermisste Ergänzungsbild hergestellt, welches zu einer end-giltigen Abschätzung des Werthes der Gelenkaussägungennicht entbehrt werden kann. Aber auch bezüglich dieserOperationen selbst war die Möglichkeit einer Nachlese ge-blieben. Den von Gurlt besprochenen 827 DeutschenResezirten 2 ) (darunter 318 = 38.4 £ Gestorbene) konntenzunächst weitere 60 (darunter 35 Gestorbene) hinzugefügtwerden. Die Gesammtzahl der bekannt gewordenen Gelenk-aussägungen bei Deutschen Verwundeten beläuft sich da-nach (einschliesslich derjenigen Gelenkaussägungen, denenspäter Gliedabsetzung folgte) auf 887, von denen 353 =40.o § zum Tode führten. (Vergl. Uebersicht XXIX.) DasErgebniss der in Rede stehenden Operationen bezüglichder Lebenserhaltung stellt sich somit etwas ungünstiger darals bei Gurlt. Auch in mancher anderen Beziehunghinsichtlich der Verwundungsarten, der Komplikationen, derBehandlungsdauer der Geheilten, der Zeit des Todes u. s. w. liefern die nachstehenden Uebersichten ein theils ver-vollständigtes, theils hier zuerst beigebrachtes oder zuerstgeordnetes Material. Manches die Gelenkaussägungen mitBetreffende hat im Uebrigen schon im Vorangegangenen(unter I und II dieses Abschnitts) seine Erledigung ge-funden; einige, diese Operationen allein betreffende Punktesollen im Nachstehenden zur Erörterung gelangen. 3 )

Die Geschichte der erhaltenden Behandlung nach Gelenk-schüssen 4 ) überhaupt und der Gelenkaussägungen im Beson-deren siehe ausser bei Gurlt (a. a. O.) namentlich noch bei

i) Gurlt, Die Gelenkresektionen nach Schussverletzungen.Berlin 1879.

-') Einschliesslich der 3 auf Seite 1201 und 1202 des Gurlt'schenWerkes aufgeführten Gelenkaussägungen bei Deutschen nach Ver-wundung durch blanke Waffen (mit 2 Todesfällen).

3 ) Die Krankengeschichten der Resezirten siehe im V. Bandedieses Berichtes S. 394 bis 544 und S. 666. Beschreibungen bezüg-licher Präparate finden sich im IV. Bande (Katalog der kriegschirur-gischen Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Instituts).

4 ) Vergl. auch Speziellen Theil dieses Bandes S. 657 ff-