Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
225
Einzelbild herunterladen
 

Jld HI. Allgem. Theil.

I. Abschnitt: Gliedabsetzungen und Geleukaussägungen.

225

1 Vollkommene Ablösungen und Zermalmungen der Glied-maassen, Zerstörungen der Weichtheile eines Gliedes inunheilbar grossem Umfange, wie sie durch grobesGeschoss erzeugt werden,

., v er3C hnietterungen der Gelenke oder der Knochen mitVerletzungen der Hauptgefässe und der Hauptnervendes Gliedes,

3 Gleichzeitige Verletzung der Hauptarterie und Veneeines Gliedes oder der Hauptarterie und des Nerven-stammes an demselben, auch ohne gleichzeitige Knochen-verletzung,

4 Jlie mit komminutiver Zerschmetterung der Gelenkendenverbundenen durchbohrenden Schussverletzungen desKniegelenks

ordern die Amputation, deren Unterlassung bei einerI letzuug ,] er genannten Artenein Vorwurf für den Arztbd ein Unglück für den Kranken" sei. Damit solle nicht

««st sein dass bei keiner anderen Schussverletzung noch

nputirt werden dürfe, im Allgemeinen aber stehe wohl fest,i ein Schussbruch an sich keinen Grund für die AmputationLhr bilde. Alle unbedingt angezeigten GliedabsetzungenL en insbesondere im Hinblick auf die Demme'sche

atistik und die Ergebnisse im Amerikanischen Kriege sowie möglich vorzunehmen, auch deshalb, damit keine Zeit[it der Anlegung schwieriger Transportverbände vergeudettd der Transport selbst erleichtert, dem Kranken Schmerz undUm Hospitalarzte vergebliche Arbeit erspart werde. In derLtermediären) Zeit vom 3. bis 6. Tage nach der VerwundungIjlle man hingegen nicht ohne gewichtige Gründe an das Am-fctationsmesser rühren, weil zu dieser Zeit die Thromben in|n Venen noch nicht organisirt, daher nach der Operationir zum Zerfall geneigt seien. Andererseits solle man nichtke Hutchinson, welcher den Schock vollständig leugnete,Lter allen Umständen sofort amputiren, sondern bedeutendeJgemeinerschütterung erst vorübergehen lassen. Bei starkem,LLeistungsfähigkeit der auf den Verbandplätzen beschäftigtenJerzte übersteigendem Andränge Amputationsbedürftiger müsse\e vorsichtige Auswahl getroffen werden. Unaufschiebbar seifclrliedabsetzung, wenn eine der beiden ersten oben erwähnten

izeigen vorliege, während man im grössten Nothfalle bei denJderen eher die Zeit für sekundäre Amputation abwarten könne.

In seineja 1882 herausgegebenenHandbuche der Kriegs-irui'gie" lässt der nämliche Autor (S. 728 ff. bezw. 871 ff.)lGrund zur primären Amputation nur noch gelten:

1. Subkutane Zermalmungen der Knochen und Gewebenach Quetschung der Glieder durch grobes Geschoss,

2. Abreissung der Glieder durch Explosion von Granaten,

3. Zerschmetterung eines grossen Diaphysenknochens derunteren Gliedmaassen oder eines grossen Gelenksmit Zerreissung grosser Schlagadern, oder (bei allenGliedmaassen) Schussbruch mit Verletzung eines grossenArterien- und Venenstammes oder Verletzung einesgrossen Gefäss- und des Hauptnervenstamrnes einesGliedes,

4. Schussbrüche mit umfangreichen Zerstörungen derWeichtheile,

nrend Zahl und Umfang der Splitter nicht mehr einen Grund

' die Amputation abgeben sollen. Auch bei Schussbrüchen

' oberen Gliedmaassen mit Zerreissung grosser Schlagadern

fcne die erhaltende Behandlung versucht werden, sofern die

prstörung der Weichtheile und die Splitterung der Knochen

pt zu ausgedehnt und eine primäre Antisepsis möglich sei,

»gleichen bei Weichtheilwunden mit Verletzung eines grossen

rtenen- und Venenstammes, wenigstens wenn es sich nicht

Samtlta-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.

gerade um Zerreissung der Schenkelschlagader und Schenkel-vene nahe dem Poupart'schen Bande handele. Stets habeman (S. 986) der primären Operation den Vorzug zu geben, dieGefahr wachse mit den Stunden. Andererseits wird hervorgehoben,dass strenge Antisepsis den Unterschied der Zeiten beinaheverwische, so dass intermediäre Gliedabsetzungen fast wie primäreverlaufen; nur die prima intentio bleibe öfter bei ersteren aus.Dadurch sei der Vortheil gewonnen, dass man die Gliedabsetzungennicht zu übereilen, sondern ruhig den Versuch der Glied-erhaltung wagen und seine Erfolge abwarten könne.

D. Häufigkeit und Ergebnisse der Glied-absetzungen nach der Stelle der Absetzungbezw. der Stelle der Verwundung.

(Obere und untere Gliedmaassen. Die einzelnen Ge-lenke und Diaphysen. Die einzelnen Drittel derletzteren. Entfernung der Stelle der Absetzung vonder Stelle der Verletzung. Körperseite. Vergleichzwischen den Erfolgen der beraubenden und der er-haltenden Behandlung nach Wunden der einzelnenKörpergegenden.)

Schon oben (S. 205) wurde erwähnt, dass die Ab-setzungen an den unteren Gliedmaassen häutiger warenund minder guten Verlauf nahmen als an den oberen. NachUebersicht II betrugen bei den Deutschen 1870/71 erstere59.3 S> letztere 40.7 # der Gesammtsumme. Von den anden unteren Gliedmaassen Amputirten starben 60.7 {j, nachAbsetzungen an den oberen nur 26.4£. In der Gesammt-summe von 52 876 Amputationen aus neueren Kriegen,über welche Uebersicht III nähere Auskunft giebt, ent-fallen auf die unteren Gliedmaassen 54.5 §, (mit 24.7 -g- Todes-fällen), auf die oberen 45.5 g (mit 59.» £ Todesfällen).

Hinsichtlich der einzelnen Gelenke und Diaphysenergiebt sich aus Längsspalte 29 der Uebersicht II undaus der Schlussquerspalte der Uebersicht III, dass aufhundert der betreffenden Gesammtzahl von Gliedabsetzungenentfallen

auf Absetzungen

am Oberschenkel ....am Unterschenkel . . .

am Oberarm.....

an Mittelhand und Fingernim Schultergelenk . . .

am Unterarm.....

im Fussgelenk.....

an Mittelfuss und Zehen .in den Fusswurzelgelenkenim Hüftgelenk ....im Kniegelenk ....im Handgelenk ....im Ellenbogengelenk. .

bei den

im Durchschnitt

Deutschen

aus neueren

1870/71

Kriegen

37.1

26.3

I8.0

21.9

16.3

18.3

I6.0

I8.1

4.2

3.3

3.8

5.2

1.5

0.7

1.3

3.6

0.5

1.0

0.5

0.3

0.5

0.6

0.3

0.3

0.1

0.5

lOO.o

lOO.o

29