iBand in. Allgem. Theil.
I. Abschnitt: Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungen.
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Theilt man die zuletzt (nach der 4. Woche vor-genommenen) als sekundär bezeichneten Gliedabsetzungenochmals in zwei Gruppen, indem man die nach der|]2. Woche ausgeführten als „Spätamputationen" ab-trennt, so zeigt sich ■— wie schon oben angedeutet — infoebersicht IX, dass letztere im Deutsch-FranzösischenKriege mit einer Sterblichkeit von I8.2 % nicht nur einbesseres Ergebniss zeigten als die intermediär und sekundär,sondern selbst als die am Tage der Verwundung ver-richteten.
Unter den späten Gliedabsetzungen befinden sich 4,Leiche erst 1 bis 5 Jahre nach einer während des KriegesLnsgeführten Gelcnkaussägung und zwar wegen gänzlicher«Brauchbarkeit des Gliedes (3), und angeblich wegen spätLzugetretenen akut purulenten Oedems (1), zur Ausführung;en') (vergl. nachstehend unter III dieses Abschnitts).lille diese Operationen führten zu rascher Heilung.
Nicht einbegriffen in den Zahlen der beigefügten Ueber-tchten endlich sind 10, in den Garnisonlazarethen erst(bis 17 Jahre nach dem Kriege erfolgte Gliedabsetzungeneinschliesslich einer Reamputation) bei Feldzugsinvaliden,»eiche unter erhaltender Behandlung, bezw. mit Aussägung«heilt, jedoch ebenfalls von andauernd entzündlichen Vor-gen und deren Folgen heimgesucht waren. Auch diese,
raflhnmtlich bereits in die Zeit antiseptischer Wundbehandlung
Hellenden Operationen führten ausnahmslos zur Genesung.
rnfltie betreffenden, in den Friedens - Sanitätsberichten überie Preussische u. s. w. Armee bereits veröffentlichten Fälle,
artifr 1 ^ enen ^° - ^ allerdings nur sehr bedingt hier in Be-tracht kommt, sind folgende:
1. W., verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren:■ctussbruch des linken Oberschenkels und kariöse Zerstörung
es Oberschenkelknochens. Am 13. Juli 1876 im Garnison-«areth Cottbus Absetzung des Oberschenkels an der^iize zwischen oberem und mittlerem Drittel durch O.-St.-A.illmeister. Zweizeitiger Zirkelschnitt; Anwendung derk Esmarch'schen Blutleere , antiseptische Wundbehandlung.Bjtr günstiger Verlauf. Nur vom 13. bis 17. Juli etwas Fieber.*. konnte Ende August das Bett verlassen. Heilung Mitteleptember. (Sanitätsbericht 1874/78, S. 70, No. 11.)
2. H., verwundet am 30. August 1870 bei Noisseville:i*ei grosse Geschwüre an der Grenze zwischen unterem undlittlerem Drittel des linken Unterschenkels nach Schussbruchäder Unterschenkelknochen. Dauernde jauchige Eiterung,räfteverfall, grosse Schmerzen. Absetzung des Unter-'Chenkels an der Grenze zwischen mittlerem und oberem
■jrittel am 20. März 1879 im Garnisonlazareth Deutsch-Eylau~rchA.-A. Arendt. Künstliche Blutleere. 2seitliche Haut-fpen, 5 Katgutligaturen, aseptisches Verfahren, doch ohnepy; Schluss der Wunde durch 5 Karbolseidenäbte, DrainageP oberen und unteren Wundwinkel. Nasser Karboljutever-pd. Am Abend des 21. März Nachblutung aus der hinterenpnbeinschlagader. Oeffnung des Stumpfes, Umstechung der■jrtme, Vereinigung der Hautlappenränder durch 4 Nähte.^eilung der Hautwunde ohne Eiterung. Abendliches Fieber
') Siehe V. Band dieses Berichtes S. 402 No. 45, S. 481 No. 220,f'No.4, S.53 2 No 33 _
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bis zu 39° vom 22. März bis 1. April, vielleicht in Folgegleichzeitiger rheumatischer Affektion des rechten Schulter-gelenks. Vollständiger Verschluss des nach der Heilung ver-bleibenden Geschwürchens am unteren Wundwinkel am 12. Mai1871. Kräftigung und Erholung vollkommen. (Sanitäts-bericht 1878/79, S. 41, No. 4.)
3. In das Garnisonlazareth Konstanz wurde ein Kriegs-invalide S. aufgenommen, welcher durch einen Schrotschuss inder linken Bauchgegend verletzt worden war. Einige Jahredarauf traten Schmerzen im ganzen linken Beine auf mit An-schwellung des Fusses und Eiterherdbildung auf dem Fuss-rücken. Mit einer grossen Menge Eiters entleerten sich dannangeblich 2 Schrotkörner. Bei der Aufnahme des S. war das1. keilförmige Bein und ein Theil des Kahnbeins nekrotisch,auf dem Fussrücken befand sich ein fressendes Geschwür.Durch monatelange Eiterung war der Mann so sehr erschöpft,dass zur Lebenserhaltung die Pirogoff'sche Operationnöthig erschien; die Heilung erfolgte ohne Eiterung, es wurdegute Gebrauchsfähigkeit des Stumpfes erzielt. (Sanitätsbericht1879/81, S. 136, No. 10.)
4. G., Invalide, hatte am 18. August 1870 bei Gravelotteeine Schusswunde am linken Oberschenkel ohne Knochenver-letzung erlitten, die Wunde war Ende Oktober 1870 geheilt.Die Beweglichkeit des Beines war nicht gehindert, jedoch ent-standen Schmerzen in der Narbe, ausserdem sollen häufigKrämpfe im linken Bein aufgetreten sein. Während einessolchen Anfalles fiel G. im Februar 1879 von einer Leiter undzog sich einen offenen Unterschenkelbruch zu, aus welchemsich dann Absterben des linken Schienbeins entwickelt hatte.Am 24. Juni 1879 wurde G. in das Garnisonlazareth Erfurtaufgenommen, woselbst dann am 4. September 1879 die Ab-setzung des Oberschenkels unterhalb der Mitte erfolgte.Der Verlauf der Operation war ein günstiger, der Stumpf am17. Dezember 1879 vollständig vernarbt. (Sanitätsbericht1879/81, S. 112 und S. 143, No. 53.)
5. Seh., verwundet am 19. September 1870 im Gefechtbei Bicetre: Schussverletzung am linken Fuss; Vereiterungdes Fussgelenkes. Im Garnisonlazareth Liegnitz wurde am12. Mai 1879 wegen Absterbens des linken Fussgelenkes dieAbsetzung des linken Unterschenkels eine Hand breitunter dem Kniegelenk durch St.-A. Hock ausgeführt. VordererLappenschnitt unter Anwendung der Esmarch'schen Blutleere;antiseptischer Verband mit trockener Karboljute. Verlauf ohneFieber. Nur einmal Temperatur 38 °. Das untere Ende desSchienbeins wurde nekrotisch, deshalb am 10. Juni 1879 nach-träglich Ausschneidung desselben. Am 6. Juli 1879 wurde Seh.mit noch etwas empfindlicher Narbe geheilt entlassen. (Sanitäts-bericht 1879/81, S. 137, No. 21.)
6. St., Invalide, verwundet am 18. August 1870 bei Grave-lotte: Schussverletzung des rechten Oberarmknochens; Aus-sägung des Ellenbogengelenks am 30. September 1870.')Wegen chronischer Entzündung des Oberarmknochens mit Se-questerbildung und häufiger Entzündung der Weichtheile er-folgte die Aufnahme in das Lazareth Breslau am 6. August 1881.Drohender Verfall der Kräfte in Folge der häufigen und umfang-reichen Zellgewebsentzündungen veranlasste am 10. August1881 die Absetzung des rechten Oberarms im mittlerenDrittel durch St.-A.Wolf. Der abgetragene Theil des Oberarm-knochens verdickt, mit zahlreichen Knochenwucherungen ver-sehen; in seiner Mitte eine mit Eiter angefüllte Oeffnung, die
i) Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 482, No. 233.
(Folgt Uebersicht X. Fortsetzung des Textes auf g. 222.)
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