rflil. Allgem. Theil.
I. Abschnitt: Gliedabsetznngen und Gelenkaussägungen.
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Der ausserordentlich grosse Unterschied zwischen denZahlen der Deutschen 1870/71 einerseits, denjenigen ausm vorangegangenen grossen Kriegen andererseits lässtdarüber keinen Zweifel bestehen, dass die primärenGliedabsetzungen bei den Deutschen 1870/71 in deriThat ganz ungewöhnlich selten gewesen sind. SelbstLif dem südöstlichen Kriegsschauplatz, woselbst — wieauf S. 197 dargethan — auf die frühzeitige Vornahmem Operationen besonderer Werth gelegt wurde, kamenvon 177 der Zeit nach bekannten grösseren Amputationen,welclie an dort Verwundeten theils auf dem Kriegs-schauplätze, theils im Inlande vollzogen worden sind, 1 )m 10G = 58.8 # primär zur Ausführung.
Sowohl in dem Englischen Sanitätsberichte als in dem-jenigen von Che nu über den Krimkrieg, desgleichen in Chenu'sBericht über den Italienischen Feldzug wird eine Angabe darüber,tai unter „primären" und „sekundären" Operationen verstandenkt, überhaupt vermisst. Im Amerikanischen Bericht werdenbei den Resektionen als Primär-Operationen die „währendder ersten 3 Tage" nach der Verwundung vorgenommenen zu-lanimengefasst (Part. III, surg. vol., p. 876), bei den Ampu-tationen (ebendaselbst, p. 878 bezw. Part. II, surg. vol., p. 697)lie „während der ersten 48 Stunden" (nur bei der Auslösungim Hüftgelenk „während der ersten 24 Stunden") nach der Ver-ätzung verrichteten. An sich ist es nicht völlig klar, ob „die ersten^Stunden" allgemein den Tag der Verwundung und den erstenkrauf folgenden Tag umfassen, oder thatsächlich die angegebenetundenzahl. In letzterem Falle würden, wenn die Verwun-tiag gegen Abend stattgefunden hat, die 48 Stunden erst am■bend des zweiten Tages nach der Verwundung abgelaufen(in. Dass in Wirklichkeit unter diesen 48 Stunden der Tag dererwundung und die beiden nächstfolgenden Tage zu ver-ieheu sind, scheint daraus hervorzugehen, dass der „inter-lediäre" Zeitraum im Amerikanischen Bericht (a. a. 0.1878) vom „dritten Tage nach der Verwundung" an ge-pcket wird.
In diesem (Deutschen) Berichte sind unter „Primär-Ope-■honen überall die am Tage der Verwundung und deni*iden zunächst darauf folgenden Tagen vorgenom-en verstanden (vergl. Operationsstatistik, Tabelle I) , im(einigen jedoch, um jede anderweitige Zusammenfassung zumöglichen, die Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungenfjd^iehe Tabelle II bis XVI der Operationsstatistik und nach-j, ÄsendeUebersicht IX) während der ersten Woche nach T agen ,Spater nach Wochen besonders aufgeführt.
Abgesehen von den seitens der Franzosen in der Krim^u in Italien vorgenommenen Gliedabsetzungen haben dienmären Operationen dieser Art nach den hier beigefügtenlebersickten während der grossen Kriege seit 1854 stetspsere Ergebnisse geliefert als die sekundären. Die Selten-*'t primärer Gliedabsetzungen kann daher wohl als zweiterprand dafür angesehen werden, weshalb bei den Deutschenp'"/ 71 hinsichtlich der Gesammtheit der Ampu tationen mind er>te Erfolge erreicht worden sind (vergl. oben S. 204) als
11 Vergl. Tabelle XXV und XXXIX der Operationsstatistik. —[j™ auch Tafel IV und V, woselbst die Zusammenfassung der Glied-ungen und Gelenkaussägungen kleine Abweichungen von der* D genannten Verhältnisszahl bedingt.
bei den Amerikanern und den Engländern in der Krim.Es starben nämlich laut Längsspalte 31 in Uebersicht VI
nach primären nach sekundären
Glied-
Glied-
absetzungen
absetzungen
bei den Engländern in der Krim
24.9 |
46.8 ■»
23.9 ,
33.3,
bei den Deutsehen 1870/71. .
36.8»
56.8,
hingegen
bei den Franzosen in der Krim .
73.o,
43.5,
bei den Franzosen in Italien . .
79.2,
71.4»
Die verhältnissrnässig hohe Sterblichkeit auch nachPrimär-Operationen bei den Deutschen 1870/71 darf offen-bar wiederum hauptsächlich der Seltenheit derselben, d. h.ihrer Beschränkung auf die schwersten Verwundungen zu-geschrieben werden. Glaubt man, dem wirklichen Begriffeprimärer Gliedabsetzung, d. h. der Operation bei primäremWundzustande, näher zu kommen, wenn man nur die amTage der Verwundung und am nächstfolgenden Tage vor-genommenen Gliedabsetzungen als primäre bezeichnet, soergiebt sich für letztere bei den Deutschen 1870/71 (vergl.nachstehende Uebersicht IX) doch immer noch eine Sterblich-keit von 35.i £, für die am Tage der Verwundung alleinausgeführten eine solche von 32.2 $.
Vorstehend dargelegtes Verhältniss der einzelnenKriegs-heere zu einander hinsichtlich der Sterblichkeit nach pri-mären Gliedabsetzungen überhaupt gilt im Uebrigen nichtfür alle einzelnen Arten der letzteren, insbesondere nicht fürdie Absetzungen am Oberschenkel. In Folge von letzterenstarben nämlich
nach primären nach sekundärenOperationen Operationen
42.0 { 75.4 <•
49.8 , 60.i .
62.1 , 75.o.
87.9 , 82.o ,92.3 „ 90.9 „
Nach Ausweis der schon erwähnten Uebersicht IXwaren bei den Deutschen 1870/71 die Erfolge derjenigenGliedabsetzungen am besten, welche noch am Tage derVerwundung vorgenommen waren (32.2$ Todesfälle); sieverschlechterten sich sodann in ziemlich regelmässigerStufenfolge bis zum Ende der 4. Woche, besserten sichwieder von da ab und wurden nach Ablauf der 12. Wochegünstiger als bei den primären Eingriffen. In leicht er-kenntlichem Zusammenhange mit dem guten Ausgangeder noch am Tage der Verwundung ausgeführten Am-putationen steht der auf Tafel III sehr in die Augenspringende Unterschied in den Erfolgen primärer Glied-absetzungen, je nachdem letztere auf Verbandplätzenoder in Lazarethen stattfanden. Von den 251 auf Ver-bandplätzen Amputirten starben 30 $ (eine Zahl, welchesich mit der Sterblichkeitsziffer der am Tage der Ver-folgen Uebersicht VIII und IX. Fortsetzung des Textes auf S. 218.)
bei den Deutschen 1870/71.bei den Amerikanern ....bei den Engländern in der Krimbei den Franzosen in Italien .bei den Franzosen in der Krim