I
I
158
II. Kapitel: Wundkrankheiten.
BandHI. A%m.]
Aehnlich ungünstige Erfahrungen scheint H.Fischer mitder einfach erhaltenden Behandlung gemacht zu haben, denner räth, mit derselben nicht viel Zeit zu verlieren, sondern mög-lichst frühzeitig und möglichst theilweise zu reseziren. Je späternach ihm zur Operation gegriffen wird, desto mehr Knochenmuss in Folge der schnell fortschreitenden Zerstörungen in denGelenken entfernt werden, desto entkräfteter sind die Verwunde-ten und desto mehr droht in Folge der Jauchung in den Weich-theilen die Gefahr der Erschöpfung und der Pyämie.
Im Ganzen sind nach der Uebersicht auf Seite 1011 imSpez. Th. dieses Bandes von 496 Deutschen mit "Wunden desFussgelenks 150 = 30.2^ gestorben, und zwar von 278 zu-wartend Behandelten 55 = 19.s£, von 70 Resezirten 24 = 34.3$,von 148 Amputirten 71 = 48.o§. Bei 19 der unter zuwartenderBehandlung Gestorbenen finden sich nach Tabelle V auf S. 671im Spez. Th. Pyämie und Septicämie als Todesursache angegeben.
Den Verletzungen der Mittelfussknochen kommteine weit geringere Bedeutung in Bezug auf Komplikationmit Pyämie zu als denen der Fusswurzel, da sie weniger Anlassbieten zu profusen Eiterungen, Verjauchung der Gelenke unddes Knochenmarks wie zur Resorption putrider Stoffe. EinFaktor, der auch hier der Entwicklung der Pyämie förderlichist, beruht nach v. Beck in der Schwierigkeit, mit welcher dieUnterbindung der Gefässe in den infiltrirten und unnachgiebigenGeweben des Fusses nicht selten verbunden ist. Dieselbe hatmehrfach dazu geführt, die Tamponade mit Chloreisen in An-wendung zu bringen, ein Verfahren, das, sowohl die häufigeWiederkehr der Blutungen wie die Verjauchung begünstigend,den Boden für die Pyämie vorbereitet und deshalb nicht an-gewandt zu werden verdient.
Die Zusammenstellung auf vorstehender Seite 94/95zeigt jedenfalls, dass Wunden der Gliedmaassen viel häufigerzu Pyämie und Septicämie geführt haben, als solche desKopfes und des Rumpfes. In Uebereinstimmung damit stehtArnold's Befund bei 133 von ihm sezirten Verwundeten.Seine Zusammenstellung ergiebt, dass in sämmtlichen Fällenvon Schussverletzungen der oberen Gliedmaassen, sowiederjenigen des Hüftgelenks und des Oberschenkels diepyämischen und septicämischen Affektionen die alleinigeTodesursache waren, dass die Mehrzahl der an Schulter,Knie, Unterschenkel und Fuss Verletzten denselben Todes-ursachen erlegen sind, während bei 13 Schusswunden derBrust 9mal der Tod durch Behinderung der Athmung, 4maldurch pyämische Erkrankungen erfolgt war.
Die Beobachtung, dass ein erheblicher Theil der Todes-fälle an Pyämie in der 3. bis 5. Woche nach der erlittenenVerletzung eintrat, führte zu der Annahme, dass ausser derArt und dein Sitze der Wunde vornehmlich bestimmte Stadiendes Wundverlaufs zur Entwicklung der Pyämie Veran-lassung geben. Mit Sicherheit ist indessen aus dieser That-sache wohl nur zu entnehmen, dass in der angegebenenZeit der Prozess der septischen Infektion zumeist seinenHöhepunkt erreicht hat.
Osteomyelitis, Phlebitis und Thrombose werdenvorzugsweise als die Wege genannt, auf welchen die Allge-meininfektion stattfand.
Die Berichte von v. Beck, Graf und Anderen er-wähnen namentlich der ersten als der Hauptquelle der
Pyämie bei Schussverletzungen der Knochen undan, dass sie unabhängig von der Grösse der KnoclJZerschmetterung zu ganz unbedeutenden Splitterungtreten sei. Es wurden sogar Fälle beobachtet, in dJeine blosse Quetschung, eine einfache ErschütteruneKnochens genügte, um Osteomyelitis hervorzubringen Ideren Gefolge alsdann die tödtliche Krankheit eintrat.)
Schüller theilt mit, dass völlige Vereiterungen{Verjauchungen des Knochenmarks besonders häufigStreifschüssen der Epiphysen auftraten und fast regelnzu tödtlich verlaufender allgemeiner Pyämie oder Sglcämie führten. Auch Socin bestätigt, dass Streder Knochen weit mehr als ausgedehnte Splitternzu verbreiteter eitriger Osteomyelitis und fortschreiteeitriger Beinhautentzündung, weiterhin zur Entwicklung!!Pyämie disponiren. Zwei Umstände, welche nach ihm vealieh hierzu beitragen, sind die Erschütterung des Knocka]durch welche erfahrungsgemäss ein günstiger Boden frälliehe Infektion geschaffen wird, andererseits der Umstadass die Knochenverletzung nicht immer gleich erksjauch nicht immer genügend beachtet wird.
Andere schrieben der Osteomyelitis eine gern«Wichtigkeit zu. Fischer sieht auf Grund der Beobachtedass sich bei keinem von 40 tödtlich verlaufenenschenkelschussbrüchen, worunter Fälle mit bedeuten!Splitterung und 19 Todesfälle durch Pyämie, und isowenig bei seinen Todesfällen nach Knieschüssen uireiche osteomyelitische Prozesse auffinden Hessen, iHauptgefahr in der Entzündung und Vereiterung der Wjtheile und Gelenke. Sicher ist, dass eine ganzevon Verwundeten mit Weichtheilverletzungen, ohnewährend ihres weiteren Verlaufs zu entzündlichen Erbkungen des Knochens kam, pyäinisch zu Grunde gegangeii^
Ebendahin spricht sich auch Klebs aus. Er gieldass in einzelnen der von ihm untersuchten FalkPyämie in der Substanz des Knochens sich ihren Weilbahnt und so unmittelbare Berührung mit der BlutmaHBfunden habe, dass jedoch der gewöhnliche Weg ihrer!wicklung Phlebitis und Thrombose gewesen.
In den von Luecke beobachteten Fällen ergab 1Leichenöffnung sogar jedesmal, dass die Pyämie von!Venen ausging, welche mit der Arterie zugleich wl«Jworden war. Entweder, sagt er, hatte der ErweichVorgang, welchen die mit der Beinigung des Schusskaieinhergehende Eiterung herbeiführt, die Thromben aufgo|und infizirenden Detritus gebildet, der theils rein £wirkte, theils verschleppt durch Kapillarembolie IMLungen oder anderen Organen die AllgemeininfektioiWege brachte, oder die gequetschte Venenwandungabgestorben und nun der im Schusskanal oder der wjhöhle befindliche infizirte Eiter in die Venen hineingefund so in den Kreislauf gelangt. Luecke beobachtete Kflwie bereits angeführt, dass im unmittelbaren Gefolge'Sekundärblutungen sich Pyämie entwickelte, und