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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem.

treten der Pyämie Hess einem Theil der Berichterstatterdie hygienische Hospitalbeschaffenheit nur als nebensächlichfür die Entstehung der Wundkrankheit erscheinen. Ge-wichtige Stimmen sind für eine solche Anschauung ein-getreten. So äusserte sich H. Fischer dahin, dass eineganze Reihe von Verletzten, selbst wenn sie in den bestenund gesundesten Spitälern und in der schönsten Pflege sichbefinden, der Pyämie zum Opfer falle, und dass diese wederdurch Hospitalsysteme noch durch bestimmte Behandlungs-methoden zu verbannen sei.

In ähnlicher Weise sprach sich Billroth aus:Wir ver-hüten die Pyämie nicht vollständig durch Absonderung derKranken, nicht durch die grösste Reinlichkeit, nicht durchdie beste Verpflegung, nicht durch die reinste Luft. Wirkönnen durch alle diese Dinge nur bewirken, dass keineInfektion von einem Verwundeten mit schlechterem, mehroder weniger giftigem Eiter auf andere gute Wunden erfolgt,sowie dass die Verwundeten die heftigsten Entzündungenund ihre Rückfälle besser überstehen und dass sie wider-standsfähiger gegen die Nachfieber werden."

Indessen wurden auch beachtenswerthe gegenteiligeAnschauungen laut. So stellte zum Beispiel Graf mangel-hafte Hospitalverhältnisse, wie solche nach ihm Wundroseund Hospitalbrand zu erzeugen vermögen, als sehr wesent-lich für das Zustandekommen der Pyämie hin und führtezum Beweise die verschiedene Sterblichkeit in Kasernen-und Barackenlazarethen in Düsseldorf an. 1 )

Ferner schrieb Lücke, wennschon auch nach seinerMeinung weder die gesundeste Privatwohnung noch diebeste Baracke im Stande ist, der Zersetzung der Wund-absonderung vorzubeugen und Pyämie und Septicämie zu ver-hüten, seine günstigen Ergebnisse bei der Behandlung vonSchussbrüchen zum Theil den Baracken und den grossen,gut ventilirbaren Räumen zu, in denen seine Verwundetenuntergebracht wurden.In denselben kamen sagt ersepticämische Vergiftungen, welche sich zu den unbe-deutendsten Operationen gesellen und so ausserordentlichschnell zu tödten im Stande sind, wie sie in mangelhaftenSpitälern so häufig sind, nicht vor."

Mochte indessen der Ungunst der Oertlichkeit einegeringe oder eine hervorragende Bedeutung für die Ent-stehung der Pyämie beigemessen werden, in keinem Falleward ihr Auftreten durch sie allein erklärt, und es erwuchsnaturgemäss die Aufgabe, nach den weiteren Bedingungenihrer Entwickelung zu forschen.

Schädlichkeiten aller Art wurden als Ursache ange-sprochen. Hier und da war von nachweisbarer Ein-schleppung der Pyämie die Rede; dass indessen dieselbeals solche kein bestimmtes Kontagium liefert, galt im All-gemeinen als unzweifelhaft. 2 ) Auch wurden wohl in ein-zelnen Lazarethen Verwundete, die in denselben Räumen

!) Vergl. vorstehend S. 65.

2 ) Vergl. hierzu S. 152 unterKontaktinfektion"

lagen, gleichzeitig befallen, aber ebenso oft trat das "Wjleiden in verschiedenen Sälen, da und dort zerstreut,zusammenhangslos auf.

Socin sprach sich für ein spezifisches MiasUrsache der Pyämie aus. Derselbe sagt:Ohne AnnajJeines spezifischen Agens ist die nicht von der Hand jweisende Beobachtung, dass da, wo viele Pyäniiscae Jauch bei ganz leichten Verletzungen die Krankheit 1entwickeln kann, schwer zu erklären. Solche Epidafsind nicht einfach alsscheinbar" in Frage zu steilGerade einige im Bahnhofslazareth zu Karlsruhemachte höchst traurige Erfahrungen haben den Glaubeildie miasmatische Natur der Pyämie in mir nur beffttijEr war sogar geneigt, die Möglichkeit einer unmittelkInfektion durch die Luft anzunehmen.

v. Beck und Billroth dagegen erklärten dielverbreitete Annahme eines miasmatischen Pyämiegiftesfür statthaft.

Strorneyer schuldigte Kälte und starken Zugnials Ursache an, jedoch stand er mit dieser AnschauJziemlich allein. 1 ) v. Beck schrieb zwar auch derhaften Erwärmung einen Einfluss auf Zustandekommen iseptischen Infektion zu, indessen nicht der Kälte an!sondern ihren Folgen. Als im Dezember und Januar(grossen Krankensäle nicht genügend erheizt werdendie Temperatur in den Morgenstunden oft nur 4.o° beirjdie Kranken also stärker zugedeckt werden mmkauerten sie sich in den Betten eng zusammenmieden ängstlich die Lüftung der Decken. Die Folge |von war, dass die Luft unter den Decken sich staute, ierneuert wurde, die Wundflüssigkeiten sich rascher zersetziJder Kranke seine eigene schlechte Ausdünstung wiedero|athmete und so eine reichhaltige Quelle zur Selbstinfetterschlossen wurde. Eigentlich meteorologischewurden, ausser von Strorneyer, von keinem Andereijwesentlich für das Auftreten der Pyämie aufgeführt;]Gegentheil wurde berichtet, dass die Pyämie bei sWitterung und bei Regen, an warmen und an kiTagen auftrat.

v. Langenbeck erzählte über seine Thätigkeit ff*und nach der Schlacht bei Beaune la Rolande am -'>|vember 1870:Abgesehen von den zahlreichen Pri|gebäuden, welche Verwundete und vorzugsweise Offiiaufgenommen hatten, waren G grosse öffentliche GebarAILazarethen eingerichtet; diese Hessen im Allgemeinen «1zu wünschen übrig, und dennoch traten WundkranMauf, welche meiner Ansicht nach als Hospitalkrankheitenjgefasst werden mussten. In dem in der Rue Jeanneddem bestgelegenen Theile von Orleans, befindlichen 11hatten wir zwei sehr schöne Säle mit schwerverwuOffizieren belegt. Nach 8 Tagen brach in dem einen |sonders schönen und reinlich gehaltenen, nur 8

!) Vergl. vorstehend S. 74.