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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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n d III. Allgem. Theil.

III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.

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Ca.

II. Entstehung und Verbreitung.

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auf 1

Die Bedingungen, unter denen Septicämie und Pyämierährend des Feldzuges auftraten, waren so mannigfaltigerrt, dass sie verschiedener kaum beobachtet werden können.)ie Feldlazarethe trafen bei ihren vielfachen Wanderungendem Kriegsschauplatze selten günstige Verhältnisse und»tten mit Schädlichkeiten aller Art zu kämpfen. DasselbeJt, wennschon in geringerem Maasse, von den stehendeniegslazarethen. Die heimischen Lazarethe dagegen hatteni Aligemeinen durchaus geeignete Käumlichkeiten zu ihrerlerfügung, waren zweckmässig, zum Theil mit erheblichemnfwande ausgestattet und mit Allem versehen, was zuler guten Krankenpflege erforderlich schien. Dass in-nen diese so verschiedenen günstigen und ungünstigenfcgienischen Verhältnisse für die Entwickelung, bezw.Verhütung der Pyämie und Septicämie eine hervorragendedeutung gehabt hätten, geht aus den Berichten nirgendseiniger Gewissheit hervor.

Lehrreich ist in dieser Beziehung das Geschick zweierddlazarethe in Pont ä Mousson. Das 8. FeldlazarethArmeekorps war nach den Schlachten vom 16. undl August gleichzeitig mit dem 12. Feldlazareth IL Armee-rps in dem Petit Sdrninaire zu Pontä Mousson etablirt,zwar hatte das erstgenannte die oberen Räume desainars in Beschlag genommen, während das andere in deneren waltete. Beide hatten mit den gleichen Schädlich-en, der regnerischen Witterung, anfänglich grosser En-dlichkeit der Kranken wie der Räume und starker Ueber-lung zu kämpfen, und doch blieb das 12. FeldlazarethJ Armeekorps bei durchschnittlich guter Wundheilung vonpnie völlig verschont, während dem 8. FeldlazarethI Armeekorps, diese Wundinfektion in so hohem GradeHerblich wurde, dass von 390 Verwundeten ihr 36 er-en.Derartige nicht ganz selten vorgekommene Erscheinun-i haben die verschiedenste Deutung erfahren. So äusserteVirchow in seinem Vortrage über Lazarethe undhcken dahin, es könne Niemand, der eine grössere Spital-wirung besitze, zweifelhaft sein, dass die Sorgfalt undBchicklichkeit des einen Arztes unter denselben Verhält-der Luft und des Raumes die besten Erfolge erziele,br welchen bei einem anderen Brand und Rose zumtebruch kommen, und v. Beck in seiner Chirurgie der^Verletzungen (S. 227) deutete diesen Ausspruch da-dass eben ein verschiedener Grad von Sorgfalt undchicklichkeit den Grund abgebe für die verschiedenenhandlungsergebnisse. Von diesem Standpunkte aus könntefcnt das 8. Feldlazareth X. Armeekorps ein schwerer Vor-jn treuen bei einem Vergleiche seiner Erfolge mit denen1 gleichzeitig mit ihm im Se"minaire zuPontäMoussonWlirten. Ersteres hat jedoch im Verlaufe seiner späterenptigkeit im Oktober zu Tremery bei Metz glückliche

Gelegenheit gefunden, jedem derartigen Vorwurf die Spitzeabzubrechen, denn hier versorgten dieselben Aerzte in einerKirche, also einem an sich wenig empfehlenswerthen Räume,und in kleinen feuchten Zimmern zu ebener Erde unterden hygienisch ungünstigsten Verhältnissen, während Ruhrund Typhus herrschten, 300 Verwundete, und keiner der-selben erkrankte an Pyämie.

Aehnliche vergleichende Beobachtungen in Betreff desEinflusses der allgemeinen Gesundheitsbedingungen auf dieEntwickelung der Pyämie zu machen, war nicht allen Feld-lazarethen beschieden. Diejenigen, welche in trefflichen,sauberen Gebäuden von der Krankheit wenig zu leidenhatten, und diejenigen, in welchen ihr Auftreten mit un-günstigen äusseren Umständen zusammenfiel, zeigten in ihrenBerichten begreifliche Neigung, diese Verhältnisse in einenbestimmten ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Einsolcher konnte jedoch nicht angenommen werden, wenn diePyämie trotz zufriedenstellender Allgemeinbedingungen, inder reinsten Luft, den besten Privatquartieren, in luftigen,geräumigen Schlössern, in gut ventilirten Spitälern, auchin Baracken nicht ausblieb, mitunter sogar zahlreiche Opferforderte. So trat z. B. bei dem 8. Feldlazareth VIII. Armee-korps während des Januar 1871 zu Amiens die Pyämiehäufig nach solchen Operationen auf, welche unter günstigenVorbedingungen gemacht waren und bei welchen dieOperirten in den bestgelegenen und bestventilirten, nurschwach belegten Räumen untergebracht werden konnten.Hierher gehört ferner das 12. Feldlazareth V. Armeekorps:dieses hatte in dem Schloss zu Versailles, wenngleich ein-zelne Nachtheile, die unmittelbare Verbindung der Säle,welche der Verbreitung hygienischer Schädlichkeiten förder-lich war, die ungenügende Lüftungsfähigkeit, die Anhäufungvon Staub hinter den zahllosen Bildern, nicht in Abredegestellt werden können, im Vergleich zu vielen anderen La-zarethen günstige hygienische Verhältnisse und gleichwohlunverhältnissmässig zahlreiche pyämische Erkrankungen. 1 )

In anderen Lazarethen dagegen, deren Zuständehygienischen Anforderungen keineswegs genügten, warPyämie selten. So hatte zum Beispiel das 5. FeldlazarethIX. Armeekorps in der düsteren Manutention militairezu Orleans, in der bis dahin ein Französisches Feld-lazareth thätig gewesen war, und die bei der Uebernahmederartig von Schmutz starrte, dass sie erst innerhalb4 Wochen einigermaassen gereinigt werden konnte 2 ), einegute Wundheilung, anfangs keine, nach langer Benutzung2 vereinzelte Fälle von Pyämie. Einzelnen Lazarethenblieb pyämische Wundinfektion gänzlich fern.

Die Beobachtung dieser Verschiedenheiten in dem Auf-

!) Vergl. hierzu vorstehend S. 71/72.*) Vergl. hierzu S. 63.