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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band in. Allgem.'

wahr. Vier betrafen Franzosen, die am 2. Dezember aus-gedehnte Granatzerschmetterungen der unteren Gliedmaassenerlitten hatten und, bis zum 8. Dezember ohne ärztlicheHilfe auf einem Meierhofe des Schlachtfeldes geblieben,erst an diesem Tage nach Baigneaux kamen, in einemZustande, der sofortige Amputation forderte. Die Pyämiemachte sich schon am 9. Dezember durch Schüttelfrösteund Kräfteverfall bemerkbar. Einer der Verwundeten starbam 10., die anderen wurden am 16. Dezember übergeführt.Der 5. Fall betraf einen nach Granatverletzung des KniesAmputirten.

In Connerre" 1 ) mussten 37 Verwundete in denZimmern der Bahnhofs-Restauration, die, an sich gutgeeignet, für diese Zahl bei Weitem nicht ausreichten,versorgt werden. Der plötzliche Ausbruch von Pyämieund Septicämie daselbst ist schon vorstehend auf S. 69berührt worden. Im Ganzen starben dort 8 Verwundete,darunter 7 an den genannten Infektionen.

Nach dem Bericht des 12. Feldlazareths X. Armee-korps aus Le Mans, 2 ) wo dasselbe am 21. Januar 1871in der Bank, einem Komplex von 14 Häusern mit vortheil-haften Gesundheitsverhältnissen, untergebracht war, gingenunter 65 Verwundeten 2 mit Granatsplitterzerreissungender Muskulatur der unteren Gliedmaassen, 2 mit Becken-schüssen durch Septicämie und 2 Amputirte durch Pyämiezu Grunde.

Das 10. Feldlazareth X. Armeekorps büsste im Februarzu Schloss Rambouillet 3 ) aus einer grossen Zahl Schwer-verwundeter nur einen derselben (nach Absetzung des Ober-schenkels) durch Pyämie ein.

Vom Etappenlazareth in Tourneau lag noch die kurzeMeldung vor, wonach in einem hygienisch schlechten Hause,in dessen Dunggruben viel Typhusfäkalmassen entleertwurden, ein durch Schultergelenkschuss Verwundeter starb,der gleichzeitig an Pyämie und Ruhr erkrankt war.

B. Im Inlande.

Mit der Ankunft Verwundeter vom Kriegsschauplatzbegann auch in den Reservelazarethen der Kampf gegenPyämie und Septicämie.

In Berlin hatte namentlich das Reservelazareth desBerliner Hilfsvereins in der Kaserne des 2. Garde-Ulanen-Regiments über Erkrankungen solcher Art zuberichten. Dasselbe enthielt in 51 Zimmern (49 zu 6, 2 zu8 Betten) Raum für 310 Kranke; ausserdem in 16 Zimmernnoch 32 Offizierbetten. In der Thür eines jeden Zimmerswar eine grosse nicht verschliessbare Holzjalousie und ihrgegenüber in einem der beiden Fenster eine stellbareGlasjalousie angebracht. Die Wände sämmtlicher Kranken-

*) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 214.

2 ) Vergl. ebendaselbst, S. 215.

3 ) Vergl. ebendaselbst.

zimmer waren vor der Belegung geweisst, Fussbödenaalles Holzwerk der Thüren und Fenster mit Karbolajlösung desinfizirt worden. Es fand ein regWechsel der für die Schwerverwundeten bestimjZimmer statt. Auf einem der grossen Höfe war bOktober ein Zelt von 8 Betten in Gebrauch. Am !bruar 1871 erfolgte die Auflösung. Während dieser 2Jin welcher 639 Verwundete behandelt wurden, taj16 Todesfälle, darunter 7 durch Pyämie, vor, jedoch 1nur 3 dieser Erkrankungen als innerhalb der Kaserne |standen angesehen werden. Ein 8. Fall von Pyämie!geheilt; derselbe betraf einen Soldaten, der bei Silbrücken am 6. August 1870 durch eine Kugel, die votlrechten Ohrmuschel unmittelbar über dem Jochbogeifdrang und einen Zoll hinter dem Warzenfortsatz de«Seite austrat, verwundet worden war.

In dem Barackenlazareth No. 2 auf dem TeiJhofer Felde kamen Pyämie und Septicämie ebenfallsfach, jedoch nicht in sehr heftiger Weise zum Ausbies wurden einige Schwerverwundete befallen.

Das Lazareth der Kaserne des 1. Bataillons I1. Garde-Regiments zu Fuss zu Potsdam, mit guterund Einrichtung, verlor im August einen, im SepteJvon 50 Verwundeten zwei Schwerverwundete an PjJEbendort endete im Johanniter Zweiglazareth Ihrer Klliehen Hoheit der Frau Prinzessin Karl im SeptemtalFall von Handgelenkaussägung und im Lazareth derJkaserne im Januar ein Fall von Weichtheilschuss desliarms nach voraufgegangenen Schüttelfrösten, Delirieifmetastatischen Entzündungen tödtlich.

Insgesammt 11 Erkrankungen an Pyämie3 mit unbekanntem, 8 mit tödtlichem Ausgange lim August in St. Wendel, Hersfeld, RiebschlWeimar gemeldet. 4 Amputirte zählten zu. denselbal

Ferner starb im August zu Dessau ein wegenBgelenkschuss am Oberschenkel Amputirter 24 Stilnach der Operation pyämisch. Einige andere Verfmit leichten pyäniischen Erscheinungen wurden dimit Chinin behandelt und geheilt, ausgenommen aSchussbruch des Kniegelenks bezw. des Schienbeil'!welche zu Grunde gingen.

Aus Stendal wurden im August und SeptemberlTodesfälle, im Oktober ein Todesfall durch Pyämie gealLetzterer betraf einen Reservisten, welcher sich in^Privatlazareth befand.

In Aachen erlagen an Pyämie im Marii|Hospital von August bis Ende Oktober 1 MaiFleischschuss des Oberschenkels und einer mitdurch den Unterschenkel unter Streifung des Schient!im Privatlazareth des Alexianerklosters imO«1 Verwundeter mit Schussbruch des rechten OberscOTim Lazareth des Evangelischen Frauenverj1 Mann mit Halsschuss, der bereits bei der AufaaMfizirt war, im Maltheser-Lazareth 3 Leute mit Sri