Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

^MB

Band III. Allgem. Theil.

III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.

141

fecher Luft einen ausserordentlich günstigen Einfluss auflie Verwundeten ausübte, selbst die Fälle von Pyämie, dieon anderen Stationen dorthin verlegt wurden, meist eineünstige Wendung nahmen." Das 8. Feldlazareth X. Armee-korps hatte nur die oberen Räume des Seminars in Anspruchenoramen. In 3 grossen Korridorzimmern und der Kirche,tte sich vom 23. bis 31. August das 12. FeldlazarethArmeekorps eingerichtet. Dasselbe berichtete, dass trotzosser Unreinlichkeit, in welcher sich die Kranken zuerstfanden, nach gründlicher Desinfektion und Evakuationrchschnittlich gute Wundheilung erzielt sei. Wederer noch in der Dragonerkaserne auf der linken Mosel-Ite, in welcher das Feldlazareth nach Räumung derselbenitens des 6. Feldlazareths III. Armeekorps unter ebenfallsgünstigen hygienischen Verhältnissen vom 1. Septemberthätig war, wurden Pyämiefälle beobachtet.Im Gegensatz zu den im Seminar zuPontäMoussonreichten Behandlungs - Ergebnissen standen die im Ok-her zu Tremery 1 ) ebenfalls von dem 8. FeldlazarethArmeekorps erzielten. Hier waren gleichfalls in denäusern und der Kirche des Dorfes, in kleinen feuchtennmiern meist zu ebener Erde, kurz, unter hygienischendingungen, die viel zu wünschen übrig Hessen, 300 Ver-ndete in Verpflegung; zudem herrschten Ruhr und Typhus,l doch war der Zustand der Verwundeten ausgezeichnet:were Oberschenkelschüsse, Brust- und BauchschüsseUten merkwürdig rasch, und kein Fall von Wundinfektionm zur Beobachtung.Das 10. Feldlazareth VII. Armeekorps vermerkteseptische Erkrankungen, als es am 18. August beiavelotte 2 ) und dann bis 12.Oktober zu Ars sur Mosellehlirt war.Das 7. Feldlazareth VIII. Armeekorps verlor im Sep-ber zu Gravelotte viele Verwundete mit Oberschenkel-üssen,bei denen es fraglich war, ob Pyämie die Todes-.clie bildete."

Bei der 2. Sektion des 2. Feldlazareths VIII. Armee-orps 3 ) kamen ebendaselbst trotz der Benutzung vonranzösischen Zelten zahlreiche Todesfälle durch Pyämie', darunter viele bei Franzosen, die tagelang ohne Hilfeplegen hatten.

Im 4. Feldlazareth VIII. Armeekorps, am 18. August0 in einzelnen Häusern zu Gravelotte etablirt, er-nten sich die Verletzten dagegen trotz vieler schwerenluden guter Heilung; nur ein Verwundeter starb an»mie nach sekundärer Oberschenkelabsetzung, welche Verjauchung des Kniegelenks angezeigt gewesen war.Die 1. Sektion 6. Feldlazareths IX. Armeekorps hatteVerneville 4 ) 5 Fälle tödtlicher Pyämie, die aus-

') Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 127.

-) Vergl. ebendaselbst, S. 132.

3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 117.

4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 118.

schliesslich Schwerverwundete, darunter 2 sekundär nachOberschenkelschussbrüchen Aroputirte, betrafen. Der Berichtführt aus, dass die Lazarethverhältnisse durch Zerstreuungder Kranken über eine grosse Anzahl von Häuserndes langgesti'eckten Dorfes und durch die anfangs ermög-lichte gute Verpflegung zuerst im Ganzen günstige gewesenseien, dass indessen späterhin Schädlichkeiten mannigfacherArt einwirkten. Dysenterische und Typhuskranke gingenzu und die Trennung derselben genügte nicht, die Ver-breitung von Durchfällen unter den übrigen Lazarethkrankenaufzuhalten. Die Ausdünstungen der benachbarten Schlacht-felder und namentlich die Verwesung von 50 Stück Rind-vieh, die wegen Ausbruchs der Rinderpest getödtet und inder Nähe des Lazareths vergraben waren, machten sichunangenehm bemerkbar;unter diesen Verhältnissen wares zu verwundern, dass die Sterblichkeit nicht grösser war".Zu gleicher Zeit war die 2. Sektion desselben Feldlazarethszu Malmaison beschäftigt, von wo 3 Fälle von Pyämie ge-meldet wurden. Zwei der Erkrankten starben, einer, undzwar ein Fallunzweifelhafter Pyämie", wurde geheilt.Von ebendorther berichtete das 1. Feldlazareth III. Armee-korps einen Verlust durch Pyämie, der einen Mann mitSchussbruch des linken Oberschenkels betraf.

In Doncourt en Jarnisy 1 ) hatte das 3. Feldlazarethdes Gardekorps angeblich bei mehr als 500 Verwundeten,welche es am Abend des 18. August in mangelhaftenHäusern, Scheunen und in der Kirche gelagert, keine Er-krankung von Pyämie. Das 2. Feldlazareth III. Armee-korps theilte aus St. Privat und Doncourt bei vielenschweren und stark eiternden Verletzungen nur 4 Todes-fälle an Pyämie und Septicämie mit.

Aus St. Privat la Montagne berichtete ferner das11. Feldlazareth XI. Armeekorps, unter schwierigen Ver-hältnissen am 19. August etablirt, übersonst ausgezeichnetgute W T undheilung", verlor aber von 6 Operirten ö anPyämie und 1 an Wundstarrkrampf.

Beim 2. Feldlazareth IX. Armeekorps zu St. Ail, 2 )einem Dörfchen mit durchaus ungünstigen hygienischenVerhältnissen, wo die Verwundeten zum grössten Theil inniedrigen ungenügend ventilirbaren Zimmern Unterkunftgefunden hatten, in Häusern, die unten Viehställe enthieltenund deren Umgebung durch Düngergruben verpestet war,traten anfänglich auch nur vereinzelte pyämische Krankheits-erscheinungen auf, später jedoch wurde der Wundverlaufschlechter und forderte viele Opfer.

Aus Batilly 3 ) gab das 9. Feldlazareth IL Armeekorpsvom September einen Todesfall an Pyämie an.

Das 11. Feldlazareth IL Armeekorps, am 20. Augustim Schloss Villers aux bois 4 ) nahe bei Rezonville

J ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 118.

2 ) Vergl. ebendaselbst, S. 119.

3) Vergl. ebendaselbst, S. 119.

4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 122.