Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

I

HH1HBPI9IIPPB9I|I|BH|JHHBBHHM

136

II. Kapitel: Wundkraukheiten.

Band III. Allgem. Thal

Händen übernommene Hospitäler, Pfalz bürg, Sedan,Strassburg.

Seltener wurden in den Reservelazarethen hygienischeMissstände mit der Entwickelang des Hospitalbrandes inBeziehung gebracht, doch beschuldigte man auch hierLatrinen, wie z. B. im Garnisonlazareth zu Berlin, oderungenügende Lüftung in einigen als Reservelazarethedienenden Kasernen (Oldenburg, Saarbrücken, Ein-beck, Braunschweig). Erwähnenswerth ist es, dass inden zu Lazarethen eingerichteten Turnhallen und Reit-bahnen mehrfach Wunddiphtherie und Hospitalbrand auftrat.

Meteorologische Einflüsse allein werden nur invereinzelten Fällen angeschuldigt, wenn im Anschluss anlängere Eisenbahntransporte bei kalter Witterung vomKriegsschauplatz (Amiens, St. Quentin, Orleans) nachReservelazarethen (Wiesbaden, Ems, Coburg, Potsdam)Wunddiphtherie oder Hospitalbrand gefunden wurde. 1 )

Heut wird nicht bezweifelt werden können, dassvon hauptsächlichstem Einfluss auf die Verbreitung desHospitalbrandes seine Uebertragbarkeit (Kontagiosität)war. So unzweifelhaft dieselbe bei der Entstehung ört-licher Epidemien als das Wesentlichste angesehen werdenmuss, ebenso zweifellos kam dieselbe, begünstigt durch dasKrankenzerstreuungssystem, im Grossen zur Geltung. Dieauffallende Thatsache, dass im September fast gleichzeitigin den verschiedensten Reservelazarethen Hospitalbrandauftrat, findet darin zum grössten Theil ihre Erklärung;dasselbe gilt für die Steigerung der Krankheitshäufigkeit imJanuar und Februar. Gerade zu diesen beiden Zeitpunktenwar man genöthigt, die Feldlazarethe und die an derGrenze gelegenen Kriegs- und Reservelazarethe durch aus-gedehnte Ueberführungen zu entlasten.

So fand erwiesenermaassen Einschleppung von Hospital-brand statt in den Reservelazarethen zu München, Karls-ruhe, Homburg, Hannover, Wunstorf, Soest,Göttingen, Düsseldorf (im Januar), Bielefeld,Gotha, Schwerin, Neubrandenburg, Stolp, Brom-berg, Insterburg, Berlin. Hierbei muss betont werden,dass ausser dem auf S. 81 erwähnten Vorkommniss keinFall bekannt ist, in welchem nachweislich ein Ver-wundeter mit augenscheinlich entwickeltem Hospitalbrandaus einem Feldlazareth übergeführt wurde, wohl aberHess sich wiederholt feststellen, dass Wunddiphtherie undHospitalbrand während des Transports auftraten, zumTheil, nachdem bei den Betreffenden auf den Verband-stationen unreine Schwämme oder beschmutzte Höllen-steinstifte zur Anwendung gekommen waren. 2 ) Gewiss

!) Siehe hierzu vorstehend S. 74 (Stromeyer).

2 ) So berichtet das Beservelazareth III zu Hannover: Unter denVerwundeten-Transporten, welche nach den Kämpfen des 14. bis18. August ankamen, fand sich Hospitalbrand, der auch diebereits früher Anwesenden zum Theil ansteckte. Jene Transportewaren von jungen Leuten der Sanitätshilfskorps auf Bahnhöfen mitSchwämmen gereinigt und abgewaschen. Die Weiterverbreitung im

berechtigen diese, zwar nur vereinzelt bekannt gewordeJaber sicher festgestellten Vorkommnisse zu der Annan Jdass auf diese Weise vielfach Wundinfektionsstoffe iiljtragen wurden. Spricht doch auch Billroth die Y?lmuthung aus, dass bei dem vereinzelten Vorkommen MHospitalbrandes in Mannheim der Ansteckungsstoff MCharpie haftete, die von Hospitalleinwand herrührte, gjin einem Hospital gezupft wurde, in welchem Hospitilbrand vorkam; denselben Verdacht äussert Socin hinsfcllieh der ersten Hospitalbrandfälle in Karlsruhe; in gleicklWeise suchten einzelne Chefärzte das vereinzelte Acltreten in den Feldlazaretten zwischen Orleans und Paridadurch zu erklären, dass in den einen Theil der Verbat:!Stoffe liefernden Spitälern der Stadt Etampes Hospiu.rbrand herrschte.

Ueberhaupt verdient der Umstand Beachtung,nach den Berichten Französischer Aerzte (Chenu, MLeroy) Hospitalbrand durch ganz Frankreich Telbreitet war (l'^pidemie, qui a se"vi sur toute Teten«de la France", sagt Moty) und in Folge dessen die Gefatfder Infektion für die Feldlazarethe schon von vornherebestand; besonders war dies der Fall im Norden von Pariilwo z. B.- in Amiens und Maubeuge Hospitalbrand (demisch auftrat.

Beispiele von Nachbar-Erkrankungen wurdenniselten angeführt. Unter anderen beobachtete Socin iBahnhofslazareth zu Karlsruhe 3 Fälle, in welchen die Telschleppung von einem Bett auf das andere ganz auffalllwar. Heine erzählt Gleiches aus seinem Lazareth iNancy. Schüller berichtet, dass in einem Reservelazartlin Hannover Hospitalbrand in einem Zimmer vonzu Bett wandernd der Reihe nach 4 Verwundete befiel, |

Im Schützenhaus zu Gotha erkrankten in einem!6 Bettnachbarn innerhalb weniger Tage.

In ähnlicher Weise verbreitete sich Wunddiphtkrijunter 7 Verwundeten in der Halle aux toiles in Le Mae

Sehr spärlich sind die Beobachtungen von unmittt.lbarer Uebertragung. Heiberg erzählt zwei derartigVorkommnisse aus dem Berliner Barackenlazareth.

In einem Falle hatte der betreffende behandelnde Ai^zuerst einen Brandigen mit dem Finger untersuchtgleich nachher einen anderen Verwundeten, welcherTage später vom Brand befallen wurde; in derselbeBaracke, welche dieser Arzt versorgte, kamen etwas spnoch 2 Erkrankungen vor. Ein alter Landwehrmann 1in einem Lazareth neben einem guten Freunde,brandig war. Diesen verband jedesmal die Schwester zuerädann wurde der Landwehrmann verbunden, ohne

Hause scheint durch Leinwandstücke, welche zu Umschlägen für*brandigen Wunden benutzt waren und nach einfacher WaschungoDesinfektion wieder benutzt wurden, hervorgerufen zu sein. D" nReinlichkeit und Desinfektion gelang es in allen Fällen dem Brau!Einhalt zu thun. Aehnliche Mittheilungen finden sich inBerichten noch mehrfach.