•Band III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Handhabung der Lazureth-Hygiene.
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lieh als sie den günstigen Verlauf ihrer Wunden sahen,und wollten durchaus nicht in die Häuser zurück."
Im Gegensatz zu einer derartig bedingten und mitvorbehalten ertheilten Anerkennung, welcher die Zelt-behandlung bei der Mehrzahl der Deutschen Aerzte be-gegnete, bat die ausgesprochene Vorliebe derselben für dieBenutzung von Baracken zur Errichtung der oben er-wähnten, verhältnissmassig grossen Zahl solcher Gebäudegeführt. Dass trotz des mehrfach hervorgehobenen Mangelsan geeigneten Unterkunftsräumen vor Metz') gerade aufdiesem Theile des Kriegsschauplatzes nicht mehr alsIg Baracken errichtet worden sind, 2 ) hatte seinen haupt-sächlichsten Grund in der eben dort hervortretendenSchwierigkeit der Materialbeschaffung. 3 ) Wie stark dieNeigung zum Barackenbau sich überall geltend machte,o-eht deutlich aus der Thatsache hervor, dass man selbstan gefährdeten Orten, desgleichen noch auf dem Rück-märsche zu Bauten solcher Art schritt, welche gelegentlichaufgegeben werden mussten, weil das feindliche Feuer sieerreichte,*) oder nicht mehr zur Verwendung kamen, weilder Grund, um dessen willen man die Aufführung be-gonnen hatte, nach Beendigung des Baues bereits fort-gefallen war. 5 )
Vergleichende Betrachtungen über den Werth derverschiedenen damaligen Barackenkonstruktionen
j finden sich hauptsächlich in einem Vortrage Virchow's, 0 )sowie in dem Berichte des General-Lazarethdirektors fürBerlin, Generalarzt der Marine v. Steinberg, 7 ) auf welcheVeröffentlichungen hier in dieser Beziehung um so mehrverwiesen werden kann, als die ganze Frage des Baracken-baues für Kriegszwecke gerade in den letzten Jahren viel-fach in erschöpfender Weise und von wesentlich neuenGesichtspunkten aus erörtert worden ist. 8 )
Ceber die in Baracken erlangten Heilergebnisselauten die Berichte ausnahmslos mehr oder weniger günstig.Nachdem Fischer die oben berührten 1 ') trostlosen hygieni-schen Verhältnisse des Kriegslazareths Forbach geschildert
Ihat, theilt er in seinem Berichte mit, dass durch Anlagevon Baracken und Unterbringung von Pyämischen daselbst
lein Theil derselben noch gerettet wurde. „Es fand sich
Iwohl noch ab und zu ein neuer Fall von Pyämie, dochgehörten diese Vorkommnisse immer zu den Seltenheiten."
|In gleicher Weise verschwand die Pyämie in Anoux la
l ) Vergl. insbesondere I. Band dieses Berichtes, S. 123, 234, 311.8 ) Vergl. ebendaselbst, S. 319 und 330.
3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 66 und 123.
4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 319 (Noisseville).
5 ) Vergl. ebendaselbst, S. 326 (Charleville).'') Virehow, Ueber Lazarethe und Baracken. Berlin 1871.
[(Siehe auch Berliner klinische Wochenschrift. Jahrgang 1871.)
') v. Steinberg, Die Kriegslazarethe und -Baracken von Berlin•liebst einem Vorschlage zur Beform des Hospitalwesens. Berlin 1872.
8 ) Weiteres über Baracken siehe, unter III. B. und C. dieses[Abschnittes. (Lüftung und Heizung.)
9 ) Vergl. S. 63 dieses Bandes.
Sanitäts-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
Orange 1 ) und in Pont ä Mousson, 2 ) nachdem die Ver-wundeten in Baracken untergebracht waren. In den Barackenzu Hannover 3 ) fand epidemisches Auftreten von Wund-krankheiten zu keiner Zeit statt; eingeschleppte Fälle vonHospitalbrand heilten rasch. In den Baracken zu Kassel, 4 )welche abwechselnd geräumt und desinfizirt wurden, kamenWundkrankheiten gar nicht vor: zwei Mann mit Hospital-brand (von denen einer starb) gingen von aussen zu, eineWeiterverbreitung fand jedoch nicht statt. Aehnlich lautendie Nachrichten aus Altona-Hamburg. 5 ) In den Ba-racken zu Frankfurt a. M. 6 ) gehörten Wundkrankheitenzu den grössten Seltenheiten, in gleichem Sinne berichtetOldesloe. 7 ) Aus den Lazarethen in Düsseldorf 8 ) schreibtGraf: „Nicht unerwähnt darf bleiben, dass die Sterblich-keit unter den Operirten, seitdem dieselben fast sämmtlichin Baracken und Zelten behandelt werden, sehr wesentlichabgenommen hat; selbst der Hospitalbrand nahm nunmehreinen sehr günstigen Verlauf." Demselben Beobachter isteine ziffernmässige Gegenüberstellung von Heilergebnissennach grösseren Operationen zu verdanken, je nachdem dieVerwundeten in den zum Lazareth eingerichteten Kasernenoder in Baracken behandelt wurden.
In den Kasernen wurden ausgeführt:
8 Unterbindungen mit 6 Todesfällen8 Resektionen „ 5 „
14 Amputationen ,, 12 ,,
Summa 30 Operationen mit 23 Todesfällen.In den Baracken bezw. Zelten:
5 Unterbindungen mit 3 Todesfällen3 Resektionen „ 0 „
16 Amputationen „ 5 ,,
Summa 24 Operationen mit 8 Todesfällen.Nach Ankunft eines Verwundetentransports in Breslauim September 1870 wird von dorther berichtet, dass dieWunden theilweise von Rose ergriffen waren, welche beieinigen bereits zu ausgedehntem Brande geführt hatte.„Es waren dies Fälle, welche erfahrungsgemäss in denKrankenanstalten zur jauchigen Blutvergiftung führen undtödtlich enden." Dieselben wurden in Breslau der dortigenaptirten Baracke 9 ) zugeführt: bei den meisten waren schonnach einer Woche Rose, Fieber und die „Gasanhäufung'in den Wunden" vorüber; kein einziger von diesen undden übrigen (im Ganzen 292) daselbst behandelten Ver-wundeten starb. Im Laufe des Oktober erhielt dasselbe
!) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 320.
2 ) Vergl. ebendaselbst, S. 320.
3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 337.
4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 338.■') Vergl. ebendaselbst, S. 347.«) Vergl. ebendaselbst, S. 360.
7 ) Vergl. ebendaselbst, S. 360.
8 ) Vergl. ebendaselbst, S. 364.'■>) Vergl. ebendaselbst, 8. 383.