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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil
die Ecken möglichst ab, bestrich die Ränder dick mitKollodium und stopfte unter dieselben einfache, nicht ent-fettete oder in Karbol getauchte Watte, welche die Wund-absonderung nicht aufnahm. Im Bayerischen Aufnahms-Feld-spital No. 8 umrahmte man die Fenster mit Guttapercha-le in ew and oder Streifen von Kautschuk, welche mittelsKollodium oder Chloroform an die Haut angeklebtwurden. Doch verhinderte auch diese Methode nach demBericht des Garnison- und Yereinsspitals Zweibrückennicht immer das Eindringen der Wundflüssigkeit unter denVerband. Im 4. Feldlazareth X. Armeekorps legte manmit Erfolg vor Anlegung des Gypsverbandes um die Schuss-öflhungen einen Ring von Glaserkitt.
Bei den auf die blosse Haut angelegten Gypsverbändenbeobachtete man manchmal ein Ueberquellen der Weich-theile und füllte die Fenster, um den hier mangelndengleichmässigen Druck des Gypsverbandes zu ersetzen, mitBaumwollballen aus, welche durch Binden leicht an-gedrückt wurden.
Um das Schneiden des Gypsverbandes sowohlbeim Anlegen der Fenster, als ganz besonders beim späterenAbnehmen zu erleichtern, befeuchtete man im BayerischenAufnahms-Feldspital No. 1 die Schnittlinie wiederholt mitSalzsäure, während im städtischen Spital Landshut daseinfachere und auch sicherlich unbedenklichere Auflegenvon Leine wandstreifen, die in konzentrirtes Salzwassergetaucht waren, geübt wurde.
Dextrinverbände kamen gegenüber dem Gypsverbandin verschwindend kleiner Zahl zur Verwendung. Die langeZeit bis zum Trockenwerden bezw. die während derselbennöthigen Maassnahmen zur Verhütung der Knochen Verschie-bung beschränkten bei aller Leichtigkeit und Bequemlich-keit für den Verwundeten seine Anwendung auf die Lazaretheim Inlande. Nur von Sanitätsanstalten des III. Armeekorpswird die Anlegung von Dextrinverbänden im Felde erwähnt.
In ähnlicher Weise ist der Wasser glas verband nurim Inlande als zweiter oder dritter Verband bei Schuss-brüchen zur Anwendung gekommen, desgleichen hier undda (namentlich im Barackenlazareth auf dem TempelhoferFelde) der Magnesit-Verband.
Eine ähnlich geringe Bedeutung hatte im Feldzugeder Verband mit Guttapercha, das in den amtlichenAusrüstungen nur in feinst gewalztem Zustande, also alssog. Guttaperchapapier, vorhanden war. Verbände mitGuttapercha in Tafeln wurden im Bayerischen Auf-nahms-Feldspital No. 4 besonders bei Brüchen der Kieferangelegt, im Aufnahms-Feldspital No. 8 auch mit Erfolgbei einem Bruche beider Vorderarmknochen im oberenDrittel.
Rückblick.
Ueberblickt man den Weg, welchen der Soldat von.Augenblick seiner Verwundung bis zu seiner Aufnahme iidasjenige, meist im Inlande gelegene Lazareth zurückzulegerhatte, in welchem seine endgiltige Heilung erfolgte, uzerfällt derselbe in mehrere Abschnitte, in denen die Mög-lichkeit der Anwendung feststellender Verbände eine ver-schiedene war.
Für den ersten, auf dem Schlachtfelde selbst fürden Transport nach dem Hauptverbandplatz anzulegendenVerband standen Pappbogen, Fusssohlenbretter, Schuster-span, Siebdraht- und Englische Schienen, ferner Mitellendreieckige Tücher und vier- bis achteilige Binden zur Ver-fügung. Ausserdem wurden je nach Bedarf Nothschienenaus Säbel, Scheide, Gewehr, Lanzen u. s. w. hergestellt.auch die feste Lagerung des verletzten Gliedes durch Unterschieben des Tornisters, des Mantels oder Festbinden ai.die gesunde Gliedmaasse gesichert.
Für den Transport in die Feldlazarethc wurden auiden Hauptverbandplätzen Schienen von Holz, Blech, Sieb-Idraht, Drahtgamaschen und Drahthosen angelegt, auch viel Ifach Strohschienen in Gebrauch gezogen.
Im Allgemeinen ging man von der gewiss richtige!Ansicht aus, dass gerade bei schweren Verletzungen deijersten Hilfe kaum eine andere Aufgabe zufalle, als dieKranken in der ersten Zeit nach der Verwundung translportfähig zu machen. Die Sanitäts-Detachenients und -Komipagnien, bestimmt, den Truppen schnell zu folgen, musstenjbei dem Andränge von Verwundeten darauf bedacht sein.möglichst wenig zeitraubende Verbände anzulegen, unclverwendeten zu diesem Zwecke in reichstem MaassJSchienenverbände aller Art, beschränkten sich auch iJleichteren Fällen darauf, die Notverbände durch Anlegungeiner Zirkelbinde zu verstärken. Ausser der schnelleilAnlegung wurde an den Schienenverbänden noch der andenlVorzug gewürdigt, dass sie leicht einen Einblick gestattet!im Fall eintretender Schwellung selbst von verständiget!Wärtern abgeändert werden können und dadurch dielGefahr schädlicher Einschnürung bei Verschiebungen injAllgemeinen ausschliessen.
Gypsverbände sind für den ersten Transport nur itlverhältnissmässig geringer Zahl, dagegen sehr ausgiebigl(als fast ausschliesslicher Transportverband) zur Rückjwärtsbeförderung aus den Feldlazarethen verwendeworden.
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