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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

einen Gypsverband in leicht spitzwinkliger Beugung mitder Weisung, dass der Verband nach vollendetem Transportabgenommen werden müsse, wozu er den später behandeln-den Arzt veranlassen solle. Trotzdem blieb der Verbandsechs Wochen liegen: es entstand eine Beugekontrakturund trotz nicht ankylosirten Gelenkes nur geringe Brauch-barkeit.

In Betreff der Zeit der Anlegung des Gyps-verbandes war man im Allgemeinen (namentlich sofernnicht die Notwendigkeit eines Transportes vorlag) derAnsicht, dass er erst ohne Schaden oder wenigstens ohneGefahr unter den Verhältnissen des Krieges angewendetwerden könne, nachdem die entzündliche Schwellung derWeichtheile abgenommen habe, also beim Oberschenkelerst etwa in der zweiten Woche. Sobald erneute Ent-zündungserscheinungen auftraten, wurde sofort der Verbandabgenommen, und, um den Zeitpunkt richtig zu erkennen,fleissige Temperaturmessung bei allen im GypsverbandeLiegenden angerathen. Wenig zahlreich sind die Em-pfehlungen, den Gypsverband noch vor Beginn derSchwellung anzulegen. Doch wollte man hierbei imBayerischen Feldspital No. 2 einen besonders günstigenEinfluss der Feststellung und des gelinden Druckes auf dieentzündliche Reaktion bemerken. Auch das KriegslazarethForbach empfahl bei Schussbrüchen des Oberschenkelsdie möglichst frühzeitige Anlegung des Gypsverbandes,allerdings mit steter Erneuerung, sobald die Umstände eserheischten. Vom 1. Armeekorps sind vor Metz am31. August und 1. September schon auf dem SchlachtfeldeGypsverbande nicht bloss als Transport-, sondern alsendgiltige Verbände angelegt worden.

Von gebranntem Gyps führte bei der PreussischenArmee jede Batterie und Pionier-Kompagnie 1200 g, einBataillon oder Kavallerie-Regiment 4000 g, das Sanitäts-detachement 46 Pfd., das Feldlazareth 116 Pfd. mit sich.Aehnliche Mengen waren in der Ausrüstung der Bayeri-schen Formationen vorgesehen. Im Ganzen sind von derMilitär - Medizinal - Abtheilung des Preussischen Kriegs-Ministeriums über 400 Ctr. gebrannten Gypses zur Ver-wendung im Felde beschafft worden.') Die Mitführunggeschah in blechernen Kästen, in denen sich der Gypsmeistenstheils gut hielt. Nur selten war er in Folgelangen Transports feucht und dann natürlich unbrauchbar.Nicht bewährt hat sich die Nachsendung von Gyps inHolzkisten, in denen er feucht und grobkörnig wurde.Allerdings reichte ein Glühen solchen Gypses in einer be-liebigen eisernen Pfanne häufig aus, denselben wieder ver-wendbar zu machen.

Die Formen, in welchen der Gypsverband im Feldzugeangelegt wurde, waren äusserst mannigfaltige.

Als einfachste Form sind die Gypslonguetten undGypsschienen zu erwähnen. Gaze- oder Leinewand-

!) Vergl. die Beilagen im I. Baude dieses Berichtes.

streifen wurden mit dickem Gypsbrei getränkt, häufig nochdurch eingelegte Streifen von Pappe oder Schusterspanverstärkt und nun einfach oder mehrfach der Länge nach'mit Vermeidung der Wundöffnungen mittels Tücher oderBinden an dem verletzten Gliede befestigt. Das hierbeiso leicht möglich bleibende Anlegen und Abnehmen beidennoch unverrückbar sicherer Feststellung der Bruchendenund Dauerhaftigkeit der Schienen, die Möglichkeit, jederzeitmit geringer Mühe die Wundverhältnisse besichtigen zukönnen, vor Allem die Leichtigkeit, mit der dieser einmalgut angelegte Verband den verschiedenen Schwellung«-zuständen der Weichtheile angepasst werden konnte, gabenzu begeisterten Lobreden Veranlassung. Im BayerischenAufnahms-Feldspital No. 8 fand ein UnteroffizierBayerischen 9. Infanterie-Regiments Aufnahme, welchereinen komplizirten Bruch des rechten Unterschenkels dicht Ioberhalb der Knöchel erlitten hatte. In einem Gyps-slonguetten-Verbände wurde er von Paris bis Landau trans-jportirt und in 5 Wochen in demselben Verbände geheilt. ImVereinslazareth Kaiserslautern legte man unter die Gyps-llonguetten Guttapercha-Papier und konnte in solchen Ver-bänden die Kranken sogar mehrere Tage baden, ehe der!Verband erneuert werden musste.

Weiter wurden aus ähnlichem Material mehr oder Iweniger breit geformte Rinnen in Gebrauch gezogen. Injeinigen Fällen von Oberschenkel- Schussbrüchen wendetePort einen grossen Rinnenverband an, der beide Unter- 1Schenkel sammt dem Becken des Verletzten unischlos.Als Vorzüge dieser Verbandart hebt er hervor, dass sieldas Heben der Verwundeten zu einer sehr einfachen Opelration mache, dass sie ferner in kürzester Zeit auszuführenund eben so leicht wieder abzunehmen sei.

Eines etwas umständlicheren Verfahrens zur Herstellunggut sitzender Rinnen oder Schalen bediente man sich im.Bayerischen Aufnahms-Feldspital No. 4. Hier wurdaGypsverbande um die entsprechende Gliedmaasse eine:]Gesunden geformt, nach dem Erhärten in eine obere und!untere Hälfte zertheilt und dann mit Watte gepolstert der.Verwundeten angelegt.

Eine weitere Entwicklung der Schalenverbände stellei|die von Port 1866 angegebenen, zum Auseinanderklappe)eingerichteten zwei- und dreischaligen Gypsverbände|dar, welche von den Bayerischen Sanitäts-Anstalten inlVorrath mitgeführt wurden. Die Urtheile über dieselbe«lauten meist günstig. Die Reinlichkeit, die schnellt!schmerzlose Entfernung und Uebersicht über die Wuncklund die Gliedmaasse bei dem leichten Oeffnen der Schalen!und die trotzdem gute Feststellung der gebrochener!Knochenenden gaben zu reichlicher Verwendung derselberlVeranlassung. Besonders geschätzt waren sie zum Transportiin den ersten Tagen nach der Verletzung, in denenSchussbruch noch der fortwährenden Ueberwachung Iredurfte. Nur wenige Bedenken wurden dagegen geltenögemacht. Insbesondere fand man, dass die Port'sclial

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