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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgera. Theil. ' II. Abschnitt: Behandlung der Wunden, insbesondere der Schusswunden, im Allgemeinen.

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grosser

sonders schmerzhaften Krankenlager nicht die Eede seini konnte.')

Gegen Zustände von Hyperästhesie und Schlaflosigkeitwurde auch Cbloralhydrat gereicht. Die Berichte sprechensich auffallenderweise nicht sehr günstig über die Wirk-samkeit dieses Mittels aus. Vielleicht verwendete mau zukleine Gaben. 2 )

An dieser Stelle sei auch das über den Gebrauchdes Chloroforms Mitzutheilende eingereiht. Bei allengrösseren. Operationen, bei länger dauernden schmerzhaftenUntersuchungen der Wunden, häufig auch bei mit Schmerzverbundenem Verbandwechsel wurde überall das Chloroformals Betäubungsmittel angewendet. Die Anzahl der statt-gefundenen Narkosen ist nicht festzustellen; sie muss aber,wie schon aus den Operationstabellen zu schliessen ist,eine ganz ungeheure gewesen sein. Um so erfreulicher istdie Thatsache, dass Klagen über durch Chloroform hervor-gerufene üble Zufälle oder gar Todesfälle selten sind.

Chenu erzählt in der Vorrede zu seinem Apercu, dassihm sehr auffallend gewesen sei, wie leicht ganz allgemeindie Betäubung bei den Französischen Verwundeten erfolgte;im Grossen und Ganzen kann das von den DeutschenSoldaten ebenfalls behauptet werden. Auch in den Frieden s-Militärlazarethen tritt die Betäubung im Allgemeinen schnellund mit dauerhafter Wirkung ein, wesentlich rascher undleichter als in den chirurgischen Kliniken. Das verhältniss-mässig jugendliche Alter der Soldaten, nicht minder derUmstand, dass ihre Konstitution nicht durch langjährigenAlkoholmiss brauch verdorben ist, lassen die Thatsache nichtauffallend erscheinen. Von Interesse sind die Beobachtungenüber das schnelle Eintreten der Betäubung bei den nichtWein trinkenden Muselmännern, die in Deutschen Lazarethenverpflegt wurden. Bei einem Solchen stellte sich schon nachacht Athemzügen ein tiefer langdauernder Schlaf ein.

Namentlich unter einer Bedingung wird indess dieChloroformbetäubung auch dem jungen Soldaten gefährlich:wenn derselben starker Blutverlust voraufgegangen ist. Ineiner Anzahl solcher Fälle sind die Verwundeten, ohnedass der Eingriff ein langdauernder oder besonders blutigerwar, unmittelbar nach der Operation gestorben. Wenn auchdiese Fälle nicht als eigentliche Chloroformtodesfälle an-gesehen werden können, muss man das Chloroform neben derBlutleere doch als mitwirkende Todesursache ansehen.Eilert berichtet von einem solchen Vorkommniss auseinem Lazarethe des T. Armeekorps. Der Verwundetehatte aus der durch Schuss verletzten vorderen Schienbein-Schlagader viel Blut verloren und wurde in anämischem

J ) Aehnliche Verhältnisse bestanden übrigens schon im Feldzugevon 1866 namentlich in denjenigen Lazarethen, welche vorwiegendItalienische Verwundete verpflegten.

2 ) Betreffs der Anwendung dieses Mittels bei Wundstarrkrampfsiehe das V. Kapitel im VII. Bande dieses Berichtes.

Zustande am Unterschenkel amputirt. Obwohl derselbe beider Operation nur etwa 60 Gramm Blut verlor, erwachte ernicht wieder aus der Betäubung und starb beim Transportzu seinem Lager. Die Leichenöffnung ergab Verfettungder Herzmuskulatur.

Noch gefährlicher wird die Chloroformbetäubung, wennnach erschöpfendem Blutverluste hohe Oberschenkel-Ampu-tation oder Absetzung im Hüftgelenk, also eine schon anund für sich auf den Gesammtorganismus mächtig ein-wirkende Operation stattfindet. Busch vollzog im 11. Feld-lazareth VIII. Armeekorps eine Auslösung im Hüftgelenkwegen schwerer, durch Granatschuss hervorgerufener Zer-malmung des linken Oberschenkels bei einem durch Blut-verlust erschöpften Manne. Schon während der Operationerfolgte der Tod.

Auch ohne dass hochgradiger Blutverlust stattgefundenhatte, traten nach Beobachtungen anderer Berichterstatterbei den beiden letztgenannten eingreifenden Operationenab und zu während der Betäubung gefährliche, das Lebenbedrohende Zustände ein. Mac Cormac erwähnt einerAuslösung im Hüftgelenke mit schnell tödtlichem Ausgange.Ich glaube, das Chloroform hatte grossen Antheil daran.Bei keiner Operation vielleicht muss man mit dem Chloro-form so vorsichtig umgehen, wie bei der Ex,articulatiofemoris." Diese Thatsache ist auch den Friedenschirurgennicht unbekannt. Das 2. Feldlazareth XIII. Armeekorpsberichtet von einer Amputation am Oberschenkel, bei welcherder tödtliche Ausgangwahrscheinlich" durch das Chloroformveranlasst gewesen sei, welches in chronischer Weise (?) ver-derblich gewirkt haben soll. Nähere Angaben über diesenFall enthält der betreffende Bericht leider nicht. Im Kriegs-lazareth Teterchen gelang es nur mit Mühe, einen Ver-wundeten, bei welchem in der Chloroformbetäubung einehohe Oberschenkel-Amputation ausgeführt war, ins Lebenzurückzubringen.

Von wirklichen Chloroformtodesfällen imGegensatze zu den vorerwähnten, bei welchen das Chloro-form nur als mitwirkend angesehen werden kann sind dreibekannt geworden: einer aus dem Reservelazareth Braun-schweig, zwei aus dem Barackenlazareth auf dem Tempel-hofer Felde bei Berlin.

I. Der Gefreite G. hatte am 1. September 1870 einenFleischschuss in den linken Oberschenkel erhalten, ward am16. September in das Reservelazareth Braunschweig auf-genommen und solltewegen übler Beschaffenheit der hinterenSchussöffnung" am 27. September kauterisirt werden. ZumChloroformiren des G.genügten etwa 2 bis 3 Theelöffel vollauf eine dünne Kompresse gegossen, die unter die Nase gehaltenwurde, während man den Mund frei und offen Hess". In173 Minuten war die Muskulatur erschlafft, die Kompresseward entfernt. Puls und Athmung gingen regelmässig vonstatten. Während man nun mit Abtragung des unterhöhltenHautrandes der Wunde begann, zeigte der Kranke Schaum vorden Lippen, der Puls wurde schwach, die Athmung seltener;während der sofort ausgeführten Kauterisation blieb der Zustandderselbe. Der Puls war kurz darauf nicht mehr zu fühlen,