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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Theil. II. Abschnitt: Behandlung der Wunden, insbesondere der Sehusswunden, im Allgemeinen.

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deckender, welcher die Wunde einerseits vor schädlichenI Einflüssen sichert, andererseits dem verletzten KörpertheileI eine ruhige Lage ermöglicht. Zuerst wird auf die WundeI geordnete oder geschabte, in reines Wasser oder Olivenölgetauchte Charpie gelegt, mitunter auch Gittercharpie, umJ beim Abnehmen des Verbandes die Wunde nicht durch dasI Abreissen der einzelnen Charpiefäden zu reizen; darüberI kommt dann in entsprechender Menge Charpie, Watte oderI Baumwolle, eine Kompresse, Guttaperchapapier, und dasI Ganze wird dann, je nachdem, mit einem Bindestreifen, einemI dreieckigen Tuch oder einer Binde befestigt. Als Haupt-! grundsatz habe ich stets die peinlichste Reinlichkeit und dieI grösste Buhe festgehalten, weshalb gründliche Reinigungder Wunde und ihrer Umgebung, sowie Anwendung von\ nur ganz reinen Yerbandstücken angestrebt wurde. In FolgeI dessen ist es mir auch gelungen, mit dieser Verbandmethode Erfolge zu erringen, die heutzutage als alleinige Eirungen-[ schaft der antiseptischen Verbandmethode gerühmt werden.I Zur Feststellung oder auch zum besseren Schutze, bezw. imWinter zum Warmhalten eines verletzten Körpertheils,wendete ich stets die von mir erfundenen Strohschienenan. Dieselben haben ausser dem Vorzuge der Billigkeit undleichter Herstellbarkeit auch alle Eigenschaften, die manvon einem guten Schienenmaterial erwarten kann. Sie sindI trotz ihrer Leichtigkeit, Biegsamkeit und Elastizität voll-kommen fest genug, leicht und bequem anzulegen und ab-nehmbar, und dabei durchlässig, so dass man eine etwaeintretende Blutung oder Ansammlung von Wundflüssigkeitauch bei angelegter Schiene wahrzunehmen im Stande ist."Entfettete Watte, auch Lint, stand sowohl trocken,als mit Karbolsäure befeuchtet, im Gebrauch. Man lobtedie Wirksamkeit der Watte, fand, dass unter ihrem GebrauchInfektionskrankheiten sich weniger einstellen und dass sie,selbst bei scheinbar ungünstig liegenden Wundverhäl^issen,von vortrefflicher Wirkung war. Im Lazareth Hammwurden nach dortigem Bericht durch Watteverbandmehreren Verwundeten,bei denen die Amputation an-gezeigt war", die gefährdeten Glieder erhalten.

Oakum (Präparat aus zerfaserten, alten, stark ge-theerten Schiffstauen) hatte die Anglo - AmerikanischeGesellschaft in Orleans zur Verfügung gestellt; seineVerwendung soll vornehmlich bei stark eiternden Wundensehr nutzbringend gewesen sein. Eine gewisse anti-septische Kraft wohnt dem genannten Präparat zweifellosinne.

Zur Befestigung der genannten Verbandstücke dientevor Allem eine Rollbinde aus Leinwand, seltener ausFlanell oder Gaze, oft auch das dreieckige Tuch.

Die Leinwandbinden wurden seitens des Unterpersonalsnicht selten zu fest angelegt. Bardeleben machte nachder Schlacht bei Spicheren die Beobachtung, dass die ver-fetzten Gliedmaassen von den angelegten Verbänden, welchesämmtlich mit leinenen Rollbinden ausgeführt waren, beiWeitem zu fest umschnürt wurden. Der genannte Chirurg

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.

schreibt in einem Berichte an die Militär-Medizinal-Abthei-lung:Ich habe Hunderte von Verbänden theils abnehmen,theils lockern lassen, welche bei einem längeren Transporte(wie ganz allgemein vorauszusetzen war) unzweifelhaft sonstzum Brande Veranlassung gegeben hätten. Dieselbe Beob-achtung habe ich später nach der Schlacht bei Gravelottein Ars sur Moselle wieder gemacht. Es wäre gewissempfehlenswerth, die Rollbinden lieber durch Verband-tücher zu ersetzen, welche einerseits nicht leicht so festangelegt und andererseits von Laien leichter gelockertwerden können. Zu fest angelegte Verbände sind auch beiden mit Sanitätszügen ankommenden Verwundeten in demBarackenlazareth Berlin beobachtet worden."

In den meisten Lazarethen wurde auch in den späterenZeiten des Wundverlaufs bezüglich der Wundbedeckung inder geschilderten Weise verfahren; eine Reihe von Aerztenging indess im Beginne der Reaktionsperiode zur Eis-behandlung über, andere zogen Priessnitz'sche Umschlägevor, die sich namentlich in den Lazarethen des XI. Armee-korps grosser Beliebtheit erfreuten; manche meinten, vonUmschlägen mit Chamillenthee und Bleiwasser guteErfolge zu sehen. In Ems wurde das dortige Thermal-wasser äusserer Anwendung dienstbar gemacht, und diebehandelnden Aerzte glaubten dabei wahrzunehmen, dassWunden mit schlechter Absonderung sich rascher besserten,als nach Gebrauch von gewöhnlichem Wasser. DieUrsache dieser W'irkung schrieb man dem kohlensaurenNatron, noch mehr dem kohlensauren Kalk zu. Von andererSeite wurden Umschläge mit Wittekinder Wasserals besonders erfolgreich bei Iniiltrationszuständen und be-ginnender Kallusbildung gepriesen. Die alten, ehedembei Aerzten und Laien in gutem Rufe stehenden Brei-umschläge kamen auch noch zur Anwendung beient-zündlicher Reizung der Wunde" oder beisehr geschwollenerund schmerzhafter Umgebung der Schusswunde", vornehmlichaber um die Abstossung brandiger Theile bei Hospital-brand zu fördern; von ganz besonderem Werthe solltenfür diesen Zweck die Kataplasmen von Flachssamenmehlsein. 1 ) Bei jauchenden Wunden brauchte man vielfacharomatische Fomentationen;um die Kugel zu lockern"Rust'sche Fomente;Umstimmung der Wunddiphtherie"suchte man gleichfalls durch warme Breiumschläge nebeninnerlicher Darreichung von Spir. ferri chlor, aether.herbeizuführen.

Pflaster gebrauchte man nur in einer verschwindendkleinen Anzahl von Fällen, fast ausschliesslich zur Erzielungeiner prima intentio, oder um angelegte Nähte zu stützen.Im Johanniterlazareth zu Potsdam behandelte man einefrische GranatschussVerletzung (12 cm lang, 10 cm breitund l 1 /« cm tief) mit breiten, dachziegelförmig sich deckenden

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] ) Die "VVerthschätzung der Kataplasmen hatte auch äusserlichdarin Ausdruck gefunden, dass besondere Vorrichtungen zur Her-stellung derselben im Etat der Lazarethe vorgesehen waren. (Vergl.Beilage 26 [unter III No 30] und 39 zum I. Bande dieses Berichtes.)

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