Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Allgem. Theil.

Seit«nominellenjungen . 131*

>setzungeiicht . .132*

isetzungen

.... 133*neu Glied-n . . . 134*Deutschennominellenüelenkaus-ken bezw.

.... 141*)rtscliat'ten

.... 142*jrwundetenirschenkel-der Gegend

die Ver-

.... 146*letzungeu . 147*issägungen 148*

grösserenLgungen . 149*e an Vcr-üontingenteionen und

.... 154*e grösserenngen . . 155*

grössererAusführunglen tödtlich.... 162*

Jimng . . 171*dem Jahr.... 174*

eite Abtheilung):;ichen des Ober-

is (aus dem Feld-relieiltes Geschoss

Erstes Kapitel.

Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-FranzösischenKrieges; damit zusammenhängende Deutungen, Beobachtungen und

Maassnahmen.

Erster Abschnitt.Ansichten und Beobachtungen über die Art der Geschosswirkung. 1}

I. Chassepot- und Zündnadelgeschoss.

A. Ueber Sprengwirkung (hydraulischePressung).

Obwohl bereits vor dem Feldzuge 1870/71 über dieunter gewissen Bedingungen explosionsartig auftretendeWirkung des Geschosses des Chassepotgewehres, welches,wenigstens in der ersten Periode des Krieges, seitensder Französischen Infanterie fast ausnahmslos benutzt wurde,einzelne, allerdings unvollkommene Untersuchungen Sach-verständiger stattgefunden hatten, so waren dieselben dochkeineswegs unter den Deutschen Feldärzten allgemein be-kannt, noch überhaupt genügend beachtet worden. Vordem des Zündnadelgewehrs durch ein kleineres Kaliberausgezeichnet 2 ), besass das Chassepotgeschoss eine ver-hältnissmässig bedeutende Pulverladung und erhielt hier-durch eine sehr grosse Anfangsgeschwindigkeit, welche sicherst spät merklich verringerte. Auf Grund dieser Eigen-schaften setzte man damals fast durchweg als Wirkung desFranzösischen Langbleis kleine Ein- und Ausgangsöffnungund engen Schusskanal stillschweigend voraus.

Diese Annahme traf auch bei der Mehrzahl der Ver-wundungen zu, doch fanden sich schon auf den erstenSchlachtfeldern so zahlreiche Ausnahmen, in welchen durch

!) Eine gedrängte Darstellung der nach dem Deutsch - Fran-zösischen Kriege bis zum Jahre 1884 theils zu allgemeiner Anerkennunggelangten, theils zur Erörterung gestellten Anschauungen über dieseFrage befindet sich im IV. Bande dieses Berichtes.

2 ) Vergl. hierzu und zu dem Folgenden Tabelle I auf S. 46des IV. Bandes dieses Berichtes.

Sanitats-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.

das Chassepotgeschoss ganz andersartige und der Erwartungwidersprechende Verletzungen gesetzt waren, dass selbstbei den erfahrensten Kriegschirurgen allerlei Bedenkenüber das von Französischer Seite benutzte Ladungsmaterialentstanden. Da sah man, entgegen der bis dahin gültigenBlandin'schen Lehre, dass die Eingangsöffnung einesGeschosses grösser als seine Ausgangsöffnung sei, letzteredie erstere oft um ein Vielfaches übertreffen, ohnedass Zerreissung der die Ausgangswunde umgebenden Hautdurch mitgeschleuderte Knochensplitter oder Fremdkörperimmer dafür verantwortlich zu machen war. Man fanddas Muskelgewebe um die Schusskanäle in eine breiartigeMasse verwandelt, die Knochen zu Gries zermalmt, dieRänder der Ausgangsöffnung aufweite Strecken eingekerbtund zerfetzt, und nicht nur aus ihr, sondern sogar ausder Eingangsöffnung zerrissenes Gewebe hängen.

Ziemlich zahlreiche Beobachtungen über die für ab-sonderlich gehaltene Beschaffenheit der Ausgangsöffnungdes Chassepotgeschosses, vor Allem ihre ungewöhnlicheGrösse, welche beispielsweise bei W. (Spez. Th., S. 960,No. 243) mit einem Handteller verglichen wird, sind imSpeziellen Theil dieses Bandes niedergelegt.') Meist freilichwird nur der Sitz des Ausganges beschrieben, ohne dasssein Aussehen und das der Wunde überhaupt Berück-

i) Siehe daselbst z. B. auf S. 856 No. 67, S. 859 No. 79, S. 862No. 93, S. 868 No. 121, S. 885 No. 202, S. 888 No. 211, S. 895No. 244, S. 897 No. 259, S. 898 No. 261, S. 940 No. 108, S. 945No. 141, S. 954 No. 202, S. 956 No. 213, S. 1051 No. 196, S. 1152No. 90, S. 1192 No. 248.