Vorwort
zum Allgemeinen Theil des dritten Bandes.
Dem Allgemeinen Tlieile des dritten Bandes fiel zunächst die Aufgabe zu, nicht nur das im SpeziellenTheile dieses Bandes, sondern auch das im vierten und fünften Bande niedergelegte kriegschirurgische Materialzusammenzufassen, von allgemeineren Gesichtspunkten aus zu erläutern und die weitere Benutzung desselbendurch entsprechende Hinweise zu erleichtern. Des Weiteren handelte es sich darum, zahlreiche in den Kriegs-akten befindliche Mittheilungen der Feldärzte zu verwerthen, welche wegen ihres allgemeineren Charakters oderwegen des Mangels genügender Personalangaben 1 ) sich zur Aufnahme in den Speziellen Theil nicht eigneten.Diese Ziele waren namentlich bei Bearbeitung des ersten Abschnitts des ersten Kapitels (Art der Geschoss-wirkung) sowie bei derjenigen des zweiten und dritten Kapitels (Wundkrankheiten und GrössereOperationen) beständig mit im Auge zu behalten.
Zur Beurtheilung der in einem Kriege erreichten Heilerfolge aber gehört ausser der Kenntniss derKriegsbegebenheiten und des Kriegsschauplatzes, der Art der gebrauchten Waffen, der sanitären Ausrüstungund der gesundheitlichen Verhältnisse bei den Truppen wesentlich auch das Verständniss der Grundsätze, Avelchedas Handeln der Feldärzte bestimmten. Ein solches Verständniss hinsichtlich des im Deutsch - FranzösischenKriege bei der Wundbehandlung eingeschlagenen Verfahrens kann bereits heut bei der Mehrzahl der jüngerenAerzte kaum mehr vorausgesetzt werden, nachdem die bahnbrechenden Entdeckungen während der beiden seitdem Kriege 1870/71 verflossenen Jahrzehnte einen vollständigeren Bruch mit den gesammten damaligenAnschauungen hervorgerufen haben, als die Geschichte der Medizin, insbesondere der Chirurgie, jemals in sokurzem Zeitraum zu verzeichnen gehabt hat. Eine natürliche Folge davon ist es, dass das chirurgische Handelnwährend des Krieges 1870/71 und die damals erlangten Ergebnisse lediglich auf geschichtlicher Grundlage zuwürdigen sind und von einem nur noch künstlich wieder zu gewinnenden Standpunkte aus beurtheilt werdenmüssen. Nachdem die übrigen, oben erwähnten Umstände, deren Kenntniss als zur Beurtheilung der Heil-erfolge nothwendig bezeichnet wurde, in anderen Bänden dieses Berichtes ausführliche Darstellung gefundenhaben, musste es aus den angedeuteten Gründen unerlässlich erscheinen, die gesammten damaligen kriegs-chirurgischen Anschauungen, namentlich aber die damalige Wundbehandlung und die damalige Handhabungder Lazarethhygiene einigermaassen ausführlich darzustellen (zweiter und dritter Abschnitt des erstenKapitels). In unmittelbarem innerem Zusammenhange mit beiden eben genannten Gegenständen steht dieHandhabung des Verwundeten-Transportes (Evakuation), welcher um so mehr zu einer Betrachtung aufGrund des Gesammtmaterials herausforderte (vierter Abschnitt des ersten Kapitels), als in Bezug auf ihn bisin die neueste Zeit hinein die widersprechendsten Urtheile auf Grund persönlicher Eindrücke laut geworden sind.Im Uebrigen enthalten die den einzelnen Kapiteln und Abschnitten vorangeschickten Vorbemerkungen genauereAufschlüsse über die jeweiligen Ziele, welchen die Darstellung zustrebt.
J ) Vergl. hierzu das Vorwort zum V. Bande dieses Berichtes.