( 200 )C.Gedencke / daß du ein Mensch bist.S ist kein Ding einem Christen=Menschen nöthig= und nütz-licher / als die Selbst-Erkäntnis. Denn wenn er sich ken-Onet / wird er nicht stoltz seyn / weil er siehet / daß er Staubund Asche. Er wird nicht hochachten / was in der Welt ist / weil ermercket / daß er solches aufs schleunigste verlassen muß. Dieses sichallezeit vor Augen stellen, ist das beste Mittel wider die Unachtsam-keit und Nachlässigkeit in seiner Pflicht / und wer es in Acht nimmt /wird sein Leben geruhig durchbringen / erkennende / daß er das zu-stossende Elend verdienet / und derowegen mit Gedult tragen müsse /auch wird ihn das Glücke nicht zu sehr erheben / weil er bekennenmuß / daß es ihme ohne sein Verdienst zukomme. Diese Erkänt-niß haben die Alten / ob sie gleich des wahren Glaubens gemangelt /zu Erhaltung der Tugend so nöthig gehalten / daß von dem grossenPhilippo / Könige in Macedonien / erzehlet wird / nachdeme er in derSchlacht bey Cheromea die Athenienser überwunden / habe er sei-nen Dienern / damit er sich dieses Ruhmes nicht zu sehr überhübe / be-fohlen / daß sie alle Morgen/ wann sie ihn aufweckten / vor allen Din-gen ihme diese Worte vorhalten sollten: Stehe auf König / und ge-dencke daß du ein Mensch bist. Gewißlich eine merckwürdigeSache. Und das ists / was mit diesem letzten Sinnbilde und derbeygeschriebenen Erinnerung: Gedencke / daß du ein Menschbiſt / entworffen wird.
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