( 190)XCV.Was hoch ist / fällt desto höher.S ist allen Sterblichen gemein und gebräuchlich / dahin sichbemühen und sorgen / wie sie zu den höchsten Stande gelan-GEgen mögen. Zu welchem ihr Verlangen sie führet undverleitet / daß sie nirgend als hierinnen ruhen können / und daselbst dashöchste Gut zu finden vermeynen. Weil aber die menschlichen Ver-langen und Wünsche meistentheils so eitel und leichte sind / so geschie-het selten / daß sie desselben habhafft werden. Und gesetzt / daß einerdiesen Gipfel erreicht / wie leichte kan er davon herunter gestürzt wer-den / denn je grösser der Stand / ie grössere Gefahr pflegt daher zuentstehen. Welches mit dem Sinnbilde eines Thurmes / den dasWetter trifft / und des Horatii Verschen / Was hoch ist / fälltdesto höher / dabey bemercket wird. Ist derowegen sicherer undNutzbarer / daß ein jeder mit seinem Stande vergnügt / darinnen /wo er gebohren / verbleibet / weil einen solchen jedermann loben wirdals einen der seine Pflicht wol verstehet er aber wird sein Leben ingewisserer Ruhe und mit mehrer Wollust zubringen.dann in Wett, wenn man sich nach.....1
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