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Johannes de Boria Moralische Sinn-Bilder
Entstehung
Seite
62
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( 62 )XXXI.Die nicht freye Freyheit.Jchts wird in der Menschlichen Gesellschafft höher gehalten /als die insgemein so genannte Freyheit. Welches man ausder Grösse des Lösegeldes / so diejenigen / die solche verlohren /Azahlen müssen / und der Mühe / so die Gefangnen / die alte Freyheitwieder zu erlangen / gerne ausstehen / abnehmen kan. Sintemahl nundiese / obwohl scheinbare Freyheit so hoch und zwar billig geachtet wird /wie viel höher ist die wahre Freyheit zu schätzen / die allein darinnen be-stehet / daß man den Lastern nicht dienet / und die uns von der Dienst-barkeit und Elende auch alleine befreyen kan. Alles Lasterhaffte hatso viel Böses in sich / als groß die Laster sind / die es heget. Derowe-gen mögen die jenigen zusehen / die sich vor frey halten / ob sie es in derWarheit seyn / und wofern sie die Sache recht ansehen wollen / werdensie befinden / man müsse nicht allein Acht haben / daß man nicht vonden Lastern gefangen gehalten werde / sondern auch die Gelegenheiten /wiederum in ihre Dienste zu fallen / vermeiden / und sich bemühen / daßman sich gantz und gar von Ihnen ausfäßle. Denn wie der Hund-der die Kette / damit er angemacht war / noch nachschleppet / sich nichtvor frey halten kan / weil er / auch wenn er fleucht / die Gelegenheit Jhnaufzufangen / bey sich träget / also ist der nicht frey / so der Gelegenheitin die Laster wiederum zurücke zu fallen / noch nicht loßgeworden.Wer weisen wil / wie gefährlich die Gelegenheit seine Freyheit zu ver-liehren sey/ kan es durch dieses Sinnbild des Hundes / der die Kettenach sich schleppet / und die Uberschrifft / die nicht freye Freyheit /vorstellen / weil dergleichen Freyheit so beschaffen ist / daß Ihme dieGelegenheit / in die Gefangenschafft leichtlich wieder zugerathen / aufdem Fuße folget.