35( 38 955XIX.Das kurtze Leben.S braucht nicht viel Beweißthümer / darzuthun / daß dis Le-ben kurtz sey / weil es allen bekannt; und so ja welche seynmöchten / die den Muth nicht sincken lassen / und des Elen-des wegen / ihr Ende wüntschen; oder so andre vollkommenere / dieauf die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens bauen / dieses Zeitlicheund vergängliche Leben / so wie es geht / zu überstehen entschloßen;So scheinet doch den andern allen dieses Leben so kurtz/ das viele ge-sagt / es sey nicht länger als eine Spanne / mit einer so kleinen Maaß /es seiner Kürtze wegen vergleichende / welches auch mit diesen Sinn-bilde / darinnen eine ausgestreckte Hand eine Spanne abmißt / undder Uberschrifft / das kurtze Leben / abgebildet wird. Und wannwir dergestalt solches noch ferner erwegen / so sehen wir / daß das meisteTheil der Menschen stirbt, eh es anfängt zu leben, oder das Leben,wie sie hoffen und verlangen zu gewünschten Ende bringen können /von denen man billig sagen kann, das Leben verlasse sie, eh sie es an-fangen / welche Ursache uns billig aufmuntern soll / behutsamer zuleben.
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