( 30)XV.Die eitle Hoffnung.Loß dem Menschen hat GOtt aus sonderbahrer Wohlthatdie Hoffnung / zu einem Mittel und Troste der Arbeit undMühseeligkeiten / damit er die gantze Lebens=Zeit gedrücketOwird / gegeben. Denn die Engel haben keine Hoffnung / sondernden Genuß / die Teufel können auch nicht weniger Straffe hoffen /als sie leiden. Die Menschen allein / so lange sie leben / hoffen undnahen sich damit der Genießung ihres letzten Zwecks und höchsten Gu-tes welches GOtt ist. So lange biß sie dieses erlangen / unterhält siedie Hoffnung durch welche sie leben. Welche machet / daß ihnen dieBeschwerligkeiten / mit denen sie hier sich überwerffen müssen / süßevorkommen / die Last / die sie tragen leichte; und daß sie die mühsee-ligkeiten und Elende dieses Lebens leichtlich überstehen / weil Siedie feste Hoffnung haben / daß sie an Statt und zur Belohnung die-ser kurtzen Trübsal der ewigen Ruhe genießen werden. Wer dero-wegen aus einen so vortreflichen Geschencke sich keinen Nutzen ma-chet / sondern seine Hoffnung auf Menschen und flüchtige und ver-gängliche Dinge setzet / der wird sich so sehr betrogen befinden / alsderjenige / der auf einen zerbrochenen Stab sich lehnet / welches durchdieses Sinnbild mit der Beyschrifft / die eitle Hoffnung / gewie-sen wird. Denn wer seine Sachen auf solche Weise anstellet / wirdan Statt sich zu halten / stechen und verletzen. Welcheswarhafftig denen wiederfähret / die aus eitlen Absehen ihre Hoffnungauf Ægypten Hülffe setzen / und nicht auf den GOtt Jsraelis der siealleine erretten kan.
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