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Johannes de Boria Moralische Sinn-Bilder
Entstehung
Seite
22
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( 22 )56XI.Gewalt zerbricht / Gelindigkeit beugt.B in der Krieges=oder Bürgerlichen Verwaltung mehr dieSchärffe als Gelindigkeit zu brauchen sey / ist eine allerdingswichtige Frage. Uber welcher so viel unterschiedene Mey-nungen geführet werden, so viel derjenigen, so davon handeln, Standund Begierde unterschieden ist; die von Natur und Art harte sind /und eines erhabenen und Ehrgeitzigen Geistes / denen scheint ohn-möglich einige Sache ohne grosse Ernsthafftigkeit und die höchsteSchärffe zu handeln; Hergegen halten aufrichtige und kluge Leuteund die eines stilleren Temperaments und Beschaffenheit seyn / amsichersten die Mittel-Strasse gehen. Welches in diesem Sinnbil-de gewiesen wird / wo man einen Baum vorstellet / an welchem zweyHände den einen Ast mit Gewalt ergreiffen und abreissen / mit derBeyschrifft: Gewalt zerbricht, auf der andern Seite aber denandern Ast zwey andere Hände mit Geschicklichkeit krümmen undbeugen / mit der Uberschrifft: Gelindigkeit beugt. Ebener ma-sen wird derjenige / der mit Gewalt / ohn alles andre Absehen herr-schen / oder seine Sachen verwalten wolte / zwar gefürchtet / aber keinesweges geliebet werden / auch seine Herrschafft / weil sie zu hefftig / nichtlange wären. Hergegen aber wird der / so klug und gelinde regie-ret, und die Seinigen mit Bescheidenheit und guten Worten (dochalso daß er die Schärffe mit der Ausübung der Gerechtigkeit ver-einbart) im Zaum hält / die Gemüther / die er zu regieren hat / ohneGefahr zu zerbrechen / beugen / indem er sie verbinden wird aus Liebeund Ehrerbietigkeit das zu thun / was sie bey gebrauchter Härtigkeitnicht würden gethan haben.