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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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G. Weltliches und geistliches Drama 1049

mittelbar vorhergehenden Ereignisse in die Handlung einbezog und dieaus Matth. 27 f. genommene und auf die eigentliche Passion folgendeGrabwache weiter ausgestaltet wurde. Auf solche Weise wurde das eigent-liche Passionsspiel zum Osterspiel und erhielt einen bedeutend erweitertenszenischen Glanz. Außerdem stellte man kleine szenische Stücke dar, dieauf Grund von Luc. 24 den Gang nach Emaus behandeln. Auf diese Weisekonnte das Osterspiel seinen eigentlichen kleinen Rahmen behalten,aber durch die Ausdehnung auf die ganze Passion und Auferstehungeine bedeutende Erweiterung gewinnen. Da wir nun in der Handschriftvon Benediktbeuern (13. Jahrhundert) eine Auswahl solcher Stücke des12. Jahrhunderts besitzen, so begnüge ich mich damit, diese hier kurzvorzuführen.

a) Die kleine Passion. Dies Stück, Ludus breviter de passione ge-nannt, ist insofern keine selbständige Dichtung, als der eigentliche Textnur aus unveränderten Evangelienworten zusammengesetzt ist, woran auchdie Regiebemerkungen teilnehmen, weshalb W. Meyer glaubt, 1 daß derVerfasser nicht ein größeres Passionsspiel benutzte, sondern eine Evange-lienkonkordanz vor sich hatte, in der die Differenzen der Synoptiker unter-einander und mit Johannes ausgeglichen wurden. So werden hier Matth.26, 1527, 46, Marc. 14, 46. 15, 14, Luc. 22, 20. 23, 2. 21. 46 und Joh.18, 3019, 30 miteinander zu einer Einheit verbunden, die von derRücksprache Christi mit den Jüngern über das künftige Abendmahl biszur Bestattung durch Joseph von Arimathia reicht, aber kurz gefaßt istund nur die Hauptereignisse darstellt. Poetisches fehlt darin gänzlich, nurdaß gegen den Schluß hin für Maria am Kreuze die Anweisung geschiehtEt Maria planctum faciat quantum melius potest", welche Worte sich nachW. Meyer 2 höchstwahrscheinlich auf die Sequenz Planctus ante nesciabeziehen, die in der großen Benediktbeurer Passion nur mit diesen An-fangsworten bezeichnet wird. 3 Wichtig aber für die Stellung des Stückesinnerhalb der dramatischen Poesie ist der Schluß Et inchoatur ludus deresurrectione. Pontifices: 0 domine rede meminimus. Diese Worte, mit derAufschrift zusammengestellt, ergeben, daß sich der Verfasser bewußt war,ein Ergänzungsspiel geschrieben zu haben, das vor dem BenediktbeurerOsterspiel aufgeführt werden sollte, mit dessen ersten Worten die kleinePassion schließt.

b) Das Osterspiel, genannt Ludus immo exemplum dominice resur-rectionis, ist im Gegensatz zur Passion ganz Dichtung und ist nach W.Meyer 4in Deutschland entstanden. Erhalten ist von dem Stück etwa der dritteTeil, nämlich die Wächterszene und die Krämerszene in 143 Versen undRegieanweisungen. Die Regie schreibt vor: Nach der Matutin am Oster-tage haben sich sämtliche am Stück beteiligten Personen an ihrem beson-deren Platze einzufinden und sollen dorthin gehen, wo sich das Grab be-findet. Zuerst sollen Pilatus und seine Frau mit großen Lichtern unterVorantritt der Krieger und gefolgt von seinen Helfern, von Priestern und

1 Pragmenta Burana S. 122. der Sequenz in Anal, hymnica 20, 156 und

2 Fragm. Burana S. 124. bei W. Meyer, Fragm. Burana S. 125.

3 Carm. Burana p. 106,14. Ausgabe l Fragm. Burana S. 120f.