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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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986 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

haupt wird durch fromme Betrachtungen aller Art zu einem sehr ausge-dehnten. Hierher könnte man z. B. die Kreuzlieder rechnen, die allerdingsauch der weltlichen Lyrik zugezählt werden könnten.

Über den Ursprung der Sequenzen, eines besonderen Zweiges der reli-giösen Lyrik, ist schon Bd. 1, 355 gesprochen worden. Zum Kunstprodukterhob sie erst Notker von St. Gallen, und diese Dichtungen aus St. Gallenhaben französische Dichter zu neuen Schöpfungen begeistert, die haupt-sächlich in Limoges entstanden. Bei den älteren Gedichten findet sich dieResponsion noch nicht durchgeführt, was später stets der Fall ist, indemdie Halbstrophen ihren Gegenstrophen entsprechen. Bei einem Kunst-dichter wie Adam von St. Viktor sind die unpaarigen Teile wie Einleitungund Schlußsatz fast verschwunden und Melodie und Text sind bei ihmdurchaus unabhängig, d. h. die Melodie folgt einem syllabischen Texte.Die Sequenz hat später die Ausschmückungen des Hymnus angenommen,aber sie unterschied sich von ihm stets dadurch, daß sie durchkomponiertwurde, auch wenn alle ihre Strophen metrisch oder rhythmisch gleichwaren.

Vgl. S. Bäumer, Geschichte des Breviers, Freiburg 1895, S. 356364. PRE 10,411. 21, 897. Wetzer und Weite Bd. 6. F. Probst, Brevier und Breviergebet.Thalhofer, Handbuch d. kathol. Liturgik, 2. Aufl. von Eisenhofer, Freiburg 1912.

Gegen das Ende des 11. Jahrhunderts beginnen hauptsächlich in Frank-reich sich die rhythmischen Formen zu glätten, d. h. der Bau der rhyth-mischen Gedichte vollzieht sich nun nach festen Gesetzen, wie sie in dermetrischen Poesie seit dem frühen Altertum üblich waren. Gegen diesehaben aber die Rhythmen den oft sehr künstlich verschlungenen Reimvoraus, dessen Reinheit unbedingt zu wahren ist, so daß er höchstens durchassonierende Verbindungen ersetzt werden kann. Nur selten haben diereligiösen Lyriker eine Sammlung ihrer Gedichte herausgegeben, so daßihr Verfassername sich mit der Sammlung erhielt; und auch die Zeit-bestimmung ist oft recht schwierig, wenn die Überlieferung nicht einiger-maßen zu Hilfe kommt. Natürlich ist es ausgeschlossen, hier sämtlicheohne Verfassernamen überlieferte Hymnen namhaft zu machen, die etwaaus der Zeit von 1050 bis 1200 stammen, wir müssen uns mit einer Aus-wahl begnügen, die nur die wichtigsten Stücke vorführt, und zwar ein-geteilt in inhaltlich gesonderte Kategorien. Bemerkt sei noch, daß ich be-sonders die von G. Dreves und G. Blume in den Analecta hymnica alsPia dictamina bezeichneten Gedichte berücksichtigt und zur Trinität nureinige Stücke ausgewählt habe.

a) Gott

De divinis nominibus nennt sich ein Gedicht von 286 jambischen Achtsilbern, dasin neun Teile zerfällt, die sich nach ebensovielen hebräischen Namen für Gott scheiden.Der Dichter nennt diese Bezeichnungen, knüpft daran das Lob Gottes und bittetdiesen um seine Hilfe. Er hat aber noch andre hebräische Worte in den Text gebracht<Vs. 13f. 44. 160ff.) und er äußert auch eine große Vorliebe für Griechisches, so daß zu-weilen ganze Zeilen aus solchen Worten bestehen (Vs. 40. 51 ff. 8894. 97 ff. 156.158ff.),und es möchte daher fast scheinen, daß er noch früher Zeit angehört. Dem steht freilichentgegen, daß das ganze Gedicht durch den Tiradenreim gebunden ist, 1 so daß wemg-

1 10 e, 2 im, 4 us, 19 us, 15 i, 20 os, 16 o, 14 ens, 10 a (as), 5 or, 10 e, 3 a, 13 e, 12 us,13 on, 12 est, 22 ilis (nach Adonai 18 Wörter 3 o, 3 a.auf abilis oder ibilis), 9 a, 13 um, 4 on, 36 um,