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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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F, Weltliche und geistliche Lyrik 963

der an allem den größten Überfluß hat und das Geld über alles liebt. Erwendet sich an diesen und macht ihn auf das Verkehrte in seiner Gesin-nung aufmerksam. 1 Da kommt ein Tröster, der zwar dem Reichen durchUnterweisung beistehen will, es folgt aber die Beschreibung davon, wie dieKräfte den Körper allmählich verlassen und dieser abstirbt. 2 Nun erst nahtsich der Tod, der mit dem Reichen spricht und ihn zu Reue und Umkehrauffordert. 3 Da fängt der Reiche an zu weinen und zu bereuen, und derTod rät ihm, seinen Besitz an Arme und Unmündige zu verteilen undsich mit den Waffen des Glaubens zu rüsten. 4 Der Reiche hält ihm ent-gegen, daß er drei Söhne habe, die er zu Rittern ausbilden lasse, doch derTod rät ihm, daß er sie andern Berufen zuführen möge (Landbau, Kauf-mann, Kleriker), und habe er eine Tochter, so möge er sie Nonne werdenlassen. Als der Reiche dem Tod andre Sorgen vertraut, bereitet ihn dieserauf sein baldiges Sterben vor.

Der Ausdruck in dem Gedicht ist gewunden und unklar, vielleicht hatteder Dichter die Absicht, sich seltsam und ungewöhnlich auszudrücken.Der Sinn des Ganzen ist christlich, dagegen sind die Anschauungsformenvielfach heidnisch; der Reim fehlt.

Ueberlieferung im Berol. theol. oct. 94 s. XII. Ausgabe von Wattenbach, BerlinerSitzungsberichte 1895 VIII S. 128. Vgl. H. Walther, Das Streitgedicht etc. S. 82 f.

FWELTLICHE UND GEISTLICHE LYRIK

I. WELTLICHE LYRISCHE POESIE

Die früheren Jahrhunderte des Mittelalters waren der lyrischen Produk-tion nicht günstig gewesen, denn auch sie war an die Kirche gebunden, unddie Kirche forderte von ihren Mitgliedern möglichst große Aufgabe dereignen Person. In solcher Gebundenheit konnte die Lyrik nicht recht ge-deihen. Und doch werden wir uns unter den Dichtern der volkstümlichenSpaße, die, wie Amarcius berichtet, 5 bei festlichen Veranstaltungen invornehmen Kreisen vorgetragen wurden, nur Geistliche zu denken haben.Allerdings werden die Spielleute dabei mehr Dramatisches als Lyrisches ge-geben haben, und auch die große Rüstkammer, aus der man im Mittelalterunausgesetzt Stoffe und Formen holte, das Altertum, versagte hierbei in ge-wisser Weise, denn die eigentlichen großen Lyriker Roms, Gatull, Tibullund Properz, waren so gut wie verschollen, und die Lyrik von Horaz beginnteigentlich erst im 11. Jahrhundert bekannter zu werden. Nur die Liebes-gedichte Ovids erfreuten sich großer Beliebtheit. Immerhin wurde ein Teilder Lyrik, die religiöse Poesie, aufs eifrigste gepflegt; mit ihm ging dieMusik Hand in Hand. Auch die weltliche Lyrik war nicht tot, bei hervor-

1 Vs. 38 Vita tibi mors est, funera vivus ha- Carm. 6, 9

Kein im Mittelalter sehr häufiger Gedanke. 3 Vs. 107 f. nach Anthol. lat. 792 (R.).

2 Vs. 89 Surdescunt aures, caligant lumina, 4 Vs. 237 f. sind epanaleptisch.hngua Nescit iter vocis nach Eugenii Tolet. 5 Serm. 1, 438 ff.

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