E. Streitgedichte 961
Vs.49f. 73 ff. 131 f.) und an der beliebten Worthäufung, an Wortspielereien, Pleonasmen im-Vusdruck und zahlreichen Wiederholungen, wodurch es sich aber seinerzeit sehr empfahl.Ueberlieferung im Paris. Arsenal 1136 s. XII f.23 und St.Omer 115 (vgl. Haureau,Not. et extr. 31,1,141). Ausgabe von Haureau, Bibl. de Fee. des chartes 44, 7—11; erhält Petrus Riga für den Verfasser. Vgl. Walther, Das Streitgedicht etc. S. 182.
20. CAUSA PAUPERIS SCOLARIS ET DIVITIS
In diesem Gedichte, das aus 22 Strophen von je drei Dreizehnsilbern
mit angehängtem Hexameter 1 besteht, handelt es sich um den Streit zweier
geistlicher Schüler, deren einer sich ganz den Wissenschaften hingibt und
diese verteidigt, 2 während der andere in den Besitz einer Pfründe gelangt
ist und für die Mehrung des weltlichen Besitzes und Genusses eintritt. 3
Sie begeben sich in die Burg Salomos und bitten ihn um die Entscheidung
ihres Streites, indem sie Strophe für Strophe für ihre Auffassung eintreten.
Salomo hört sie geduldig an, und ohne eine sichere Entscheidung zu treffen,
sagt er am Ende, daß eine jede Kunst ihren Ausüber erhebe und daß der
Fleiß ohne Streit Ehren bringe. — Haureau hat das Gedicht nicht ganz
veröffentlicht, da es ihm nicht interessant genug erschien. Es erinnert in
einzelnen Zügen an den Streit zwischen Phyllis und Flora, der in der gleichen
Handschrift fol. 75 überliefert wird, nur daß dort der Kleriker die Rolle
des reichen Scholaren und der Ritter die des Armen spielt. Die Rhythmen
sind nicht eben sorgfältig gebaut.
Ueberlieferung im Paris, nouv. acq. 1544 s. XV f. 89. Teilweise herausgegeben vonHaureau, Not. et extr. de quelq. mscr. 6, 306ff. Die Schlußstrophen teilte mit H. Wal-ther, Das Streitgedicht in d. lat. Literatur des Mittelalters S. 254, vgl. 160f.
21. CAUSA PAUPERIS SCOLARIS CUM PRESBYTERO
Diese Dichtung in 55 vierzeiligen Strophen von Dreizehnsilbern hat auchden Titel De presbytero et logico. Ein Priester erklärt eben bei schönerJahreszeit im Freien der lauschenden Volksmenge die christlichen Wahr-heiten, als ein Lehrer der Logik eintrifft, dessen Famulus in einem großenSacke die Schriften des Aristoteles, Sokrates (!) und Plato trägt. Der Priesterläßt sich dadurch nicht stören, sondern fährt in seiner Unterweisung fort,zeigt aber dabei große Mängel in der grammatischen Schulung, so daß derLogiker Einspruch erhebt. 4 Der Priester wehrt sich, 5 fordert aber seinenGegner schließlich auf, sich ebenfalls zu setzen, und beginnt nun den Kampfmit einem Horazvers (16, 1 Qui trans fretum itis, Aere non animo mutaloreditis) und gibt den Vorwurf der Simonie dem Gegner zurück. Darauf wirftihm der Logiker sein Wohlleben und seinen Reichtum vor, während ihmselbst die Pallas treu bleibe. Der Priester bringt hingegen sein Ansehen undseine Ehren in Anrechnung und rühmt das Philosophieren beim Becher-klang, weshalb ihn der Logiker einen Toren schilt. 6 Der Streit wird heftiger,
1 Die Hexameter stammen, da sie ganz 4 8, 2 (Haureau, Not. et extr. de quelques
mittelalterlichen Gepräges sind, vom Dich- mscr. 6, 311) Abusive loqueris, ledis Pris-
ter selbst. cianum.
" Vs.10 (Haureau, Not.et extr. de quelq. 5 9, 3 Non est faclor omnium casuum crea-
mscr. 6, 306) Unus seetam clerici probat et tor; Servit ei placide simplex praedicator.
Catonem. 11, 1 Deo est odibile vestrum argumentum.
Vs. 11 Alter bursam refici probat et sal- 6 3iLudisinterfialasetphilosopharis:Follus
mortem. non philosophus hinc esse probaris.H. d. A. IX 2, 3 61