E. Streitgedichte 945
in dem Reiche Friedrichs und in Sachsen trinke und zwar von seiten allerStände und Altersstufen, so daß es allen gefalle. Nachdem die Vorzüge desBieres gepriesen sind, werden die des Weines in den Himmel gehoben undder Wein als Begeisterer zu den freien Künsten, ja geradezu als ihr Ver-treter hingestellt. In Str. 13—15 steht das Urteil: Lieber wolle der Dichterüber die Meere fahren, als im Bierkeller sitzen und den häßlichen Geruchder Bierfässer einatmen. Da der Wein alle Wohlgerüche übertreffe, so er-halte er den Preis. -— Das Gedicht besitzt fünfzehn Strophen zu je vierZeilen von zweisilbig gereimten Zehnsilbern und dürfte wohl einen Lehrerzum Verfasser haben.
Am Schluß von Str. 11 steht Bachus levat pondus supplicii Iuxta versus istos Ovidii: 1Vinaparanl animos faciuntque coloribus aptos. Str. 11 zu den freien Künsten Bachus rethor,Bachus est phisicus, Est legista, est dyaleticus, Gramaticans et astronomicus , Geometer etbonus musicus.
Ueberlieferung im Herdringensis 57 s. XIV f. 107. Ausgabe von A. Bömer, Ztschr. f.deutsch. Altert. 49, 200ff., vgl. S. 168. Vgl. Walther a. a. O. S. 52. Gedichte ähnlichenInhalts s. bei Petrus von Blois S.297f.
3. CAUSA DIVITIS ET LAZARI
Dies Gedicht von 107 Versen hat eine ziemlich unregelmäßige Form. DieStrophen sind nämlich entweder Vagantenstrophen, die als vierten Verseinen Hexameter oder auch Pentameter besitzen, oder es sind hexametri-sche Distichen. Der Dialog besteht aus der siebzehnfachen Wechselrede undaus dem Schlußwort des Reichen. Dieser bittet im Anfang den Lazarus,ihn anzuhören: er rühmt seine einstige Stellung und seinen Reichtum, 2den aber Lazarus für nichts achtet. Der Reiche hört nicht auf, seine Ver-gangenheit glücklich zu preisen, versetzt sich aber stets dabei in die Gegen-wart und meint, wenn die Diener nicht immer seine Befehle ausgeführthätten, die Armen zu speisen, so könne man ihm jetzt keinen Vorwurf darausmachen. Doch Lazarus hält den Reichen für hartherziger als die Hunde,die seine Schwäre beleckten, 3 worauf der Reiche die Krankheit des Lazarusschmäht und dieser entgegnet, daß körperliche Gesundheit ohne sittlicheKraft nichts sei. Aber der Reiche rühmt und brüstet sich von neuem undunter fortgesetzten Einsprüchen des Gegners, daß aller weltlicher Besitzwertlos sei, erklärt er, daß seine Lage der eines Königs geglichen habe Alser fragt, warum er deshalb verdammt werden solle, antwortet Lazarus, weiler sich den Gütern der Welt ganz hingegeben habe, was schon Cato (Dist. 4,1,1) widerrate. Der Reiche bezeugt nun Reue, doch Lazarus erklärt, diesekomme zu spät, und er wendet sich von dem Reichen ab, so daß diesem inder Verzweiflung nichts übrig bleibt, als sich an Gott zu wenden. Daß derDialog teils im Fegefeuer, teils schon in Hölle und Himmel stattfindet, hatWalther dargelegt. 3
Ueberlieferung. Die Fassung des wohl in Frankreich noch im 12. Jahrhundert ent-standenen Gedichts ist in den Hss. verschieden, besonders die Anordnung der Strophen.Hss. Paris, nouv. acq. 1544 s. XV f. 98, Paris. 11867 f. 99, danach Ausgabe von Haureau,
1 Amat. 1, 237. servat in archa ist Juven. 3,143; 32 (B.) =
2 3,1 (9 Bolte) Nuper eram plenus Dives Cat. Dist. 1, 21,1. 68 = Hör. Ep. 1, 6, 37.erinnert an das Gedicht des Primas 23,1; 3 A.a.O. S. 125.
28 (Bolte) Quanto plus aliquis numorum ■ ■
H. (I.A. 1X2, 3 60