902 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
stürmischer See auf eine Insel begeben wollte und daß augenblicklich Stilleeintrat, als er das Schiff bestiegen hatte. In einem kleinen Prosastück Adcalumniatorem verteidigt sich Petrus, daß er zum Lobe seines Abtes schreibeda doch so viele zum Lobe andrer geschrieben hätten, wie Fortunatus ge-tan, und Cicero habe geradezu in De re publica erklärt, der Staat müsseseinen Fürsten durch Rühmen zu fördern suchen, da er nur so lange be-stehen könne, als man dem Fürsten die gebührende Ehre erweise. 1 In denVersen aber wendet er sich gegen einen Barbarus, der es gewagt habe denPetrus von Cluni zu schmähen. Außerdem erhielt sich ein Epitaph von29 Hexametern auf Papst Gelasius IL und ein solches auf Bischof Ildefonsvon Salamanca.
Das enge Verhältnis des Petrus zum Abte von Cluni ergibt sich dann ausdessen Brief 4, 35, in dem ihn der Abt um Zusendung eines Werkes vonAugustin zum Tröste für die Beschwerden seiner Reise ersucht und ihnzugleich um seine von Petrus gesammelten Briefe sowie um sein Leben desBischofs Matthaeus von Alba bittet — dies letztere ist in das Werk Demiraculis 2, 4—23 (Migne 189, 913—936) ganz aufgenommen worden —und erklärt, daß die Schrift gegen die Petribusianischen Ketzer schon ver-öffentlicht sei (Migne 189, 365D). Und in Ep. 4, 17 (Migne 189, 339BC)an Bernhard von Clairvaux erwähnt der Abt die Mithilfe seines NotarsPetrus bei der von ihm angeregten Übersetzung des Koran, über die ersich in dem Briefe eingehend ausspricht; das betreffende Stück aber (Mittovobis ■ — futurum perfecit) ist fast wortgetreu aus dem Briefe genommen,den der Abt vor seine Einleitung zu der Koranübersetzung stellte (Mignecol. 649). Diese Einleitung aber, die auch den Widmungsbrief des Robertvon Pampelona an Abt Petrus zur Übersetzung enthält, ist ohne Zweifeldurch den Notar Petrus zusammengestellt worden, der sämtliche Schrift-stücke mit der Übersetzung zu einem Ganzen vereinigte, nachdem ihmder Abt alles hierzu Nötige übermittelt hatte. Denn der Notar schreibtan den Abt (col. 661), daß er ihm hierzu die Kapitelübersicht für das Werk,die ein Johannes auf Befehl des Abtes vernichtet habe, in verbesserter Ge-stalt übersende. Und er setzt hinzu, daß das Kapitel über den Mißbrauchder Frauen sich wirklich im Koran finde und daß er dessen Inhalt durchPetrus von Toledo und durch Robert von Pampelona als wahr bestätigterhalten habe; an den Brief aber schließt sich die Kapitelübersicht der dreiBücher des Werkes an.
Soweit sich also erkennen läßt, war die literarische Tätigkeit des Petrus
von Poitiers ganz dem umfassenden Wirken des großen Cluniazenserabtes
geweiht.
Zeugnisse. Zur Sammlung der Briefe und zu den Gedichten vgl. Migne 189, 47APetro s. Cluniacensis ecclesiae abbati Petrus Pictaviensis. . . monachus. . . Sicut praeciperedignatus estis. . . versiculos illos, quos olim iuvenis. . . in omnipotentis creatoris. . . et vestmlaude composui, nunc tandem emendatos edidi et in capite epistolarum vestrarum ordinaledescripsi. Illos autem vestros quibus aemulorum nostrorum brutam barbariem potentissimeconfutastis, ibidem apposui. Aus dem 2. Gedicht Vs. 55 Suscipe dicta tui solita pielatepoetae Et minimi Petri carmina parva lege; Vs. 109 Sessio vox vultus incessus et actio Iota
1 Fortunat und Cicero werden in völlig von Petrus von Cluni im Gedicht Adv. ca-gleicher Weise als Beispiele angewendet lumniatores Vs. 227 ff. und 271 ff.