D. Persönliche Dichtung 901
hegleitete er seinen Abt 1141 auf einer Reise nach Spanien, die wohl be-sonders zu dem Zwecke unternommen wurde, den Koran und andre islami-tische Überlieferung ins Lateinische übertragen zu lassen, bei welcher ArbeitPetrus von Poitiers helfend zur Seite stand. Aber nicht nur hierbei ist erim Interesse des Abtes von Gluni tätig gewesen, sondern sein ganzer erhal-tener literarischer Nachlaß bezeugt sein vollständiges Eingehen in die Plänedes von ihm aufs höchste bewunderten Kirchenfürsten, dem die Nachweltden Beinamen „Venerabilis" verlieh.
Zunächst scheint Petrus die Briefe des Abtes gesammelt zu haben, dennmeinem Schreiben an ihn erklärt er, daß er auf seinen Befehl die Verse, dieer einst zu seinem Lobe gesungen, in verbesserter Gestalt den Briefen desAbtes vorangestellt und des Abtes eigene Verse gegen seine Widersacherdamit verbunden habe. 1 In einem Panegyrikus von 31 Distichen bittet Petrusdie Mönche von Cluni darüber zu frohlocken, daß für sie ein zweiter Hugoerstanden sei; in der Prosa sei er ein Cicero, in der Poesie ein Vergil und seineRede sei der des Aristoteles und Sokrates zu vergleichen. Er stellt ihn —den Abt Petrus — dann den vier großen Kirchenvätern zur Seite und sagt,daß er alle Artes liberales in sich vereinige, rühmt seine Tugenden und preistdie Auvergne 2 seinetwegen glücklich. In einem zweiten Gedicht Quandoiterum pro reformanda monasteriorum pace advenit — es enthält 93 Di-stichen —■ fordert Petrus Aquitanien und besonders Poitiers auf, sich zufreuen, da der Abt, der Friedebringer, gekommen sei, und bittet diesen,sein Gedicht zu lesen. Dann rühmt er den Abt wegen seiner Beredsamkeit,die größer als die des Cicero, Sokrates und Plato sei, und lobt seine äußereErscheinung wie auch seine geistigen Fähigkeiten geradezu im Übermaß. 3Und der Dichter fühlt sich geehrt, daß seine Verse dem Petrus unter dieAugen gekommen sind. Freilich sei seine Freude nur von kurzer Dauer ge-wesen, da der Abt Poitiers bald verließ und da dessen damaliger Zuspruchbeim Abschied: ,,Du wirst bald bei mir sein" sich nach vielen Jahren nochnicht erfüllt habe. Am Ende des Gedichts wünscht der Dichter den Geistaller bisherigen berühmten Kluniazenseräbte auf seinen Petrus herab. Ineinem dritten Stück von 94 Distichen und 65 Hexametern, überschriebenIn laude triumphi eius Romae habiti contra Pontium et Pontianos, beglück-wünscht der Dichter den Abt auf das lebhafteste, daß er in Rom über seineFeinde, den Pontius 4 und dessen Anhänger, gesiegt habe, denn unter seinerHerrschaft und bei seiner Anwesenheit könne kein Verbrechen gedeihen.Und nun wird der Ruhm des Abtes wieder nach allen Seiten verkündet undder Gefahren gedacht, die ihm in Rom drohten, worauf die Stadt Rom alsHerrin der Welt gerühmt und ihre Siege über fremde Völker gepriesenwerden. Das ganze große Gedicht ist ein einziger Lobgesang auf den AbtPetrus. Und ähnlich emphatisch ist ein kurzes Gedicht von sieben Disti-chen gehalten, in dem dargestellt wird, daß sich der Abt einst bei äußerst
1 Standen diese in der Handschrift, so 3 Vs. 125 si Unguis mille sonarem etc. nach
sind sie jedenfalls hier nicht mit abgedruckt, Verg. Georg. 2, 43.
wohl aber in den Werken des Abtes Migne 4 Pontius war früher Abt von Cluni ge-
189, 1005—1012. wesen, hatte aber trotz seiner Abdikation
Vs. 61 Arva tuis scriptis vernant Arverna, auf seine Würde nicht verzichtet.Sidoni.