848 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
zeigt sich nur eine Probe 1 und die Form ist sehr einfach, nämlich einsilbiggereimte Verse mit zweisilbig gereimten gemischt. Auch die Sprache isteinfach und leicht verständlich. Nach der für jene Zeit sehr kunstlosen Formmöchte man das Gedicht näher an das Todesjahr des Abtes als an den Aus-gang des 12. Jahrhunderts setzen.
Ueberlieferung im Paris. 10016 f. 110b—111b s. XIII. Ausgaben von G.L.HugoSacrae antiquitatis monumenta 2, 420; von G. Waitz, MG. SS. 25, 345—348. Vgl. Wat-tenbach 2,124.
11. METELLUS VON TEGERNSEE
Das Kloster Tegernsee, im Jahre 754 von den Brüdern Adalbert und Otkargegründet, verehrte als Schutzpatron den hl. Quirinus, den die Legende zumSohne des römischen Kaisers Philippus stempelte. Dort entstand nun zuEhren des Heiligen um 921 dessen älteste Passio, 2 zu der frühzeitig Zusätzeüber Wunder des Heiligen gemacht worden sind, die zum Teil in aufgelöstenHexametern sich darstellen, so daß man geglaubt hat, daß diese Schrift aufeine noch ältere, metrische Passio zurückgehe. 3 Die alte Passio ist nun dieGrundlage für die gesamte hagiographische Literatur über Quirinus ge-worden. Nämlich zunächst verfaßte zwischen 1150 und 1160 der MönchMetellus von Tegernsee eine große Anzahl Gedichte auf das Leben und dieWunder des Heiligen, wobei er sich eng an die Passio anschloß. Ein MönchHeinrich aber schrieb mit Benutzung der Passio und der Quirinalien Metellsnach 1160 eine zweite Passio 4 und frühestens am Ausgange des 12. Jahr-hunderts entstand die Gründungsgeschichte des Klosters oder Fundatio, 5die sowohl beide Passionen als auch die Quirinalien verwertet. Davon inter-essieren uns hier nur die Gedichte des Metellus.
Metellus stammte wohl aus den Rheinlanden, jedenfalls ist er als Fremder
nach Tegernsee gekommen, wo er um die Mitte des 12. Jahrhunderts gelebt
hat. Rätselhaft wie seine Herkunft ist aber auch sein Name, der vielleicht
einen Tausch- oder einen Spitznamen 6 darstellt; einen Heiligen dieses Namens
gibt es nicht. Jedenfalls hat er während der angegebenen Zeit sein poetisches
Talent, das durch Horaz, Prudentius und Boethius angeregt war, in den
Dienst seines Heiligen gestellt.
Zeugnisse. Zu Tegernsee vgl. Wattenbach 1,452 und Berl. SB. 1897, 785; PaulPeters, Die Quirinalien des Metell v. Tegernsee S. 5f. Zu Metellus vgl. Bursian, Münch.SB. 1873, 497ff. Zur deutschen Abkunft vgl. Odae Quirin. 18, 43 (Peters S. 85) Rite deieultum moremque tenendo venustum, QuemGallico nos ordine Teutonici sequimur; zum Rhem-lande vgl. Wattenbach S. 787 und das Gedicht S. 792 (Peters S. 143). Daß er aus derFremde kam, bezeugt Od. Quirin. 12,11 (Peters S. 68) Hospes introiveram Amabilissacramdomum Quirini; Bursian S. 514 glaubte, daß er aus Burgund stammte, dagegen Watten-bäch S. 786. Die Lebenszeit des Dichters wurde früher für das 11. Jahrhundert bestimmtnach Od. 3,11 (Peters S. 41) Quod si canicies mera Exin lustra seni ter duodena dat, law.caelo licet alteras ducas mülesias, par nichil afferas (d. h. 180 Jahre bis zur zweiten Feier
1 Vs. 123 Et quidam dicit: Nemo sine cri- L. v. Heinemann, Neues Archiv 12,143—mine vivit = Catonis Dist. 1, 5, 2. 160.
2 Gedruckt von Th. Mayer, Archiv f. 4 Gedruckt bei Th. Mayer a. a. O. S.325Kunde Österreich. Geschichtsquellen 2, 291 ■— 351.UeberlieferungimAdmont.267s.XII,—303. vgl. Wattenbach, Neues Archiv 2,397.
3 Vgl. Th. Mayer S. 299, Paul Peters, 5 Gedruckt bei Pez, Thesaurus aneedot.Die Quirinalien des Metell v. Tegernsee 3, 3, 475—496.
(Greifswald 1913) S. 12f. Hierzu Watten- 6 Kaum nach dem Metellus Celer, dembach, Berl. SB. 1897 S. 785f. und 785 n. 2. Zeitgenossen Ciceros.