Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
847
Einzelbild herunterladen
 

C. Kirchliche und religiöse Dichtung 847

ausgeschmückte Darstellung schon den einsichtigen Zeitgenossen mißfiel,

kann man aus dem Tadel Ottos von Freising entnehmen, der sich darüber

scharf ausspricht.

• Zeugnisse. Zur Quelle Vs. 212 (MG. SS. 11, 31) Hie quidam veterum referebant ordinererum und 303 Quidam tunc presens ibi post hec euneta recensens. Die Stelle über die DichterVs. 228 Causa tibi, o Cicero, satis haec vel esset Homero, Carmine quam claro Pindarusatque Maro Pro rerum meritis vix possent edere scriptis Non diros Ulis cedis in arte dolosOrphea si canerent digne modulamina flerent. . . . Hoc . . . Non atrox Decius, Nero vel Anti-ochus. Otto von Freising sagt Chron. 7, 7 (ed. Hofmeister 317, 7) Quam hystoriam miser-abiliter ac luculenter in modum tragediae quidam ex his, qui se eidem expeditioni interfuissctestatur exsecutus est; er spricht sehr ausführlich über die ganze Begebenheit.

Ueberlieferung im Admunt. 497 s. XII. Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. 11,28—33. Vgl. Wattenbach 2, 76.

Aber auch in Prosa ist Thiemos Leben und Sterben behandelt worden,und zwar von Abt Heinrich von Breitenau (f 1170) und in einer zweitenPassio aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, da der Verfasser selbst noch dieZeiten Konrads I. erlebt hatte und sich auf einen alten Presbyter stützt, derder Zeit Thiemos nahe stand. Freilich ist in diesem Werke der Bericht nurbis Kap. 10 selbständig und enthält dort einige geschichtliche Nachrichten,der spätere Teil entspricht im Inhalt ganz der metrischen Passio, er erzählt diegleichen Ungeheuerlichkeiten und Sagen. Dagegen weiß der Verfasser seinenBericht mit Anführungen aus der alten Literatur reichlich zu schmücken.

~~Die Passio Thiemonis von Heinrich im Darmstad. 749 s. XII, ed. Nolte, Arch. f.österr. Gesch. 54, 4 (NA. 7, 623); Riant, Rec. des hist. des crois. Hist. occ. 5, 203;Wattenbach, MG. SS. 15, 1237 f. Zur Zeit des Autors der zweiten Passio vgl. c. 5(MG. SS. 11) 55, 22 Huius Chounradi temporibus nostra iam memoria und 16 p. 62,14 sicutgrandevo quodam et religioso valde presbytero referente didieimus, in presentia sua . . . tot inbrevi curatos. Zu den Zitaten 1 p. 53,21 f. = Sali. Gat. 54, 5. 2 p. 53, 37 Et tarnen — vultu =Stati Theb. 5, 37. 14 p. 61,10 mors — rerum est Hör. Ep. 1,16, 79. 14 p. 61,12 Talia —manebat = Aen. 2, 650. 14 p. 61, 23 ocülosque — natantes. Ueberlieferung im Admunt. 410s. XII; Lips. sen. II, 58 s. XII; Erlang. 298 s. XII und Vorau 12 s. XII. In Salzburg zuSt. Rupert befand sich 1433 eine Hs., vgl. Neues Archiv 32, 693. Ausgabe von Watten-bach, MG. SS. 11,52—62.

10. VITA ANTONII ABBATIS SENONENSIS

Antonius war um das Jahr 1120 Prior in Lay bei Nancy und wurde späterAbt in Senones. Als solcher ist er 1136 oder 1137 gestorben. Nach seinem Todewurde sein Leben in einem Gedicht von 162 Hexametern dargestellt. Und andieses Gedicht scheint sich später Richer von Senones (| um 1267) in seinenGesta ecclesiae Senonensis c. 23 1 bei dem kurzen Lebensabriß des Antonius ge-halten zu haben; freilich weicht er in einigen Beziehungen davon ab, wie er An-tonius ein Jahr früher als die Vita sterben läßt (1136) und dem Abte nur 38Jahre gibt, während ihm die Vita 47 beilegt, woraus hervorgeht, daß Richernoch andre Quellen benutzt hat. Dagegen weiß der Verfasser des Gedichts zu-weilen mehr als Richer 2 und stützt dadurch die Chronologie nicht unwesent-lich. Was er dagegen Vs. 77 bis 91 zum Ruhm und Lob der Tugenden desAbtes vorbringt, ist nicht hoch zu bewerten. Wesentlicher aber ist die Auf-zählung der Kostbarkeiten in Lay, und manches erwähnt der Dichter aus derAbtszeit, was Richer entgangen ist. Von Erinnerungen an die Schuldichter

1 Hrsg. von Waitz, MG. SS. 25, 282f. 2 Vgl. Vs. 22. 49 (ed. Waitz, MG. SS. 25, 345).