C. Kirchliche und religiöse Dichtung" 839
Schweine gestohlen zu haben, weiß Blandin völlig zu entkräften, und derDichter geht nun wieder auf Biblisches ein, kommt auf die MenschwerdungChristi zu sprechen und gibt mit vielen Worten ein ganz unklares Bild vonden Tugenden des Knaben. 1 Dieser fordert zu Ostern das Abendmahl, alsihm aber nur das Brot und nicht der Wein gereicht wird, verkündet er,daß aus dem Gefäße nie mehr Wein fließen wird. Seine Prophezeiung wirdwahr, als bald darauf ein Vornehmer zu Besuch kommt, und nur er selbstvermag dabei die Beschwörung zu lösen. 2 Hierauf folgen andre Wundervon der Verlängerung eines Balkens und von der Schöpfung einer Quelle, 3und dann wird der Tod des Heiligen erzählt 4 und seine Beisetzung in derKirche, die von Meaux zehntausend Schritte entfernt ist. Und hieran knüpftder Dichter ein begeistertes Loblied auf Meaux, dessen Bischöfe und Heiligeer feiert.
Man ersieht hieraus, wie wenig der Dichter eigentlich vom Leben seinesHelden wußte, das heißt, wie wenig er in seiner Quelle fand; denn daß ereine solche benutzt hat, geht aus einigen Stellen des Gedichts klar hervor.Aber das Nichtwissen verdeckt er reichlich mit biblischen und andernExkursen und auf solche Weise zerdehnt er die überaus dürftigen Nach-richten, die ihm zugekommen waren. Auch hier zeigt er ein recht geringesTalent zum Dichten, seine Sprache ist ungefüge und die Gedanken passensich nur schwer den Worten an. Desgleichen ist der Versbau sehr monoton,da die Zäsur fast stets nach der Penthemimeres fällt; 5 der Reim ist im ganzenGedicht durchgeführt, doch fehlt er fast ganz im Prolog. — Und ähnlichunbedeutend scheint die Vita s. Faronis zu sein, die durch Abt Galfrid vonMeaux und seine Mönche von Fulcoius erbeten wurde und jenem Abte ge-widmet worden ist. Das kleine Stück, das H. Suchier daraus veröffent-lichte, gibt nur eine breite Versifikation der von Hildegar von Meaux ver-faßten Vorlage und hat keinen besonderen poetischen Wert.
Zeugnisse. Die Notiz über Fulcoius Leben im Bellovac. 6121 f. 1 Fulcoius genereBelvacensis fuit. Meldis elysium studio elegit, ubi doctorum instinctu suorum precipue ar-chipresulis Manasse Remensis tria Volumina per decem libros sapienter et decenter heroyicecomposuit. Primum simplex in epistolis, in titulis, in quibusdam quasi nugis, quod experien-tiae causa Utrum nominavit. Secundum vero duplex, quod Neutrum appellavit, eo quod inquorumdam vita sanctorum ingenium exercens nee adhuc quod desiderabat aggredi presumensnee primo volumini nee ultimo medium continuavit. Tertium autem per Septem libros septi-formi afflatus spiritu sub dialogo Spiritus et Hominis fideli opere mirifico carmine contexuit,quod Utrumque de nuptiis Christi et aecclesiae titulavit. Zur Schönheit von Celle-en-Brievgl. Vita Blandini 14—21 (Anal. Boll. 7,151). Die Namen der Eltern vgl. Epit. 24 und 25(Omont, Melanges Havet p. 229), der Brüder und der Amme Epit. 27. 28. 39 p. 230. 233.Zur geistlichen Würde vgl. die Aufschrift der Vita Faronis im Bellov. 6121 f. 113 b beiOmont p. 216 a Fulcoio Belvacensi archidiacono eronyce composita. Zur Zeitbestimmungvgl. die Grabschriften auf Königin Mathilde gest. 2. Nov. 1083 und die auf GalterusBischof von Meaux gest. 20. Okt. 1082. Auf Manasses Mutter hat er die Grabschrift N. 41p. 234 gedichtet. Die Stelle über die Bedeutung der drei Werke steht im Paris. 5305 s.XIIf. 67 und lautet (nach Lebeuf, Diss. sur l'hist. eccl. et civile de Paris 2, 240) Scripsibis quino trinoque volumine libros, Cuius Utrum, cuius Neutrum, cuius sit Utrumque Nomen,
1 Vs. 181 ut cerca combibit aetas nach Hör. 3, 407.
A- P. 163. * Vs. 291 Non, rogo, displiceat Septem com-
Vs. 234 Quae convertit aquas in vinum pacta cicutis Fistula stammt aus Verg. Ecl.
nach Sedul. P. C. 3, 4; 235 Vitigenum rorem 2, 36.
vielleicht nach Lucret. de rer. nat. 5, 14 f. 5 Doch nicht immer im Prologe, vgl. Vs.
Vs. 255 Föns agat illimis nach Ovid. Met. 5. 6.10. 25.