784 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
9. ALEXANDER NECKAM
Alexander mit dem Beinamen Nequam, 1 der sich im Volksmunde zuNeckam umänderte, war im September 1157 zu St. Albans geboren undwurde der Milchbruder des späteren Königs Richard I. 2 Im Heimatsort ver-lebte er seine Jugend und erhielt er seine Ausbildung, und wurde dann selbstzum Leiter der Schule in Dunstable, einer Zweiganstalt von St. Albans er-koren. Doch scheint er schon vor 1180 des Studiums wegen nach Paris ge-gangen zu sein und hier schloß er sich eng an Adam de Parvo ponte an zudessen eifrigen Anhängern er zählte, so daß er noch viel später in De naturisrerum 2, 174 von den philosophischen Problemen dieser Schule ausführ-lich spricht. Er studierte hier die freien Künste und darunter wohl besondersdie Dialektik, ferner die christliche Wissenschaft, das kanonische und dasZivilrecht und die Medizin. Neben der Logik scheinen ihn besonders natur-wissenschaftliche Dinge angezogen zu haben, denen er später einen nichtgeringen Teil seiner Schriftstellerei widmete. Aber auch die Grammatikmuß er emsig getrieben haben, wie sich in einigen Schriften deutlich zeigt;daß er auch etwas Hebräisch verstand, beweist das Eingangskapitel vonDe naturis rerum, wo neben dem hebräischen Anfang der Genesis auch ein-zelne Vokalisierungen und Worte behandelt werden. 3 Aber er lernte nichtnur in Paris, sondern trat auch als Lehrer auf, indem er über die Artes vortrug.Doch verließ er um 1186 Paris wieder und kehrte nach der Heimat zurück,wo er die Leitung der Dunstabier Schule von neuem übernahm. Späterwurde er Mönch in Cirencester und im Jahre 1213 Abt des Klosters, 4 alswelcher er in Kempsey bei Worcester 1217 starb.
Zeugnisse. Zur Geburt vgl. De nat. rerum ed. Wright p. IX n. 1 (aus Tanner)Mense Septembri natus est anno MCLVII regi filius Ricardus nomine . . . eadem noctenatus est Alexander Necham apud s. Albanum, cuius mater fovit Ricardum ex mamilladextra sed Alexandrum fovit ex mamilla sua sinistra. Zur Jugend vgl. De laud. div. sa-pientiae 10, 318 (in De nat. rer. ed. Wright p. 503) Martyris Albani sit tibi luta quies.Hie locus aelatis nostrae primordia novit, Annos felices laetitiaeque dies. Hie locus ingenuispueriles imbuit annos Artibus et nostrae laudis origo juit. Zum Aufenthalt in Paris (vgl.Budaeus, Hist. univers. Paris. 2, 427. 725) und zum Anschluß an Adam vgl. De laud.div. sap. 10, 331 (p. 503) Hortarer te Parisius partesque remotas Visere, sed terrel niemaris unda tumens. Vix aliquis locus est dieta mihi notior urbe, Qua Modici Pontis parvacolumna fui. Hie artes didici doeuique fideliter, inde Accessit studio lectio sacra meo. Audmcanones, Hippocratem cum Galieno, lus civile mihi diseiplieuisse neges. Zu Paris auchDe laud. div. sap. 563—570 p. 457 (ed. Wright) und zur Logik der Parvipontaner,die De nat. rerum 2, 173 p. 302—307 als zu künstlich hingestellt wird, De nom. Utensil,(ed. Wright, A Volume of vocabularies p. 103) subtilitati Parvipontanae veritaüs aequi-paretur.
Ob Alexander in Rom gewesen ist ? Eine Stelle aus De laud. divinaesapientiae 5, 289—322 p. 447 könnte dafür sprechen, da der Verfasser hierein römisches Kunstwerk ausführlich beschreibt, den Colossus, der sichhier allerdings der von Gregorius in den Mirabilia urbis Romae c. 8 5 ge-
1 Vgl. in seinem Epitaph bei Wright, 4 Chronicon. . . prioratus de DunstapleBiogr. Brit. lit. Anglo-Norm. period p.450 ed. Hearne (Oxon. 1733) p.67 Anno abDictus erat Nequam, vitam duxit tarnen ae- incarnatione Christi millesimo ducenteswwquam. deeimo tertio magister Alexander Nequam in
2 Vgl. Alex. Neckam de naturis rerum etc. abbatiam Cirencestriae. .
ed. Wright (London 1867) p.IX n.l. 6 ed. James, The Engl. hist. Review«,
3 1,1 ed. Wright p.7—10. Vgl. auch Not. 547.et extr. 35, 2, 677. 679.