B. Didaktik 781
umfangreiches Gedicht gewidmet, dessen Inhalt sich eng an die in jenemOrden gepflegten Anschauungen anschließt. In einer längeren Vorrede, dieanfänglich stark von der Ars Poetica abhängig ist und das Verhältnis desAutors zu seinem Werke behandelt, vollzieht er die Widmung und äußertsich darüber, warum er die poetische und nicht die prosaische Form ge-wählt habe. Ohne den Geist der Weisheit und des Verstandes habe er seinlanges Gedicht in einem so schwierigen Versmaß nicht schreiben können.Damit kommt er auf den Umstand zu sprechen, der von der damaligenZeit sicherlich mit hohem Lobe bedacht wurde. Seine Verse beständen näm-lich aus lauter Daktylen mit Ausnahme des Ausgangs und wahrten außer-dem den leoninischen Reim. Es sind die überkünstlicben Verspaare, wie 1, 1Hora novissima, tempora pessima sunt, vigilemus, Ecce minaciter imminetarbiter ille supremus. 1 Dieses Maß, setzt er hinzu, sei wegen der Schwierig-keit der Form ganz außer Übung gekommen, nur Hildebert habe es in sei-nem Gedicht über Maria Egyptiaca in vier Versen und der Domherr Wichardvon Lyon 2 in seiner Satire in etwa dreißig Versen angewendet. Er sei aberkürzlich mit dem Abt in Nogent zusammengekommen, wo er diesem einigeseiner Schriften habe überreichen dürfen und die Zusage empfangen habe,daß Petrus auch das Gedicht De contemptu mundi entgegennehmen werde,das er damals nicht bei sich gehabt hätte. Im ersten von den drei Bücherndes Werkes habe er von der Verachtung der Welt gehandelt, in den beidenfolgenden die menschlichen Laster getadelt und die Menschen vor ihnen ge-warnt. So widme er ihm das Buch. ■—■ Von Bernhard selbst ist etwas siche-res nicht weiter bekannt, und es dürfte ihm wohl auch nicht das Gedicht ge-hören, das unter dem gleichen Titel mit den Worten Chartula nostra tibi be-ginnt.
Zeugnisse. Was über Bernhard bekannt ist, steht in der Widmung des Gedichtsan Abt Petrus, bei Th. Wright, The anglo-latin satirical poets etc. 2, 3—7. Widmungp. 3 Domino et patri suo Petro dignissimo abbati Cluniacensium fratrum eius filius, (4)Vestrae igitur correctioni . . . committendum opusculum de contemptu mundi excogitavi.Schwierigkeit p. 6 quia nisi Spiritus sapientiae et intellectus mihi affuisset et affluxisset,tarn difficili metro tarn longum opus contexere non sustinuissem. (Zum Metrum) Id enimgenus metri tum dactylum continuum exceptis finalibus, tum etiam sonoritatem leonicamservans ob sui difficultatem iam pene ne dicam penitus obsolevit. Denique Hildebertus deLavardino . . . et Wichardus Lugdunensis canonicus . . , quam pauca in hoc contulerintpalam est. Quorum Hildebertus dum . . . Mariam . . . Aegyptiacam hexametris commen-daret, hoc metro quatuor tantum elaboravit versus, Wichardus vero plus minus triginta insua lila contra quosdam satira. 3 Zu Nogent p. 7 Ante hos enim dies cum essetis Nogentiet aliqua opusculorum nostrorum acceptione vestra dignatus fuissetis, hoc etiam quod dehoc mentionem induxeram vobis oblatum iri praecepistis. Quod quia tunc non potui,non enim ad manum habebam, nunc tribus libellis discerptum vobis exhibeo. Vgl. Hist.lit. 12, 236 ff.
a)De contemptu mundi. Das erste Buch handelt namentlich über dieHinfälligkeit alles Irdischen und über die Vergänglichkeit der Welt. Daranschließen sich Betrachtungen über das Jüngste Gericht und über seine Fol-gen. Im Eingang des zweiten Buches spricht der Dichter über das GoldeneZeitalter, das er ausführlich beschreibt, um dann eine stark hyperbolische
^ Trinini salientes. solebat). Vgl. hierzu Haureau, Not. et
Nach Edw. Schroeder, Göttinger extr. de quelq. mscr. 5.'230f.
Nachr. 1910, 339 n. 2 ist er der Verfasser 3 p. 5 wird ein Vers aus Arator = Arat. ad
von Sacrilegis monachis, emptoribus eccle- Vigil. 24 angeführt (in der Ausgabe nicht
siarum [Ordo monasticus ecclesiasticus esse kenntlich).