770 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
et vita instituenda bezeichnet werden. In diesen Titeln spiegelt sich dermoralische Charakter der 238 Gedichte wider. Sie gehen nämlich Lebens-regeln, Weisheitssprüche und Sentenzen aller Art und erinnern in ihrerkurzen und pointierten Fassung häufig an Martial, dessen persönlicheSchärfe sie allerdings meist nicht besitzen, doch werden sie vielfach durchdie Antithese belebt. Einige mögen sich unzweifelhaft auf Zeitgenossen desDichters beziehen, doch nennt er sie nicht mit ihren wirklichen Namen. Auchdarin ist er dem Martial gefolgt, wie er auch Namen typisch gebraucht undz. B. nach dem bekannten Gedicht des Horaz (Serm. II 8) in N.146 den Na-sidienus mit der cena zusammenbringt. Merkwürdig genug ist die Namen-gebung, die wohl auch wie bei Martial dem metrischen Bedürfnis entspricht.Aber sie ist so reichhaltig, daß sie in Staunen versetzt, und man möchtefast glauben, daß Godefrid hierfür ein Namenbuch benutzte, wenn er sichnicht selbst ein solches angelegt hatte. Aus allen Gebieten zog GodefridNamen herbei, namentlich aus der antiken Mythologie, Sage und Geschichtewozu er die Schuldichter (besonders Martial) und die römische Prosaeifrig benutzt haben muß. Doch auch griechische Namen erscheinen ingroßer Zahl, desgleichen viele aus der Heiligenliteratur und schließlichauch einige moderne wie Hugo oder Alanus, und endlich scheint es nichtausgeschlossen, daß sich Godefrid selbst Namen gebildet hat, da eine ganzeReihe von sehr eigentümlicher Form und seltenem Klange erscheinen. 1Man sieht aber auch hieraus deutlich, wie unmittelbar die Überlieferung desAltertums in die mittelalterliche Geisteswelt eingriff. Nur ganz selten, wie150 und 157, begegnet ein Epigramm ohne Namen. Hierzu gesellen sichneunzehn Epigrammata historica, geschichtliche Gedichte auf englischeFürsten, Bischöfe und Äbte. Das sind keine eigentlichen Epigrammesondern in der Hauptsache Epitaphien, die in Form und Ton den Ge-dichten des 4. Buches von Fortunatus nahestehen, zehn von ihnen werdenübrigens auch dem Serlo von Bayeux zugeschrieben. Die ÜberlieferungGodefrids kennt außerdem noch sechzehn andere kurze Gedichte, von denenaber z. B. das Epitaphium Abaelardi ihm der Zeit wegen nicht gehören kannund auch das Gedicht De nummo nicht von ihm stammt. Endlich sind zwi-schen den Epigrammen und jenen Epitaphien drei Gedichte überliefert(Res odiosa nimis, De historiis veteris testamenti und De historia Romana),deren Herkunft auch zweifelhaft sein dürfte.
Der Form nach sind die Epigramme in Distichen verfaßt. Der Reim istin allen Gedichten vorhanden, aber er ist nicht gesucht, nur das Epitaphauf die Königin Emma ist durchgängig gereimt. Die Epanalepsis findet sichin Ep. 121, 1—4. 203. 236, 9—12 und 238. Zu erwähnen ist, daß 143 mitHilfe von Avian. 5 gearbeitet ist, 2 und daß 187 die Geschichte des Empedoklesund 206 die des Amphion und Zetus erzählt wird; zu 1,1 vgl. Hör. A. P. 343.
Den Epigrammen stellt Godefrid ein poetisches Vorwort 3 voran (Wright p. 103)
1 Ich nenne hierzu Alesius, Allus, Ancon, gebildet sein. .
Beroinus, Calirus, Curinomus, Dagnus, El- 2 143, 3 sed sumpta pelle leonis Qui nus
nus, Fidimus, Laudus, Levinus, Melanus, jueratvilis asellus erat, vgl. Avian. 5,5 u.lo-
Mervius, Monicus, Pallidianus, Pontiova- 3 Inc. prefatio Godefridi prioris eccksiae
nus, Rupilus, Simulus, Umbritius, Visellus, s. Swithyni Wintoniensis.Volusianus. Einige können von Ortsnamen