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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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646
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646 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

lumaca et Lombardo. De clericis et rustico. De Paulino et Polla des Richardvon Venosa. Beim geistlichen Drama habe ich mich auf die Hauptwerkedas Benediktbeurer Weihnachtsspiel und Osterspiel und auf den Ludus deAntichristo beschränkt.

AHISTORISCHE DICHTUNG

1. SIMON AUREA CAPRA

Ein französischer Kleriker Simon mit dem Beinamen Aurea capra (Chevred'or) trat unter Abt Gilduin in das Chorherrenstift St. Victor bei Paris einund dichtete hier, bevor er selbst Kanoniker geworden war, eine Ilias inDistichen in zwei Gesängen, beginnend Divitiis ortu und Ignibus Eneas. Alser die Kanonikerwürde erlangt hatte, unterzog er sein Gedicht einer Er-weiterung und Verbesserung, wie ein in einer Pariser Handschrift beige-fügtes Scbolion meldet. Das kleine Epos hatte das Schicksal, vonLeyserund Bourasse nur stückweise unter Hildeberts Namen herausge-geben zu werden und statt des zweiten Gesanges das leoninisch gereimteGedicht Viribus arte minis des Petrus Sanctonensis angehängt zu erhalten,welche Irrtümer wenigstens von Bourasse aus dem Abschnitt der Histoirelitteraire 1 hätten vermieden werden können; Haureau hat danach dieAutorschaft Simons festgestellt. Das Gedicht besteht aus zwei Büchern,deren erstes die Geschichte des Paris, den Raub Helenas, den Zug der Grie-chen vor Troja und die Zerstörung der Stadt in 76 Distichen 2 behandelt.Bezeichnend für den Autor ist, daß er in den Anfang den Inhalt der FabelHygin 91 stellt und darauf kurz die Fabel 92 auszieht. Nachdem er berichtethat, daß sich Paris in eine Griechin verliebte, stellt er in echt mittelalter-licher Schulweise eine Menge rhetorischer Fragen an ihn, rät ihm von derLiebe ab und spricht überhaupt vom moralischen Standpunkte aus gegendie Liebe. Der Raub der Helena erfolgt, Menelaus bewirkt den Rachezug,und mit tausend Schiffen fahren die Griechen gegen Troja. Der eigentlicheKrieg wird kurz erzählt, und dieser erste Teil bricht mit der Einnahme Trojasab. Der zweite Teil enthält die Schicksale des Aeneas, beginnt mit der Fluchtdes Helden aus Troja und stellt im Gegensatz zum ersten, der Exzerpte ausDares mit Hygin verbindet, einen Auszug aus der Aeneis dar. Im Anfang gibtder Dichter eine Charakteristik des Aeneas, die trocken genug ausfällt. Aus-führlich wird dann das Verhältnis des Helden zur Dido und seine Unbeug-samkeit gegenüber den Bitten der Königin geschildert. Das zweite Buch endetmit der Besiegung des Turnus, wodurch Aeneas die Lavinia und die Herr-schaft gewinnt. Das Gedicht ist reich an Wortspielen und Antithesen und ver-rät in seinem lehrhaften Tone als Verfasser keinen besonderen Dichter.

Zeugnisse. Im Paris. 8430 findet sich die Unterschrift Explicit Ilias a magistroSimone Aurea capra sed ab ipso nondum canonicato incomparabüiter edita et ab eodemiam canonicato mirabiliter correcta et amplificata; auch im Abrinc. 93 wird das Gedientdem Simon beigelegt; zu Simon, der sich übrigens im zweiten Teile selber nennt, wo ersich von Simonie frei bekennt ,Factus diffusus fiet sine Simone Simon' (vgl. J. Werner,

1 Bd. 12, 487 ff. 2 Und zwar in Versen ohne Reim.