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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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VIERTER ARSCHNITT

DIE DICHTUNG 1

Einen außerordentlichen Umfang hat in unserer Periode die Dichtungerlangt. Sie wurde namentlich in bezug auf die Form aus allerhand antikenund neueren Büchern gelehrt, so daß sie eigentlich im ganzen AbendlandModesache wurde. Die Schwierigkeit des Stoffes schreckte nicht mehr ab,seitdem schon in der vorigen Periode die Didaktik in die wunderlichstenBlüten geschossen war. Aber wie die Stoffe der Poesie so breiteten sichauch ihre Formen aus, deren Reichtum geradezu ins ungeheure wuchs.Das hängt mit der Ausbildungsfähigkeit des Rhythmus zusammen, der jadie Form der religiösen Lyrik geworden war und nun auch von der welt-lichen Lyrik verwendet wurde, während die anderen dichterischen Stoffeüberwiegend in Hexametern oder in Distichen behandelt wurden.

Wir können die große Flut der dichterischen Erzeugnisse in neun grö-ßere und kleinere Massen abteilen, deren erste die historische Dichtungumfaßt. Soweit sich diese antiker Stoffe bemächtigt, ist sie eben nichtsehr ausgedehnt. So schiieb Hildebert vielleicht das umfängliche GedichtMathematicus, Simon Aurea Capra eine Ilias in zwei Rüchern und PetrusSanctonensis eine Destructio Troiae. Aus etwas späterer Zeit stammen einCarmen de Leda, *zwei kleine Gedichte über alte Geschichte im Anschlußan die Überlieferung Fulchers von Chartres und *das Speculum regumGodefrids von Viterbo. Walter von Chatillon dichtete seine Alexandreis undJosephus Iscanus das große Epos De bello Troiano, Matthäus von Vendömesein Gedicht über Pyramus und Thisbe, dem sich ähnliche, wie das einesTidericus, anschlössen.

Viel stärker aber wurde die Dichtkunst durch bedeutende Ereignisse derGegenwart und durch gewaltige Taten mächtiger Fürsten angeregt. Sodichtete Wido von Amiens das Epos De Hastingae proelio und bald daraufentstand das Carmen De bello Saxonico, Fulcojus von Beauvais verfaßteGrabschriften auf bedeutende Männer, *Desider von Monte Cassino schriebein Epitaph auf Abt Apollinaris, ein unbekannter Poet besang den Sieg derPisaner über Piratenstädte, *Rangerius dichtete die Vita Anselmi Lucensisum; *Benzo von Alba und *Landulf von Mailand haben in ihre Darstellun-gen mehrfach geschichtliche Gedichte eingelegt, während * Gaufred Mala-terra öfters Prosa mit Poesie abwechseln ließ. Wilhelm von Apulien schriebseine Gesta Wiscardi, *Hariulf legte in das Chron. Centulense eine MengeGedichte ein, Rupert von Deutz dichtete über St. Lorenz in Lüttich, inSalzburg entstand die Passio Thiemonis und in Lorsch das Carmen Laures-

1 Schon in den drei ersten Abschnitten Dichtungen, soweit sie mir besonders wich-

dieses Bandes waren öfter Dichtungen zu tig erschienen, aufgenommen, aber durch

besprechen, nämlich bei Autoren, die sich einen vorangestellten Stern * gekennzeich-

durch Prosawerke auszeichneten. In fol- net worden. Sie sind durch den Index

gender Uebersicht sind auch alle diese leicht aufzufinden.

H.d.A.IX2,3 41