Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
617
Einzelbild herunterladen
 

G. Biographie. Hagiographie. Geographie 617

derer christlicher Schriftsteller. Die Ansicht M o m m s e n s ,* daß das in griechischer Sprachegeschriebene Original in karolingischer Zeit ins Lateinische übersetzt wurde und unsso im Geogr. Ravennas vorliegt, während eine erweiterte Gestalt zu unbekannter Zeitgleichfalls übersetzt wurde und 1118 von Guido in Auszüge gebracht worden ist, istdoch zu künstlich, um glaubhaft zu sein. Denn daraus, daß der Verfasser nicht nur grie-chische Worte benutzt, sondern auch griechische Quellen für seine Darstellung verwendet,braucht noch nicht auf ein griechisches Original geschlossen zu werden, da man dochim 7. Jahrhundert zu Ravenna noch in halbgriechischer Sphäre lebte. Und Guido hatsich dann im 12. Jahrhundert für seine Historiae einzelne Stücke aus dem Buche heraus-genommen, die er beliebig zerschnitt und dort einfügte, wo es ihm paßte, 2 wie er es auchmit andern Quellen seiner Kompilation gemacht hat.

Zeugnisse. Zur Person vgl. Ravennatis anonymi cosmographia et Guidonis geo-graphica edd. M. Pinder et G. Parthey (Berol. 1860) p.258,3 Ravenna nobilissima inqua licet idiota ego huius cosmographiae expositor Christo adiuvante genitus sum. Zur Zeitdes Autors vgl. Mommsen, Leipz. SB. 1851 S. 116. Adressat 1, 13 p. 32,1 Sed si le-geris, Odo care, 3 bellum; zu Bischof Oddo von Padua vgl. K. Miller, Mappae mundi 6,22. Die Bibel nennt der Autor an 25 Stellen, und zwar in der durch die Vulgata korri-gierten Form der Itala, vgl. Miller p. 24, Orosius nennt er zweimal (2, 4 p. 50, 16 und5,29 p.420,11). Jordanis wird achtmal angeführt, vgl. Index p. 614 (J.Schnetz, Philol.81, 86 ff.), Isidor 1, 5 p. 13, 7f., Gregor der Große 3, 9 p. 159, 7f. 4 Von Griechen nenntder Autor den Ptolemäus 1, 9 p. 23, 5; 4, 4 p. 175, 1 und 11; 4,11 p. 200, 1, den BasiliusvonCäsarea (Hexameron) 1, 5 p.13, 5 f., Epiphanius von Cypros 2, 21 p.117, 2 und 5,16p.387, 7f., Porphyrius 2,16 p. 91,13 (und Index p. 642), und Athanasius von Alexandria1, 6 p. 15, lf. Endlich beruft er sich 1, 8 p. 18, 17f. auf die Gesta Alexandri. Am meistenaber beruft er sich auf Castorius (vgl. Index p. 584), der nach Miller, Die Weltkartedes Castorius S. 40, der Verfasser der Tabula Peutingeriana war, die der Autor seinemWerke überhaupt zugrunde gelegt hat. Sonst nennt der Verfasser eine große Anzahl vonGewährsmännern, die von Miller, Mappae mundi 6,3646, entgegengesetzt der all-gemeinen Annahme, 5 durchaus nicht für fingierte Autoren gehalten werden. Vgl. jetztbesonders W. Kubitschek, Denkschr. d. Wiener Akad. 61 (1919) III, 44ff. Wertvoll istdie Bibliographie bei K. Miller, Mappae mundi 6 (Stuttgart 1898), 57.

Der Verfasser teilt seinen Stoff in fünf Bücher. Im ersten spricht er sich zu seinemFreunde über seine Weltanschauung aus und gibt die Einteilung des Erdkreises nachder Weltkarte, wobei er ihn zuerst nach den zwölf Tagesstunden zerlegt, die den Osten,Süden und Westen bedeuten, während der Norden nach den zwölf Nachtstunden ein-zuteilen sei; am Schlüsse gibt er eine Übersicht über die großen Meereseinschnitte derKontinente. In Kap. 9° hat der Autor einen Rhythmus von 24 iambischen Achtsilberneingelegt, der über die Schöpfung der Sonne und besonders über deren Lauf bei Nachtdurch das Wasser (des Ozeans) handelt. Mit dem zweiten Buch beginnt dann die eigent-liche Kosmographie, die hier über Asien handelt und so eingerichtet ist, daß in den ein-zelnen Ländern die Städte und die Flüsse aufgezählt werden und zuletzt die Begrenzunggegeben wird. In ganz derselben Weise handelt der Autor in den beiden folgenden Bü-chern über Afrika und Europa, ohne daß es irgendwie zu einer wirklichen Länderbeschrei-bung käme; nur wird hier gegen Ende (3, 11 p. 165, 7 ff. 4, 45 p. 323, 3 ff ) die Gesamt-summe der genannten Städte, Länder, Flüsse, Inseln, Seen und Provinzen aufgeführt.Im fünften Buche wird der Periplus des gesamten Mittelmeeres (maris tnagni) vorge-bracht und dabei erscheinen sämtliche an ihm liegenden Städte wieder, trotzdem sie derAutor schon in den früheren Büchern genannt hat; etwa hervortretende Namensver-schiedenheiten entschuldigt er naiv genug mit den verschiedenen Sprachen der Men-schen. 7 Doch geht er in diesem Buche auch über das Mittelmeer hinaus und nennt dieozeanischen Städte Galliens sowie die Städte Britanniens und die nördlichen Flüsse undInseln. Am Ende (5, 34 p. 445, 9 ff.) betont er, daß er auch der Länder castra vel promun-taa, universos torrentes verum etiam petrosa refugia simulque earum regionum stadiishätte nennen können, aber er wolle durch unnütze Länge keinen Widerwillen erregen.

Ueberlieferung. Die älteste Handschrift stellt die von Guido benutzte dar, siewar in manchen Teilen vollständiger und besser als unsere heutige Ueberlieferung. Diesebesteht in Vat. Urbinas 961 s. XIII, Paris. 4794 s. XIV und Basil. F. V. 6 s. XIV/XV.

* Leipz. SB. 1851, 111 ff. 6 p. 23f. Der Reim ist ganz unregelmäßig

a Vgl. K. Miller, Mappae mundi 6, 23. und mehr wie zufällig vorhanden, Hiat wird

Vgl. 1,1 p. 1,11 o ml f rater carissime und nicht vermieden; Vs. 15 eine Form wie nim-

i u **' -^' ^ ° an "- ce - phibus abl. plur. Dreimal begegnet das Wort

Homil. in evang. 1,10. igniformus.

vgl. Teuffei § 497, 4. '5,1 p. 330,15331,11.