G. Biographie. Hagiographie. Geographie 607
die kurz nach 1157 entstandene Vita Norberti ist ihm noch unbekannt. 1So hat er die Biographie bald nach Godefrids Tode geschrieben.
Der Verfasser sagt in der Vorrede, er wolle in kurzem Umriß darstellen,was unter den Augen der Brüder geschah und gesprochen wurde. Man liestnun zuerst ausführlich von der vornehmen Abstammung des Grafen und vonseinem Hang zu ernstem geistlichen Leben mitten in der Weltlichkeit sowievon Visionen, die auf künftiges geistliches Leben hindeuten. Die Umwand-lung von Kappenberg in ein Kloster bewirkte Norbert, der Graf und seinBruder Otto wurden unter seiner Leitung Mönche nach der Hegel des hl.Augustin und Jutta Nonne; sie schenkten ihren Besitz der Kirche und grün-deten drei Klöster, in denen die Zucht der Regel scharf gehandhabt wurde.Doch der Graf Friedrich von Arnsberg, der Vater Juttas, verlangte derenHeiratsgut zurück und belagerte schließlich Kappenberg, aber die StrafeGottes traf ihn durch seinen baldigen Tod. Auch nützte es nichts, daß manGodefrid an Norbert irre machen wollte, indem man diesen verhöhnte.Schwierigkeiten hatte der Graf mit dem Bischof von Münster zu bestehen,der nicht wollte, daß die Burg Kappenberg in Mönchshände fiel. Aber beiden Brüdern genoß er hohe Verehrung und allgemeine Liebe, und als ergestorben war, verrichtete er Heilungen und Wunder. Seine Gebeine wurdennach Kappenberg übertragen.
Viel weiß der Verfasser nicht zu erzählen, wohl aber versteht er das wenige,was er zu sagen hat, durch wuchernde Rhetorik und gewaltigen Wortreich-tum auszudehnen. Außerdem liebt er es, seine Prosa nicht nur durchhäufigen Reim, sondern auch durch eingelegte Verse aus Vergil, Horazund Juvenal zu schmücken, zu denen sich die damals schon selten genanntenPrudentius und Arator gesellen. Dadurch und durch häufig eingelegteReden erhält die Darstellung zuweilen etwas Leben, sie ist sonst reichlichtrocken und phrasenhaft.
Zeugnisse. Person des Verfassers Praef. (MG. SS. 12, 515,1) quod hactenus de . ..Godefrido comite Capenbergensis coenobii, hoc est loci nostri jundatore; c. 8 p. 523, 22f.Novi praeterea unum e fratribus qui mihi . . . respondit: Eia, frater; 10 p. 525, 26 verbumbonum quod a quodam familiarium nostrorum . . . accepi. Ansprache Norberts c. 3 p.517,12 Ipse autem praefatus pater Norbertus prae ceteris Capenburgense coenobium diligebat,de quo etiam loco, quod non silebo, in conventu fratrum aliquando residens asserebat . . .Haec ego in eodem fratrum conventu positus audivi. Zum Berichte Praef. p. 515, 11 Co-nabimur itaque de hoc sancto aliqua locuturi . . . et ea quae sub oculis fratrum nostrorumacta vel dicta sunt. . . explorare und 1 p. 515, 35 attestante quodam familiari eius tuncministro postmodum autem fratre nostro. Zugehörigkeit zum Prämonstratenserorden c. 3p. 516, 44 Et ecce hie ordo noster . . . longe lateque protenditur. Zu Anführungen aus altenDichtern vgl. c. 4 p. 518, 32 Juv. 6,181; p. 518,46 Juv. 14,178; 4 p. 519,15 Verg. Ecl.4,5; 7 p. 521,37 Aen. 4,188; p. 522, 8 Aen. 6,160; 11 p. 526,47 Aen. 7,646; 11 p. 527,38ff. Aen. 8,19ff., 4, 287. c. 5 p. 520, 38ff. Prud. Psychom. 609ff. c. 11 p. 528, 15—18Arator Act. apost. 2, 678—681.
Ueberlieferung. Hs. im bischöflichen Seminar in Mainz, vgl. F. Falk, Forsch, z.deutsch. Gesch. 14, 615; daselbst fand sich eine neue Hs. s. XIII nach F. W. E. Roth,Correspbl. d. Gesamtver. d. deutsch. Gesch.- u. Altertumsvereine 1893 S. 91 f. Ausgabenvonj. Gamans, Acta SS. Jan. 1, 846; von Jaffe, MG. SS. 12, 514—530. —Eine zweitekürzere Biographie, vielleicht von Propst Hermann zu Kappenberg nach 1204 verfaßt,steht im Darmstad. 943 s. XV; Ausgaben von Gamans, Acta SS. Jan. 1, 857—860, undKomanische Forsch. 6, 435—441.
Kap. 2 p. 516, 21 (Norbertus) ... De quis ad plenum dicere voluerit, singularishuius porro vitae sanetitate, archiepiscopatus profecto libri ad hoc solum instituti magnitu-aignitate saneti quoque transitus felicitate si dine opus erit.