558 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
von Arezzo hielt. Und obwohl ihm der Klostergesang ganz unbekannt warrichtete er mit großer Mühe ein Gradualbuch her, indem er das Pergamentvorbereitete, liniierte, beschrieb und mit Noten versah. Und man hattespäter von ihm im Kloster ein Buch mit seinen kleineren Werken, in dessenVorrede angegeben war, was er geschrieben und gedichtet und warum undwann er es verfaßt hatte. Außerdem besaß man einen Band mit seinen sie-ben Büchern Contra symoniacos, wo er in den ersten vier Büchern die Sachesystematisch und in den letzten drei nach den kirchlichen Autoritäten be-handelt hatte. Rudolf wurde im Kloster Prior und erhielt 1108 nach Theo-derichs Tode die Abtswürde. Außerdem wurde er 1121 Abt von St. Panta-leon in Köln, was er bis 1123 geblieben ist.
In dieser Zeit hatte er sich einst brieflich an den Prior Sigebert von Pan-taleon über einen Fall zu äußern, 1 der nach der scharfen Auffassung derZeit nahe an Simonie grenzte. Ein reicher Mann hatte seinen Sohn dem hl.Pantaleon darbringen wollen, ohne dem Kloster ein Geschenk zu machen.Rudolf antwortete mit einer ganzen Abhandlung über die Frage, ob dasstatthaft sei, und zwar bringt er hierzu Stellen aus Augustin De decemcordis, aus der Regel Benedikts, dem Leben des hl. Maurus von Faustusund den Leben der hl. Lucia und Caecilia. Die Schlußantwort faßt er inein kurzes Gedicht zusammen, nämlich daß ein ins Kloster Eintretenderdiesem den dritten Teil seiner Habe schuldig sei. Für sein Kloster wichtigeDinge behandelt er in zwei weiteren Briefen. 2 Aber auch mit großen litera-rischen Charakteren der Zeit stand er in Briefwechsel. So mit Rupert vonDeutz, der ihm die Widmung seines Anulus, eines religiösen Zweikampfszwischen einem Christen und einem Juden, angekündigt hatte und den erin einem Briefe zur Beendung der Schrift aufforderte, indem er ihm nochRatschläge hierfür übermittelte. 3
Wegen der Einführung der Reform hatte er große Mühe und fortgesetzteKämpfe mit der Gegenpartei im Bistum zu bestehen, namentlich seitdem1119 Friedrich von Namur auf unrechtmäßige Weise Bischof von Lüttichgeworden war. 4 Aber er forschte auch der Geschichte seines Klosters nachund fand in einer älteren Aufzeichnung von hagiographischen Schriftenfür die Frühzeit nur eine Reihe von Abtsnamen, die folgenden mit Regie-rungsjahren, die letzten auch mit den Jahren Christi versehen. Doch ließer sich keine Mühe verdrießen und brachte schließlich bis an seinen Tod(1138) durch fortgesetzte ernste Studien ein umfängliches Werk zustande,das von 999 bis zu seiner Abtserhebung reicht und wegen seiner geschicht-lichen Treue zu den besten Arbeiten dieser Art gehört. 5 Es hat mehrere Fort-setzungen bis 1493 erhalten, deren erste, bis 1138 reichend, von Rudolf be-freundeter Seite noch zu seinen Lebzeiten entstand.
Zeugnisse. Die Hauptdaten des Lebens gibt jene erste Fortsetzung Lib. 8—13.Hier heißt es 8, 2 (MG. SS. 10, 272, 21) Fuit iste Rodulfus natus de villa quae sitaestsupra Sambram fluvium nomine Monasterium . . . Sub Scolari disciplina et studio litte-
1 MG. SS. 10, 317—324. * Ueber die Schwierigkeiten seiner Stel-
2 MG. SS. 40, 324—326. Der Anfang lung vgl. Köpke, MG. SS. 10, 214 ff.des zweiten Briefes ist in der Fortsetzung der 6 Köpke meint a.a.O. p. 217, daß dasGesta 9,1 (MG. SS. 10, 280 f.) mitgeteilt. Werk in einem Zuge 1114 oder 1115 ge-Die Fortsetzung SS. 10, 326—332. schrieben ist.
3 Hrsg. von Roth, Neues Archiv 17, 617.